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Artenschutz durch Elfenbein-Handel?

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Länder fordern Legalisierung - Artenschutz durch Elfenbein-Handel?

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Auf der Artenschutzkonferenz in Genf geht es um nicht weniger als eine mögliche Legalisierung eines eingeschränkten Handels mit Elfenbein. Das fordern zumindest einige Länder.

Elefanten im Chobe-Nationalpark in Botsuana. Archivbild
Hier sind sie nicht bedroht: Elefanten im Chobe-Nationalpark in Botsuana. Archivbild
Quelle: Charmaine Noronha/AP/dpa

Ziel einiger afrikanischer Länder ist es, das bisherige Abkommen auf der Artenschutzkonferenz CITES neu zu verhandeln. Erlaubt ist derzeit ein eingeschränkter Handel mit ganzen Trophäen, das heißt, der ganze Kopf des Tieres - samt Stoßzähnen oder Horn - darf gehandelt werden, reguliert durch Lizenzen, die von CITES vergeben werden. Verboten ist dagegen, bis auf wenige Ausnahmen, der Handel mit den Stoßzähnen oder dem Horn selbst. Genau dieses Verbot wollen einige Länder jetzt aufweichen.

Konflikte zwischen Mensch und Tier

Eines der Länder, die sich für eine Gesetzes-Änderung aussprechen, ist Botsuana. 2014 hatte die Regierung ein absolutes Jagdverbot auf Elefanten erlassen, mit dem Resultat, dass die Zahlen der Dickhäuter nach oben gingen - zur Freude von Umweltschützern und Touristen. Insgesamt leben in dem Land Schätzungen zufolge etwa 130.000 bis 160.000 der grauen Giganten, mit verheerenden Folgen - denn es sind einfach zu viele.

Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen Mensch und Tier, unter denen vor allem die ländliche Bevölkerung leidet. Die Elefanten fressen sich durch die Felder von Kleinbauern und zertrampeln, was sie nicht fressen. In einzelnen Fällen kommt es zu Zusammenstößen, bei denen Elefanten Menschen töten. "Die Elefanten kommen jeden Tag, sie sehen hier die Spuren. Wir sollten eigentlich im Mai ernten, doch es gab nichts mehr zu ernten. Sie haben alles kaputt gemacht", sagt Daniel Chiswaniso Jeremia, ein Kleinbauer in Kasane.

Elefantengruppe am Chobe-Fluss im Licht der untergehenden Sonne
Die Gesetze für die Elfantenjagd haben sich in Botsuana geändert. (Archivbild)
Quelle: ZDF/Oliver Roetz

Botsuana hat Jagdverbot aufgehoben

Mit dem Verweis auf eben diesen Konflikt hat Botsuana das Jagdverbot vor einigen Wochen aufgehoben. In Zukunft sollen 400 Tiere im Jahr geschossen werden dürfen. Angesichts der Anzahl der vorhandenen Tiere und der Wachstumsrate von etwa sechs Prozent würden sich die Elefanten trotzdem weiter vermehren. Experten befürworten daher im Fall von Botsuana eine regulierte Jagd. Das erläuterte auch Tom Milliken von der Tierschutzorganisation Traffic: "Die Auswirkungen werden positiv sein. Botsuana hat sich komplett verpflichtet, dass die Einnahmen aus der Trophäenjagd der Bevölkerung zu Gute kommen."

In den ländlichen Gebieten lebten die Menschen mit rund 150.000 Elefanten - und sie hätten derzeit keinerlei Nutzen davon. "Wenn eine geringe Anzahl von Tieren für die Trophäenjagd freigegeben ist, dann können die Einnahmen daraus helfen, die negativen Aspekte, mit denen die ländliche Bevölkerung zu kämpfen hat, einschließlich des Verlustes von Menschenleben, abzumildern“, sagt Milliken.

Furcht vor Wilderern

Auf der CITES-Konferenz will Botsuana jetzt einen Schritt weiter gehen, es fordert einen eingeschränkten legalen Handel mit den Stoßzähnen. Ein ähnlicher Antrag wird von Eswatini (früher Swasiland) kommen, es will seine Lagerbestände an Nashorn-Horn verkaufen können. Tierschützer sind alarmiert und Experten skeptisch.

Neil Aldridge: Betäubtes Breitmaulnashorn bei Umsiedelung als Schutz vor Wilderern
Hörner von Nashörnern sind begehrt.
Quelle: dpa

Es sei zu befürchten, dass bei einer Aufhebung des Handelsverbotes nicht nur legales Elfenbein und Horn den Weg auf den Markt finden, sondern auch illegales, von gewilderten Tieren, sagt Milliken: "Das ergibt überhaupt keinen Sinn. Denn wer ist Ihr Handelspartner auf dem Markt, wo die Produkte nachgefragt werden? Und wie soll das kontrolliert werden?" Milliken glaubt, es würden sich schnell zwei parallele Märkte entwickeln. "Wir würden die Gesetzeshüter entlang der Handelsketten verwirren, denn derzeit ist jegliches Nashorn-Horn illegal. Dann hätten wir eine schlechtere Situation als jetzt."

DNA-Tests schaffen Gewissheit

Die Befürworter argumentieren, dass sich heute durch DNA-Tests nachweisen lässt, ob es sich um ein legales Horn oder ein gewildertes handelt. Schon jetzt stellen viele Länder DNA-Proben sicher. Das setzt allerdings voraus, dass entsprechende Kontrollen durchgeführt werden. Genau das kann aber oft nicht gewährleistet werden, vor allem wenn korrupte Beamte involviert sind. Und so ist die Gefahr, dass mit einem legalen Handel von Elfenbein oder Nashorn-Horn auch die Wilderei zunimmt, durchaus real.

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