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Schüsse am Weihnachtsmarkt - Was wir über den Angriff in Straßburg wissen

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Nach dem Angriff auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg hat die Polizei den mutmaßlichen Attentäter Chérif Chekatt getötet. Was wir bislang über den Angriff wissen - ein Überblick.

Polizisten in der Nähe des Straßburger Weihnachtsmarkts am 12.12.2018
Polizisten in der Nähe des Straßburger Weihnachtsmarkts
Quelle: dpa

Die Tat

Gesichert ist: Am Dienstagabend gegen 20 Uhr eröffnet ein Mann in der weihnachtlich geschmückten Innenstadt von Straßburg plötzlich das Feuer; unweit des beliebten Weihnachtsmarktes schießt er um sich. Nach Angaben des ermittelnden Pariser Staatsanwalts Rémi Heitz, dessen Behörde auf Terrorfälle spezialisiert ist, hatte der Mann außer einer Handfeuerwaffe auch ein Messer dabei. "Auf seinem Weg hat er mehrfach das Feuer mit einer Handfeuerwaffe eröffnet und ein Messer benutzt, mit dem er getötet und schwer verletzt hat", berichtete Heitz am Mittwochmittag den Ermittlungsstand.

Drei Menschen werden nach den neuesten Angaben der Staatsanwalts.chaft getötet, eine weitere Person ist noch immer hirntot. Zwölf Menschen werden verletzt, sechs von ihnen schwer.

Der mutmaßliche Straßburger Attentäter ist nach Polizeiangaben getötet worden. Erste Einschätzungen von Stefan Leifert in Straßburg.

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Anschließend flieht der Täter, liefert sich dabei noch zwei weitere Schusswechel mit Sicherheitskräften - kann aber entkommen. Laut Staatsanwaltschaft wird er von Soldaten verletzt, entkommt mit einem gestohlenen Taxi. Mehr als 600 Einsatzkräfte suchen mit Hochdruck und mehreren Hubschrauber nach ihm.

Am Morgen des Anschlags hätte der Täter festgenommen werden sollen, weil der Verdacht bestand, dass er an einem Raub beteiligt gewesen sei. Auch versuchter Totschlag soll eine Rolle gespielt haben, wie ZDF-Korrespondent Stefan Leifert berichtet. Die Festnahme sei jedoch nicht gelungen, er konnte flüchten.

Am Donnerstagabend wird Chekatt schließlich von einem Großaufgebot der Polizei im Straßburger Stadtteil Neudorf gesucht und gefunden. Der mutmaßliche Attentäter wird nach Angaben aus Ermittlerkreisen erschossen.

Karte: Altstadt Straßburg
Der Weihnachtsmarkt erstreckt sich auch über Place Kléber.
Quelle: ZDF

Mutmaßlicher Täter, Hintergrund und mögliches Motiv

Was wir wissen: Die französischen Behörden sind sich sicher, den mutmaßlichen Täter zu kennen. Chef-Ermittler Heitz sagt, der Mann heiße Chérif Chekatt und sei 29 Jahre alt. Er stammt aus Straßburg und soll sich laut Staatsanwaltschaft im Gefängnis radikalisiert haben.

Chérif Chekatt
Chérif Chekatt
Quelle: ap

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert die Tat nach dem Tod Chekatts für sich. Der Angreifer sei ein Soldat des Islamischen Staates gewesen, meldet das IS-Sprachrohr Amak. Auch Zeugen berichteten, dass der Mann während seiner Tat "Allahu akbar" - "Gott ist groß" gerufen habe. Deshalb und wegen der Wahl eines Weihnachtsmarktes als Ort für seinen Angriff hatte die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft unter der Leitung von Rémi Heitz die Ermittlungen bereits an sich gezogen.

Als gesichert gilt auch die Information, dass der Mann französischen Behörden bekannt war und als potentieller Gefährder eingestuft wurde. Über den Verdächtigen sei ein sogenanntes "Fiche S" (französisch für "Kartei" oder "Akte") geführt worden. In dieser Kategorie werden frankreichweit rund 26.000 Personen geführt, von denen 10.000 als stark radikalisiert gelten würden.

Sicher ist auch, dass der Verdächtige, der sechs Geschwister, keine Ausbildung und keine Arbeit hat, bereits in Frankreich, Deutschland und der Schweiz vor allem wegen zum Teil schwerer Diebstahl-, Einbruchs- und Gewalt-Delikten zu Haftstrafen verurteilt wurde.

Weder offiziell bestätigt noch dementiert ist, dass der Verdächtige französischer Staatsbürger mit nordafrikanischen Wurzeln ist. Nach einem Dossier deutscher Sicherheitsbehörden wurde Chérif Chekatt 2017 von Deutschland nach Frankreich ausgewiesen - die deutschen Behörden hätten damals allerdings keine Erkenntnisse über islamistische Kontakte gehabt. Der französische Sender BFM-TV will über Informationen verfügen, wonach Cherif Chekatt in der Islamistenszene Straßburgs unterwegs gewesen sein soll. Dazu sagte der französische Chef-Ermittler Heitz auf der Pressekonferenz in Straßburg nichts.

Untersucht wird noch, ob der Täter Komplizen oder Hintermänner hatte. Staatsanwalt Heitz erklärt, dass vier Menschen aus dem Umfeld des 29-Jährigen in Gewahrsam genommen worden seien - warum, das ist allerdings völlig unklar.

Die Reaktionen in Frankreich

Die Regierung in Paris ließ nach dem Anschlag die höchste nationale Sicherheitswarnstufe ausrufen. Das bedeute verstärkte Kontrollen an den Grenzen des Landes, erläuterte Castaner. Auch Weihnachtsmärkte würden stärker kontrolliert.

Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft leitete am Dienstagabend Ermittlungen wegen des Verdachts auf "Mord und Mordversuch im Zusammenhang mit einer terroristischen Unternehmung" und wegen "Bildung einer kriminellen terroristischen Vereinigung" ein.

An der Suche nach dem 29-jährigen Tatverdächtigen waren seit Dienstagabend hunderte Sicherheitskräfte beteiligt. Unterstützt werden diese unter anderem von zwei Hubschraubern.

Französische Anti-Terror-Kräfte durchsuchten am Donnerstag bei Razzien mehrere Viertel Straßburgs. Auch die deutsche Polizei war mit zahlreichen Kräften im Einsatz. Die französische Spezialeinheit Raid durchkämmte das Viertel Neudorf südöstlich des Straßburger Zentrums, wo sich die Spur des mutmaßlichen Attentäters am Dienstagabend verloren hatte. Dort wurde er zwei Tage später auch gefunden.

Die Folgen für Deutsche

Das Auswärtige Amt verschärfte seine Reisehinweise für Frankreich. Reisende würden gebeten, "besonders vorsichtig zu sein und den Anweisungen von Sicherheitskräften unbedingt Folge zu leisten".

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