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Klimawandel - Auf dem Weg zur Überhitzung

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Erhitzt sich die Erde doch schneller als bislang angenommen? Das legen zumindest Studienergebnisse nahe, die Forscher jetzt veröffentlicht haben.

Der Klimawandel lässt die Jugend um ihre Zukunft führen.
Klimawandel - typical
Quelle: Ulf Mauder/dpa

                 

Dass nach der Weltklimakonferenz (COP24) nicht das Klima gerettet sein würde, war klar. Hier sollte ja ein Regelwerk für die Staaten erstellt werden. Also zum Beispiel, um wieviel reduzieren die Staaten die CO2-Emissionen und wie transparent sowie überprüfbar ist die Reduktion? Zumindest das ist gelungen und das kann als positiv bewertet werden, allerdings geschieht das Ganze auf freiwilliger Basis.

Es wird sich also zeigen, ob das ein erfolgreiches Konzept ist. Allerdings, und das wissen wir schon länger, ist es bereits 5 nach 12. Der Handlungsdruck auf die Staaten ist gewaltig, genauso die Kritik der Wissenschaftler, die eine Erkenntnis nach der nächsten präsentieren, und dennoch wenig erreichen.

Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel

Vor der Weltklimakonferenz (COP24) kam erst der lang erwartete Bericht des Klimarates IPCC. Und dieser hat es in sich. Drastische Maßnahmen werden vom Klimarat gefordert, um die Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts zu beschränken. Im Prinzip soll die globale Mitteltemperatur die Marke von 1,5 Grad nicht überschreiten. 

Das bedeutet allerdings: Ab 2020 müssten die Emissionen deutlich sinken. Das würde bedeuten, die Weltgemeinschaft müsste endlich damit beginnen, die Wirtschaft von fossilen Energieträgern abzukoppeln. Danach sieht es allerdings aktuell nicht aus. Die Annahme, man hätte bis 2016 ein Maximum an Emissionen erreicht, war falsch.

Steigende Treibhausgase

2017 stieg der Kohlendioxid-Ausstoß auf 37 Milliarden Tonnen an. Das entspricht der größten Menge, die der Weltklimarat IPCC bisher in seinem Modell berücksichtigt. Die Projektion für die Zukunft bei diesem Wert entspricht dem extremsten Beispiel.

Das würde bedeuten die globale Mitteltemperatur würde viel schneller steigen, als bisher angenommen. Schaut man auf die vorläufigen Zahlen des Global Carbon Projekts, so legt der CO2-Ausstoß 2018 noch weiter zu.

Schmutzige Luft hilfreich

Ein weiterer Effekt ist, so führen die Forscher aus, die Luftverschmutzung. So hat China innerhalb von zwei Jahren, also zwischen 2014 und 2016, die Verschmutzung stärker reduziert, als es die Klimamodelle errechnen. So absurd das klingen mag, aber für die weitere Zunahme der globalen Mitteltemperatur ist das von Nachteil.

Denn die Luftverschmutzung blockiert einen Teil der Sonnenstrahlen, das heißt: Je sauberer die Luft, desto mehr Strahlung erreicht die Erde, und somit wird es wärmer. Weltweit betrachtet, macht das 0,7 Grad aus. Das ist ein sehr großer Wert, betrachtet man die bisherige Erwärmung von etwa einem Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

Natürliche Schwankungen

Wissenschaftler kritisieren nun, dass der Bericht des Weltklimarats vom 8. Oktober diese zwei Punkte nicht ausreichend berücksichtigte. Außerdem würden natürliche Schwankungen im Erdsystem die vom Menschen verursachte Erwärmung überlagern und somit die Erwärmung verstärken. Dadurch käme der Temperaturanstieg exponentiell und hätte noch dramatischere Folgen, als die im Bericht des Weltklimarats, der aber schon von drastischen Auswirkungen warnt, falls die Menschheit bis Ende des Jahrhunderts die 1,5 Grad Marke anhaltend überschreite.

Das bedeutet: Bei exponentieller Steigerung wäre somit die Grenze im Jahr 2030, die 2-Grad-Marke 2045 erreicht, wenn es einfach so weiter geht - wenn also tatsächlich die Kräfte gewinnen, die ein ungehemmtes Verbrennen der fossilen Brennstoffe bevorzugen.

Teufelskreis in der Arktis

Die Nationale Meeres- und Atmosphärenbehörde der USA (NOAA) beschrieb vor wenigen Tagen in ihrer jährlichen Auswertung die Zustände in der Arktis. Die Aussagen sind unmissverständlich: Wenn der Trend sich fortsetzt und das Eis immer dünner und die eisbedeckte Fläche kleiner wird, wird aus physikalischer Sicht, die globale Erwärmung beschleunigt.

Fungierte die Arktis bisher wie eine Art Kühlkörper für den Planeten, so nimmt die Kühlleistung nicht nur ab, sondern wir ersetzen diesen Kühlkörper auf Dauer durch eine Heizung. Verschwindet das Eis in den Sommermonaten, nimmt es die Wärme der Sonne auf. Ein Teufelskreis der seit Jahrzehnten abläuft und das Eis verschwinden lässt. Die Funktion der Arktis wird umgekehrt und heizt wiederum den Planeten an. 

Unterm Strich verändern die Menschen die Natur zu schnell und zu umfangreich. Unsere Handlungen, diese Veränderungen einzuschränken, wirken dagegen wie ein Brontosaurus, behäbig und zu langsam, aber den Meteoriten bereits vor Augen.

Özden Terlin ist Diplom-Meteorologe in der ZDF-Wetter-Redaktion.

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