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Urananreicherung über Grenzwert - Iran zieht die "Eskalationsschraube" an

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Iran will Uran höher als vereinbart anreichern. Laut ZDF-Korrespondent Brase wird dadurch die "Eskalationsschraube weiter angezogen" - trotz eines konstruktiven Telefongesprächs.

Die Tür für Gespräche sei laut Irans Außenminister Sarif noch nicht zu, so ZDF-Korrespondent Jörg Brase. Trotzdem bleibe der Iran in seinen Forderungen hart. Eine Entspannung der Lage sei nicht in Sicht.

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Wie angekündigt, will sich der Iran ab heute nicht mehr an die im Atomabkommen festgeschriebene Urananreicherung von 3,67 Prozent halten. "Ab heute halten wir uns nicht mehr an die 3,67 Prozent und unsere Urananreicherung wird je nach Bedarf erhöht", sagte Regierungssprecher Ali Rabei  in der iranischen Hauptstadt Teheran. Die Begrenzung der Urananreicherung auf maximal 3,67 Prozent ist eine der wichtigsten Auflagen des Abkommens, mit dem der Iran am Bau einer Atombombe gehindert werden soll. Die Reaktionen sind harsch, Entspannung ist nicht in Sicht.

"Eskalationsschraube wird weiter angezogen"

"Die erste Folge ist, dass die Eskalationsschraube weiter angezogen wird", schätzt ZDF-Korrespondent Jörg Brase die Lage aus Teheran ein. Zwar beteuere der Iran, dass er das Überschreiten der Grenze von 3,67 Prozent nur für die zivile Nutzung der Atomkraft veranlasst habe, die Gegner des Iran halten dies jedoch für unglaubwürdig.

Sie wissen, womit sie spielen und ich denke, sie spielen mit dem Feuer.
Donald Trump, US-Präsident

Der israelische Energieminister Yuval Steinitz warnte, der Iran befinde sich auf dem Weg zur atomaren Bewaffnung. Die angekündigte Anhebung der Urananreicherung sei noch moderat, aber sie verstoße gegen das vereinbarte Limit. "Es bedeutet, dass der Iran rote Linien überschreitet, auf die man sich geeinigt hat", sagte Steinitz dem israelischen Sender Ynet. Auch die USA hatten die Führung in Teheran jüngst eindringlich vor der angedrohten Urananreicherung gewarnt. "Sie wissen, womit sie spielen und ich denke, sie spielen mit Feuer", sagte US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus.

Trump hatte das mühsam ausgehandelte Atomabkommen vor einem Jahr einseitig aufgekündigt und neue Wirtschaftssanktionen gegen den Iran verhängt, die dem Land schwer zusetzen. Er will Neuverhandlungen über ein wesentlich schärferes Atom-Abkommen erzwingen. In einer ersten Reaktion darauf gab Teheran am 1. Juli bekannt, dass die ebenfalls im Atomabkommen festgelegte Grenze für den Lagerbestand an schwach angereichertem Uran von 300 Kilogramm überschritten worden sei. 

Seit der einseitigen Aufkündigung des Abkommens durch die USA ist die Zukunft des Vertrags ungewiss. Deutschland und die EU pochen auf dessen Einhaltung. Auch die anderen Unterzeichner des Paktes - China und Russland stehen bislang zu der Vereinbarung.

Offene Türen und ein konstruktives Telefongespräch

Irans Vizeminister Araghchi bezeichnete den iranischen Schritt als legitim und im legalen Rahmen des Wiener Abkommens. "Wir haben nach dem Ausstieg der USA im vergangenen Jahr der Diplomatie ein Jahr Zeit gegeben ... aber ohne Ergebnisse", sagte Araghchi. Dennoch sei der Weg für eine diplomatische Lösung weiterhin offen. Präsident Hassan Ruhani habe am Samstagabend ein konstruktives Telefonat mit seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron über weitere Verhandlungen dazu geführt, sagte der Vizeminister.

Dabei sei es vor allem um ein Außenministertreffen der verbliebenen Vertragspartner gegangen. "Man hofft wohl auf dieses Telefongespräch, in dem man soch noch einmal eine achttägige Frist gegeben hat", erläutert ZDF-Korrespondent Brase. Das Vorgehen und die Forderungen des Iran hätten jedoch nicht zur Entspannung beigetragen, eher im Gegenteil.

Angst vor dem Bau einer Atombombe

Anlass des Atomabkommens war die Sorge der internationalen Gemeinschaft, der Iran könne eine Atombombe bauen. Daher wurde das iranische Atomprogramm massiv eingeschränkt und überwacht. Auf 90 Prozent hoch angereichertes Uran kann für Nuklearwaffen benutzt werden.

Bei einer Anreicherung des Urans auf 20 Prozent ist der Schritt bis zum waffenfähigen Uran nur noch klein. Allerdings sind sich die Experten weitgehend einig, dass Teheran bis zum möglichen Bau einer Atombombe mindestens ein Jahr brauchen würde.

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