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Ukrainisch-russischer Konflikt - Ziel Mariupol: Eine Reise in Richtung Front

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Russland blockiert die ukrainischen Hafenstädte Berdjansk und Mariupol am Asowschen Meer. Nach ukrainischen Angaben stecken 35 Schiffe fest. Und von Deeskalation keine Spur.

Russland blockiert die ukrainischen Hafenstädte Berdjansk und Mariupol am Asowschen Meer. ZDF-Korrespondentin Katrin Eigendorf berichtet aus Mariupol über den Konflikt.

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1 min
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Wir sind auf dem Weg nach Mariupol, der Zug ist voll, wir konnten die letzten Tickets in Kiew ergattern, die Flüge sind ausgebucht.  Es sind vor allem Geschäftsleute, gegenüber in meinem Großraumabteil sitzt auch eine Familie mit kleinen Kindern. Wir alle sind unterwegs in eine Stadt, in der seit gestern der Kriegszustand gilt. Und die Meldungen an diesem Vormittag deuten nicht auf Deeskalation. 

Mariupol - eine Stadt fast schon an der Front

Für mich persönlich hat diese Reise einen kleinen Déjà-vu-Effekt: Schon mehrfach haben wir uns aus Kiew auf den Weg gemacht nach Mariupol. Immer wieder stand Mariupol in den Schlagzeilen - die Stadt ist ein wichtiger Schauplatz im Konflikt mit Russland, der nun fast schon fünf Jahre andauert. 

Karte: Ukraine mit den Hafenstädten Berdjansk und Mariupol
Karte: Ukraine mit den Hafenstädten Berdjansk und Mariupol
Quelle: ZDF

Immer wieder habe ich erlebt, wie unterschiedlich die Menschen in Kiew und Mariupol den Konflikt mit ihrem Nachbarland wahrnehmen. In Mariupol ist die russische Grenze nur 50 Kilometer entfernt. Wer die Stadt Richtung Osten verlässt, ist in einer knappen halben Stunde an der Frontlinie, einer der wichtigen militärischen Schauplätze in diesem Krieg. Ganze Dörfer am Asowschen Meer sind zerbombt und verlassen, in diese Gegend kommt auch ein Journalist nur mit einer Genehmigung der ukrainischen Armee. 

Blockade des Hafens wohl nicht ungewöhnlich

Und jetzt ist Mariupol wieder Schauplatz des neu eskalierten Konflikts geworden - als eine der wichtigsten Hafenstädte im Asowschen Meer, die von Russland blockiert werden. Mein Sitznachbar im ukrainischen Intercity erzählt, dass es nicht ungewöhnlich sei, dass Schiffe, die den Hafen Mariupol verlassen oder anfahren wollen, daran gehindert würden. Und doch ist es in dieser Konfliktlage, in der es auch um die Kontrolle des Asowschen Meeres geht, kein Zeichen von Deeskalation, dass Russland an der Blockadepolitik festhält. 

Die Reise nach Mariupol ist eine Fahrt zurück in diesen Konflikt, der in dieser Stadt offensichtlich nie wirklich befriedet wurde, davon zeugen auch die regelmäßigen Berichte der OSZE Beobachter. Die Auseinandersetzung hat sich  nur verlagert, von den wichtigen Zufahrtsstrassen zur Stadt hin zum Hafen, der so wichtig ist für den ukrainischen Handel. 

Ukraine fürchtet neuen Angriff

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko beschuldigt Russland, an den Grenzen zur Ukraine sein Militär verdreifacht zu haben, er fürchtet einen erneuten Angriff. Überprüfen können wir das nicht. Bislang hat Russlands Präsident Putin die Forderung, die 24 ukrainischen Seeleute freizulassen, nicht erfüllt. Das deutet - wie die Blockade der ukrainischen Häfen - nicht auf den Willen zur Deeskalation hin.

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