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EU-Asylbericht - Weniger Asylanträge - Grund für Entwarnung?

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In der EU werden 2018 insgesamt weniger Asylanträge gestellt als im Vorjahr. Doch zwischen den Länder schwanken die Zahlen erheblich, auch aufgrund der Asylpolitik. Eine Analyse.

Archiv: Im Transitzentrum für Asylsuchende unterhalten sich Männer und Frauen vor einem Wohngebäude, aufgenommen am 15.05.2018
Transitzentrum für Asylsuchende (Symboldbild)
Quelle: dpa

Zwar sind 2018 in keinem anderen europäischen Land so viele Asylanträge gestellt worden, wie in Deutschland – und das zum siebten Mal in Folge, wie die Europäische Asylbehörde Easo heute bekanntgab. Trotzdem ging die Zahl der Asylanträge zwischen 2017 und 2018 insgesamt zurück. Deutschland verzeichnete laut Easo-Bericht einen Rückgang um etwa 17 Prozent, während die Antragszahlen in den 28 EU-Staaten sowie in der Schweiz, Norwegen und Liechtenstein insgesamt um etwa zehn Prozent sanken. Doch nicht überall war dies der Fall.

Zahlen schwanken

In Spanien stieg die Zahl der Schutzsuchenden beispielsweise im selben Zeitraum um 48 Prozent an, obwohl hier relativ wenige Asylanträge gestellt werden. Auch Wissenschaftler können diesen Widerspruch nur mühsam interpretieren. Denn die Zusammenarbeit der Spanier mit Marokko und anderen afrikanischen Staaten im Grenzschutz halte viele Flüchtlinge davon ab, überhaupt erst ins Land hinein zu gelangen.

Die Veränderungen der Antragszahlen hängen von vielen Faktoren ab.
Dr. Marcus Engler, Sozialwissenschaftler

"Die Veränderungen der Antragszahlen hängen von vielen Faktoren ab", sagt Migrationsforscher und Sozialwissenschaftler Dr. Marcus Engler. Unter anderem von der Reputation eines Landes bei den Flüchtlingen. Politische und wirtschaftliche Stabilität, wie in Deutschland etwa, könne starken Zuzug erklären. Aber auch die Veränderung der Asylpolitik der jeweiligen Staaten kann Migrationsbewegungen verschieben.

Weniger Anträge - Ein gutes Zeichen?

In Italien ist die Zahl der Asylanträge 2018 um mehr als die Hälfte gesunken. Der Grund dafür liegt für Engler auf der Hand: Die intensive Kooperation mit der libyschen Küstenwache sowie die restriktive Politik der Salvini-Regierung. "Die Abschottung ist erfolgreich, die irreguläre, also die unerwünschte Immigration ist auf einem sehr niedrigen Niveau. Das bedeutet aber nicht, dass für die Menschen ein Schutz erreicht wurde, sondern nur, dass weniger Menschen hineingelassen werden", sagt Engler.

Menschenrechtliche Standards

Denn das Abkommen garantiere keine Einhaltung menschenrechtlicher Standards, werde aber von den anderen europäischen Staaten unterstützt, so Engler weiter. Ebenso der stark kritisierte Türkei-Deal: Für Wissenschaftler wie Engler "der einzige gemeinsame Nenner, auf den sich die EU bislang einigen konnte". Tatsächlich hat die EU es nicht geschafft, ihr Asylsystem zu reformieren und sich einheitlich zur umstrittenen Dublin-Verordnung zu positionieren.

2019: Zahlen steigen wieder

Aus den aktuellen Zahlen der Easo geht hervor, dass die Zahl der Asylanträge in der EU, der Schweiz, Norwegen und Liechtenstein im ersten Quartal 2019 wieder angestiegen ist. Zunächst muss das aber noch nichts bedeuten. Erst über einen längeren Zeitraum können diese Statistiken etwas über Trends aussagen.

Einen Trend hatte jedoch die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen erst kürzlich ausgemacht: Weltweit sind mehr als 70 Millionen Menschen auf der Flucht. Nach Europa kommen zwar immer weniger, doch noch nicht einmal für sie hat die EU eine Lösung.

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