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Deutscher Astronaut - Reiter: Raumfahrt kann politische Gegensätze überwinden

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Im ZDF erklärt Astronaut Reiter 50 Jahre nach der ersten Mondlandung die Bedeutung des Ereignisses und findet, dass die Raumfahrt eine politische Vorbildfunktion einnehmen kann.

Thomas Reiter war von 1992 bis 2007 Astronaut der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der achte Deutsche im All. Als erster Deutscher unternahm er einen Weltraumausstieg. Im ZDF sprach er über seine Erfahrung der ersten Mondlandung - und welche Brücken das All schlagen kann.

ZDF: Herr Reiter, 1969 waren sie noch ein kleines Kind - welche Erinnerungen haben Sie eigentlich an die Mondlandung?

Thomas Reiter: Also wenn ich jetzt so die Bilder sehe, dann bekomme ich in der Tat wieder Gänsehaut. Ich war damals elf Jahre alt, mein Vater hat mich nach Mitternacht geweckt, wir sind dann zu Nachbarn gegangen und haben uns das dort angeschaut. Die Vorstellung, dass da tatsächlich Menschen auf der Oberfläche eines anderen Himmelskörpers standen, ist etwas, was damals wie heute Gänsehaut hervorruft.

ZDF: Und dann wollten Sie wahrscheinlich endgültig Astronaut werden oder war das schon vorher ihr Wunsch?

Reiter: Der Wunsch kam schon vorher. Ich habe natürlich die Programme - die Gemini, Mercury und dann Apollo - verfolgt. Also die Idee war schon vorher da, aber die Mondlandung war gewissermaßen der entscheidende Moment, die Bestätigung.

ZDF: Stimmt es, dass sie nach der Übertragung Neil Armstrong einen Brief geschickt haben? Was stand da drin?

Reiter: (lacht) Ja, das ist richtig. Ich hab ihm und natürlich seinen Kollegen erst einmal zu dieser tollen Leistung gratuliert und geschrieben, ich wäre natürlich gerne dabei gewesen und habe ihn gebeten, mir doch ein Missions-Emblem zu schicken. Aber ich glaube, dieser Brief hat ihn damals nicht direkt erreicht.

ZDF: Was hat es uns denn als Menschen gebracht, dass Neil Armstrong und auch andere Raumfahrer nach ihm auf dem Mond waren? Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse gab es?

Die Wissenschaft stand damals nicht so ganz im Vordergrund. [...] Es ging um die Demonstration der technologischen Führerschaft.

Reiter: Die Wissenschaft stand damals nicht so ganz im Vordergrund. Sie fand zur Zeit des Kalten Krieges statt und es ging um die Demonstration der technologischen Führerschaft. Nichtsdestotrotz gab es natürlich aufgrund dieser vielen hundert Kilogramm Mondgestein, die zurückgebracht wurden, den Wissenschaftlern die Möglichkeit, Erkenntnisse über die Entstehungsgeschichte des Mondes zu sammeln.

Man weiß heute, dass der Mond vor viereinhalb Milliarden Jahren gewissermaßen aus der Urerde heraus geschlagen wurde. Die Technologien, die damals erforderlich waren, haben zu vielerlei Entwicklungen geführt. Was dann aus der Raumfahrt im weiteren geworden ist, das sieht man heute: Raumfahrt ist aus dem Alltag gar nicht mehr wegzudenken. Wir nutzen das, ob wir es wissen oder nicht, jeden Tag. Es ist etwas sehr, sehr Wichtiges daraus geworden.

ZDF: Seit 1972 war aber kein Mensch mehr auf dem Mond. Woran liegt das?

Reiter: Man hat sich zunächst mal anderen Themen zugewandt: der Forschung im niedrigen Erdorbit. An Bord der Internationalen Raumstation führen wir ja nun seit vielen Jahrzehnten eine Vielzahl von Experimenten durch, Forschung im weiten Spektrum von wissenschaftlichen Disziplinen, die uns hier in allen möglichen Bereichen wie der Medizin, der Biologie, in den Materialwissenschaften und der Physik eine ganze Menge nutzt.

Das, was wir heute über Klimawandel wissen, wissen wir zum Großteil dank dieser Satelliten, die globale Datensätze mit hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung erheben können. Also da ist eine ganze Menge dabei, aber natürlich wollen wir über den niedrigen Erdorbit hinaus Menschen zum Mond zurückbringen. Da ist es natürlich eine tolle Sache, dass Europa hier ein ganz entscheidendes Element, nämlich dieses Servicemodul für die nächste Kapsel, die zum Mond fliegen wird, beitragen wird: die Orion-Kapsel.

Thomas Reiter - Astronaut
Astronaut Thomas Reiter im Labor der ISS (2006).
Quelle: imago

ZDF: Sie haben sich dafür ausgesprochen, auf dem Mond eine Internationale Station einzurichten, wie auch die Internationale Raumstation ISS. Wie realistisch ist denn das angesichts des angespannten Verhältnisses zwischen dem Westen und Russland? Sie haben ja schon angedeutet, dass das immer in gewisser Weise politisch ist.

In diesem Sinne ist die Raumfahrt wirklich ein sehr gutes Beispiel für das Überwinden solcher Gegensätze.

Reiter: Da haben Sie vollkommen Recht. Gott sei Dank kann man heute noch sagen, dass gerade die Raumfahrt wie sie an Bord der Internationalen Raumstation, und jetzt bei der sich weiterentwickelnden Zusammenarbeit Richtung Mond darstellt, jenseits dieser Konflikte auf der Erde stattfindet. Und in diesem Sinne ist die Raumfahrt wirklich ein sehr gutes Beispiel für das Überwinden solcher Gegensätze. Dort forschen viele Länder weltweit an gemeinsamen Zielen, die letztendlich hier auf der Erde allen dienen. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn wir auch in anderen Bereichen zu so einem Status kommen würden.

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