ZDFheute

Auch aus CSU herbe Kritik an Seehofer

Sie sind hier:

Nach Äußerungen zu Gamer-Szene - Auch aus CSU herbe Kritik an Seehofer

Datum:

Mit seinen Aussagen zur Gamer-Szene nach dem Terroranschlag von Halle ist Innenminister Seehofer heftig kritisiert worden. Experte Lobo bescheinigt ihm eine "gewisse Ahnungsarmut".

CSU-Vize Dorothee Bär, die auch Staatsministerin für Digitalisierung im Kanzleramt ist, und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer wiesen Seehofers Äußerungen in einer CSU-Vorstandssitzung zurück. Auch CSU-Chef Markus Söder warnte in München, ohne Seehofer zu nennen, bei der Aufarbeitung des Anschlags von Halle vor Pauschalurteilen gegen die Gamer-Szene. Seehofer selbst war in der Sitzung nicht anwesend - er hat in Folge des Attentats von Halle dafür plädiert, die Gamer-Szene "stärker in den Blick" zu nehmen.

In Navigationsgeräten stecken Entwicklungen aus der Games-Branche

Jede negative Entwicklung muss gesehen werden. Andererseits ist aber auch klar, dass es keine Pauschalurteile geben kann.
Markus Söder, CSU-Chef

"Jede negative Entwicklung muss gesehen werden. Andererseits ist aber auch klar, dass es keine Pauschalurteile geben kann", sagte Söder dazu. "Denn die Gamer, und das sind viele, viele junge Leute, die machen da großartige Sachen." Das sei auch ein wichtiger Wirtschaftszweig.

"Generell sind wir froh, dass es die Games-Szene überhaupt gibt." Es sei nur wichtig, "hinzuschauen, wo Probleme sind, wie überall". Bär sagte in der Sitzung nach Teilnehmerangaben, in Bayern und Deutschland werde viel für die Games-Förderung gemacht.

Ohne Seehofer beim Namen zu nennen sagte Bär, das lasse man sich nicht mit "einem Satz" kaputtmachen. Das wäre so, als wenn man "mit dem Arsch" einreiße, was man jahrelang aufgebaut habe, fügte sie hinzu. Scheuer wies darauf hin, dass etwa in Navigationsgeräten Entwicklungen aus der Games-Branche steckten. Nur weil man im Internet böse Sachen bestellen könne, wolle keiner gleich das Internet verbieten.

Bereiche der Gamingszene tendieren "ins rechte Lager zu kippen"

Internetexperte Sascha Lobo bescheinigt dem Bundesinnenminister im ZDF-Mittagsmagazin-Interview "eine gewisse Ahnungsarmut", dadurch, dass er von der Gamerszene spricht. 30 Millionen Gamer seien schwer zu überwachen. Tatsächlich bestätigt der Autor, dass in dem Bereich der Online-Spiele einzlene Comunities "dazu neigen ins rechte Lager zu kippen". Man müsse also genauer hinschauen, allerdings mit Expertise. Es gäbe in der Gamingszene Bereiche in denen es um die Verherrlichung von Gewalt ginge. Lobo bestätigt, dass sich "ein internationales, ein globales Netzwerk herausgebildet hat von Rechtsextremisten."

Seehofer: Gamer nicht unter Generalverdacht stellen

Seehofer hatte am Wochenende zunächst erklärt: "Das Problem ist sehr hoch. Viele von den Tätern oder den potenziellen Tätern kommen aus der Gamer-Szene." Manche nähmen sich Simulationen geradezu zum Vorbild. "Man muss genau hinschauen, ob es noch ein Computerspiel ist, eine Simulation oder eine verdeckte Planung für einen Anschlag. Und deshalb müssen wir die Gamer-Szene stärker in den Blick nehmen."

Später warnte er dann gezielter davor, dass Rechtsextremisten Gaming-Plattformen für ihre Zwecke nutzen. "Wir sehen, dass Rechtsextremisten das Internet und auch Gaming-Plattformen als Bühne für ihre rechtswidrigen Inhalte missbrauchen", schrieb er auf Twitter. Der Attentäter von Halle war in der Gamerszene unterwegs.

"Damit ist in keiner Form beabsichtigt, die gesamte Spielebranche oder Gamerszene in Misskredit zu bringen.
Horst Seehofer

Das Bundesinnenministerium wies Vorwürfe zurück, Gamer unter Generalverdacht zu stellen. "Es geht um die Bekämpfung von schwersten Straftaten und darum, dass wir diese potenziellen Täter - Extremisten oder sonstige Tätertypen - in allen Bereichen finden können, in denen sie sich bewegen", sagte ein Ministeriumssprecher.

"Damit ist in keiner Form beabsichtigt, die gesamte Spielebranche oder Gamerszene in Misskredit zu bringen.
Horst Seehofer

Erfahrungen zeigten, dass sich bestimmte Täter vorwiegend im Netz aufhielten, um sich zu vernetzen und zu kommunizieren. Dies geschehe auch in Spieleplattformen. "Damit ist in keiner Form beabsichtigt, die gesamte Spielebranche oder Gamerszene in Misskredit zu bringen", betonte er. Nur weil man ein Spiel spiele, sei man nicht gleichzeitig ein potenzieller Straftäter. Das sei auch die Position Seehofers.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.