Sie sind hier:

Asteroidenlander "Mascot" - Den Ursprüngen des Universums auf der Spur

Datum:

Erst hat eine Vorhut der Raumsonde "Hayabusa 2" die Lage auf dem Asteroiden "Ryugu" gecheckt. Nun soll der deutsche Lander "Mascot" folgen. Sein Job: Rätsel des Universums lösen.

Oberfläche des Asteroiden "Ryugu"
Oberfläche des Asteroiden "Ryugu": Aufgenommen vom Kundschafter der Raumsonde "Hayabusa 2"
Quelle: ap

Der Countdown für den hüpfenden Asteroidenlander "Mascot" läuft: Am frühen Mittwochmorgen soll sich das schuhkartongroße Forschungsgerät von der japanischen Raumsonde "Hayabusa 2" trennen und wenige Minuten später auf dem Asteroiden "Ryugu" aufsetzen. Eine Bestätigung der Landung erwarten die Forscher im Kontrollzentrum am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln dann am Mittwochvormittag, wie das DLR mitteilte.

Asteroidenlander "Mascot"
Im Inneren des Asteroidenlanders "Mascot" sind ein Radiometer, eine Kamera des DLR, ein Spektrometer und ein Magnetometer der TU Braunschweig verbaut.
Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

Der nur 30 mal 30 mal 20 Zentimeter große "Mascot"-Lander soll nach der Landung mindestens 16 Stunden lang Daten über "Ryugu" sammeln. Einige Stunden nach der Landung und ersten Messungen des deutsch-französischen Landegeräts werden die Wissenschaftler im "Mascot"-Kontrollzentrum in Köln entscheiden, ob die Landeeinheit per eingebautem Schwungarm zu einer weiteren Messstelle hüpft.

Geplant ist ein bis zu zehn Meter weiter Sprung der Landeeinheit

"Bei letzten Tests vor der Landung haben wir abgeschätzt, dass wir 'Mascot' wahrscheinlich nur einmal unter zehn Meter weit springen lassen, um Batterielaufzeit für die optimale Durchführung der Messungen und Datenübertragung zu sparen", erklärte die Projektleiterin Tra-Mi Ho vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen.

Roboter-Kundschafter der Raumsonde "Hayabusa 2"
Kundschafter der Raumsonde "Hayabusa 2": Die solarbetriebenen "Rover Minerva-II" haben vor dem geplanten Aufsetzen der deutsch-französischen Landeeinheit "Mascot" Bildaufnahmen von der Oberfläche gemacht und die Temperatur auf dem Asteroiden gemessen. (Computergrafik)
Quelle: dpa

"Zudem lassen die bisherigen Aufnahmen vermuten, dass 'Ryugu' über die Oberfläche hinweg eher ähnlich zusammengesetzt ist, so dass wir keine großen Sprünge benötigen", sagt Ho. Die wissenschaftlichen Daten und Bilder werden erst einige Tage nach der Landung erwartet und dann ausgewertet.

Abtrennung von der Muttersonde um 3:58 Uhr nachts

"Hayabusa 2" hatte mit "Mascot" und weiteren Geräten an Bord Ende Juni den Asteroiden "Ryugu" erreicht, der nach einem unter Wasser liegenden Schloss aus der japanischen Mythologie benannt ist. "Hayabusa 2" - japanisch "Falke" - wird "Ryugu" insgesamt eineinhalb Jahre lang aus unmittelbarer Nähe beobachten.

Japanische Raumsonde "Hayabusa 2"
Die japanische Raumsonde "Hayabusa 2" (Computergrafik)
Quelle: ap

"Wir sind gespannt, ob 'Mascot' wie geplant und vielfach erprobt sanft aus seiner Verankerung gelöst wird", erklärte Ho mit Blick auf die Abtrennung des Landers von der Muttersonde, die am Mittwoch um 03:58 Uhr deutscher Zeit stattfinden soll. "Der sanfte Abstieg ist entscheidend, weil 'Mascot' sonst wegen der geringen Gravitation wie ein 'Gummiball' vom Asteroiden zurückspringen und im All verloren gehen würde."

DLR und Cnes haben "Mascot" entwickelt

Nach der Trennung von "Hayabusa 2" fällt "Mascot" laut DLR antriebslos und taumelnd hinab auf den Asteroiden. Durch dessen geringe Schwerkraft wird die Landeeinheit sanft auf bis zu 20 Zentimeter pro Sekunde beschleunigt. Zum Vergleich: Ein gewöhnlicher Fußgänger bewegt sich sieben Mal schneller.

Schatten der Raumsonde "Hayabusa 2" über dem Asteroiden "Ryugu"
Schatten der Raumsonde "Hayabusa 2" über dem Asteroiden "Ryugu"
Quelle: ap

Bereits fünf bis zehn Minuten nach der Trennung berührt "Mascot" in der ausgewählten Landezone zum ersten Mal "Ryugus" Oberfläche - und anschließend noch viele weitere Male bis zur Ruhelage. Entwickelt und gebaut wurde "Mascot" (Mobile Asteroid Surface Scout) vom DLR in enger Kooperation mit der französischen Raumfahrtagentur Cnes.

Geplante Rückkehr zur Erde im Jahr 2020

Durch die japanische "Hayabusa 2"-Mission wollen die Wissenschaftler mehr über erdnahe Asteroiden und ihre Beschaffenheit erfahren. Erforscht werden soll unter anderem, ob das Wasser auf der Erde in Teilen auch von Asteroiden stammen könnte. Außerdem wollen die Forscher laut DLR genaue Informationen über die Zusammensetzung eines potenziell für die Erde gefährlichen Asteroiden sammeln, um Abwehrmöglichkeiten zu entwickeln.

Zu den Höhepunkt der Mission zählt die Entnahme von Oberflächenmaterial des Asteroiden, der einen Durchmesser von 950 Metern aufweist. Die so gewonnenen Asteroidenproben soll "Hayabusa 2" dann 2020 zur Erde bringen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.