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Artenschutz mit dem Gewehr - Kann die Trophäenjagd dem Tierschutz dienen?

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Manche Flächen sehen aus wie Mondlandschaften: Bäume umgeknickt, abgestorben. Schäden, verursacht durch Elefanten. In Simbabwe zerstören die Dickhäuter ihren eigenen Lebensraum.

Großwildjäger auf Trophäenjagd, in Pose neben erschossenen Elefanten oder Löwen. Sofort hagelt es Kritik. Doch es gibt auch Chancen für den Natur- und Artenschutz: In Simbabwe können 100 Elefanten umgesiedelt werden.

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28 min
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Was macht man, wenn man zu viele Elefanten hat? Allgemein gilt: 0,3 Elefanten pro Quadratkilometer als akzeptable Größe, damit sich die Vegetation wieder erholen kann, doch auf Sango leben erheblich mehr Elefanten.

Trophäenjagd für den Tierschutz

Wilfried Pabst
Wilfried Pabst
Quelle: ZDF/Sandra Theiß

Sango liegt im Save Valley Conservancy, einem Naturschutzgebiet in Simbabwe, weit größer als das Saarland. Als der Hamburger Kaufmann Wilfried Pabst Sango 1993 erwarb, befand sich dort nur eine heruntergewirtschaftete Rinderfarm. Er und seine Nachbarn siedelten die ersten gut 560 Elefanten im Save Valley neu an. Sie haben sich so stark vermehrt, dass es inzwischen um die 2.000 sind. Doch genau das ist das Problem: Elefanten fressen etwa 20 Stunden am Tag, die Tiere zerstören nicht nur ihre eigene Lebensgrundlage, sondern auch die anderer Pflanzenfresser.

Pabst muss handeln. Er bekommt die Genehmigung 100 Elefanten zu keulen. Dass ab und zu Tiere auf Sango geschossen werden, ist normal. Etwa 60 Prozent der Kosten für den Betrieb des Wildreservates kommen aus der Trophäenjagd. Das Konzept: einzelne Tiere schießen lassen und mit den Einnahmen daraus die übrigen schützen – zum Beispiel vor Wilderern.

Pabst wurde dafür bereits angefeindet, doch die steigenden Zahlen fast aller Spezien auf Sango zeigen, dass die Trophäenjagd ein effektives Mittel in der Finanzierung von Tierschutz sein kann – sofern sie nachhaltig und ethisch abläuft und wirksam kontrolliert wird, so wie bei Pabst. Unter Pabst hat sich Sango zu einem Wildlife-Paradies entwickelt, auch durch die Einnahmen aus der Trophäenjagd.

Von Sango nach Rifa

Aber 100 Elefanten, ganze Familien, regelrecht abschlachten zu müssen, ist etwas ganz anderes. Das will niemand. Pabst hat Glück, ihm bietet sich eine Alternative: die Elefanten ziehen um.

Karte: Simbabwe, Save Valley Conservancy, Sango
Simbabwe, Save Valley Conservancy, Sango
Quelle: ZDF

Es beginnt eine spektakuläre Rettungsaktion: die Tiere werden aus der Luft betäubt und auf Transporter geladen. Jeder Handgriff muss sitzen, wenn ein mehrere Tonnen schweres Tier an einem Kran hängt. Dann geht es auf die Reise - nach Rifa. Im Norden von Simbabwe liegt Rifa, ein 800 Quadratkilometer großes Gebiet.

Hier in Rifa zeigt sich, welche Schäden die Jagd anrichten kann, wenn sie nicht nachhaltig und nicht kontrolliert betrieben wird. Unethische Jäger und Wilderer haben den Tierbestand in dem Gebiet über Jahrzehnte minimiert. Mit daran beteiligt waren offenbar auch Ranger der Nationalparkbehörde. Die staatlichen Ranger hätten aufgrund der dramatischen wirtschaftlichen Lage in Simbabwe teilweise über Monate kein Gehalt bekommen und aus der Not heraus Wild gejagt, um ihre Familien zu ernähren. Das sagt Ralph Koczwara.

Tierschützer aus Leidenschaft

Der Nürnberger Geschäftsmann pachtet Rifa seit 2018. Er hat die Jagd gestoppt und will Rifa zu alter Blüte verhelfen. Koczwara ist Tierschützer aus Leidenschaft. Ein Teil der Einnahmen seiner IT-Firma Hemmersbach GmbH fließen in den Schutz von Nashörnern und anderen Wildtieren in Afrika. Als Koczwara erfährt, dass auf Sango 100 Elefanten gekeult werden sollen, schlägt er die Umsiedlung vor.

In Rifa gibt es viel Platz für die Tiere, auch weil dort kaum Menschen leben. Trotzdem bahnen sich bereits die ersten Konflikte an. Denn außerhalb von Rifa, an der Grenze zu Sambia, liegt der Ort Chirundu. Dort leben auf simbabwischer Seite etwa 4000 Menschen, neben und mit den Wildtieren. Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen Mensch und Tier, die manchmal tödlich enden. Und der Konflikt wird sich verschärfen, denn die Zahl der Menschen steigt. Weil die Bevölkerungszahlen in Afrika wachsen, steigt der Druck auf die Wildgebiete. Der Kampf um die Ressourcen hat längst begonnen. Wie können Mensch und Tier nebeneinander existieren, wenn der Raum für beide immer enger wird?

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