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Anschlag auf Ex-Spion - Gift-Attacke treibt auch USA und NATO um

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Auch die USA glauben, dass Russland bei der Nervengift-Attacke in Großbritannien die Finger im Spiel hat. Die NATO sieht den Anschlag auf den Ex-Doppelagenten mit "großer Sorge".

"Ich bezweifle, dass Frau May die Antworten bekommt, die sie erwartet", sagt der ZDF-Korrespondent Bernhard Lichte über das Ultimatum der britischen Regierung an Putin nach dem Giftanschlag auf einen Ex-Spion.

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Nach dem Nervengift-Anschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien gerät Russland weiter unter Druck. US-Außenminister Rex Tillerson warf dem Land vor, in den Fall verwickelt zu sein. Er wisse zwar nicht, ob die russische Regierung von der Vergiftung gewusst habe, so Tillerson. Doch hätte das Gift von nirgendwo anders als aus Russland stammen können.

Auch die NATO äußerte sich alarmiert über den Fall: Der Vorfall bereite dem Bündnis "große Sorge", heißt es in einer Mitteilung von Generalsekretär Jens Stoltenberg. Die NATO sei mit den britischen Behörden in Kontakt. "Der Einsatz von jeglichem Nervengas ist grauenhaft und vollkommen inakzeptabel."

London stellt Ultimatum

Hintergrund: Der 66-jährige Skripal und seine 33-jährige Tochter Yulia waren vor gut zwei Wochen bewusstlos auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich weiterhin in einem kritischen Zustand. Ermittler hatten Spuren eines Nervenkampfstoffes entdeckt. Insgesamt mussten 21 Menschen im Krankenhaus behandelt werden, darunter ist auch ein Polizist.

Premierministerin Theresa May sagte dazu, es sei "höchstwahrscheinlich", dass Russland für die Vergiftung verantwortlich sei. Skripal und seine Tochter seien der Substanz Nowitschok ausgesetzt gewesen, die gegen Ende des Kalten Krieges in der Sowjetunion entwickelt worden sei. "Entweder das war eine direkte Handlung des russischen Staates gegen unser Land, oder die russische Regierung hat ihre Kontrolle über diesen potenziell katastrophal schädlichen Nervenkampfstoff verloren und erlaubt, dass er in die Hände anderer gerät", sagte May. Sie gab dem russischen Botschafter in London bis Dienstag Zeit für eine Erklärung. Außerdem verlangte sie von Russland, sein Programm mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok vor der Organisation für das Verbot chemischer Waffen offenzulegen.

"Wirklich ungeheuerliche Tat"

Auch Tillerson erklärte, den Vereinigten Staaten sei das verwandte Nervengift bekannt. Es sei nicht weit verbreitet und "nur in den Händen einer sehr, sehr begrenzten Anzahl von Akteuren" zu finden. Der US-Außenminister kritisierte, es sei kaum nachzuvollziehen, dass ein staatlicher Akteur eine so gefährliche Substanz in der Öffentlichkeit einsetze. Den Anschlag auf Skripal bezeichnete er als "wirklich ungeheuerliche Tat" und drohte mit Konsequenzen, sollten sich die Hinweise auf eine Verantwortung Moskaus weiter verdichten.

Das russische Außenministerium sprach dagegen von einer "Zirkusnummer" und einer "Kampagne, basierend auf Provokationen". Ein "absolutes Hirngespinst" nannte Leonid Sluzki, Vorsitzender des Duma-Komitees für internationale Angelegenheiten, die Vorwürfe. "Die Position Londons bei der Ermittlung nach der Vergiftung Skripals spiegelt die jüngsten westlichen Trends: keine Beweise, aber für alles ist Russland schuldig."

Ex-Geheimdienst-Chef: Letzter Auftragsmord war gegen Trotzki

Für den früheren Geheimdienstchef Nikolai Kowaljow gehören derartige Anschläge im Auftrag einer Regierung zur Vergangenheit. Den letzten derartigen Auftragsmord habe es 1940 gegeben, als der bei Stalin in Ungnade gefallene Leo Trotzki im mexikanischen Exil mit einem Eispickel getötet wurde. "Seitdem hat es nichts Ähnliches gegeben", sagte der frühere Leiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB.

Der Doppelagent Skripal hatte in der Vergangenheit in Russland gelebt. Er war dort 2006 wegen Spionage für Großbritannien verurteilt worden und saß vier Jahre im Gefängnis, bis er bei einem Agentenaustausch frei kam und sich in England niederließ. Der Fall erinnert an den Mord am Ex-Agenten und Kremlkritiker Alexander Litwinenko, der 2006 in London mit radioaktivem Polonium vergiftet wurde. Die Spuren der Täter führten auch nach Moskau.

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