"Auf die Fresse"

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Mainzer Rosenmontagszug - "Auf die Fresse"

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Andrea Nahles bekommt es knüppeldicke. Auch Donald Trump wird unvorteilhaft durch die Straßen gezogen. Und mit der Kirche legen sich die Narren schon aus Tradition gerne an.

Motivwagen Mainz: Priester
Motivwagen Mainz: Priester
Quelle: dpa

Mit einer "etwas härteren Gangart" kommentieren die Mainzer Narren in diesem Jahr das Zeitgeschehen. Die am Dienstag vorgestellten satirischen Motivwagen zum Rosenmontagszug nehmen die US-Klimapolitik ebenso auf die Schippe wie den Brexit, die GroKo oder die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche.

"Lasset die Kindlein zu mir kommen"

Wir rechnen damit, dass es da die eine oder andere Beschwerde gibt, aber das muss man als Satiriker auch aushalten können.
Nikolaus Jackob vom Mainzer Carneval-Verein (MCV)

"Wir rechnen damit, dass es da die eine oder andere Beschwerde gibt, aber das muss man als Satiriker auch aushalten können", sagt Nikolaus Jackob vom Mainzer Carneval-Verein (MCV) über den Motivwagen "Wanderprediger". Ein Priester verlässt da eine Kirche, aus deren Fenstern Schilder gehalten werden: "MeToo" oder "Wir Nonnen auch". Auf dem Koffer des Geistlichen steht der Bibelvers: "Lasset die Kindlein zu mir kommen."

Schon in der Vergangenheit haben sich die Fastnachter im katholischen Mainz gern mit der Kirche angelegt. "Das ist nicht richtig lustig", sagt der Zeichner Michael Apitz. "Da bleibt einem das Lachen im Halse stecken."

Trumps bläht Treibhausgase aus

Motivwagen Mainz: Donald Trump
Motivwagen: Trumps Blähungen
Quelle: dpa

Das gilt wohl auch für eine Weltkugel, die einen breiten Strom von Plastikmüll auskotzt. Oder für ein Rindvieh mit den Gesichtszügen von US-Präsident Donald Trump, der sich um den Klimawandel nicht kümmert und mit heftigen Blähungen Treibhausgase in die Atmosphäre bläst. Auf dem Weg durch die Stadt wird das Tier dann immer wieder kräftig Dampf ausstoßen.

Der Wagen wolle zwei Botschaften vermitteln, erklärt Nikolaus Jackob vom Kreativkreis des MCV. Zum einen gehe es um "die Sturheit, sich gegen die ganze Welt zu stellen". Zum anderen stehe der Wagen auch für Konsumkritik, weil wir als Fleischkonsumenten an der Produktion von Methan mitwirken".

Queen flieht ins EU-Asyl

Zum Brexit zeigt der MCV auf einem Wagen, wie Königin Elizabeth ihre beiden Lieblingshunde und die Handtasche schnappt und ins politische Asyl auf den Kontinent flieht. An den Hunden sind sechs Tage vor Rosenmontag die Maler noch am Arbeiten. Wagenbauer Dieter Wenger wollte sich bei diesem Thema bis zuletzt die Möglichkeit offenhalten, noch aktuelle Entwicklungen einzubauen.

Motivwagen Mainz: Queen
Motivwagen Brexit
Quelle: dpa

Viel Mühe verwendet der 79-Jährige auf Details wie den Asylantrag in der Hand der Queen: "Ich habe mir einen Original-Antrag kopiert und vergrößert." Insgesamt habe er mit seinem Team mehr als 9.000 Arbeitsstunden in die Gestaltung der elf Motivwagen mit ihren Figuren aus Styropor und Stahlgerüsten gesteckt, sagt Wenger, der bereits zum 57. Mal Wagen für den Rosenmontagszug gebaut hat.

Motivwagen Mainz: Merkel
Motivwagen Merkel
Quelle: dpa

Viel Häme für die GroKo

Knüppeldick fallen Spott und Häme für die Große Koalition in Berlin aus. Diese wird als siecher Gaul dargestellt. "Das arme Vieh hat viel gelitte, die Angie hat es plattgeritte", reimten die Narren dazu mit Blick auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Motivwagen Mainz: Andrea Nahles
Motivwagen Nahles
Quelle: dpa

Auf dem Bauch gelandet ist die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles. Der sie zitierende Wagen "Auf die Fresse" zeigt sie mit schief sitzender Brille und ausgebrochenen Zähnen, weil sie aus den zu viel großen roten Pumps gekippt ist.

Motivwagen Mainz: AfD
Motivwagen AfD
Quelle: dpa

Die AfD nimmt sich ein Wagen vor, der auf der Rückseite eines Wahlplakats der rechtspopulistischen Partei einen Neonazi darstellt. Die Idee dazu sei dem MCV nach den Demonstrationen in Chemnitz gekommen, sagt Jackob. "Auf den Plakaten sehen wir gut gescheitelte Biedermänner, auf der Rückseite laufen ihnen braune Marschgestalten hinterher."

In wenigen Sekunden alles erfasst

Wir freuen uns auf den Wettbewerb der Ideen mit Köln und Düsseldorf.
Wagenbauer Dieter Wenger

Bei der Gestaltung der Wagen nehme er Rücksicht darauf, dass die 550.000 am Zugrand erwarteten Menschen einen Motivwagen oft nur für die Dauer von wenigen Sekunden erfassen könnten, sagte Wenger. "Wir freuen uns auf den Wettbewerb der Ideen mit Köln und Düsseldorf. Ich habe noch keine Motivwagen von dort gesehen, werde aber am Rosenmontag wieder mit meinem Düsseldorfer Kollegen Jacques Tilly telefonieren."

Als seinen persönlichen Lieblingswagen nennt Zeichner Apitz das Motiv "Hurra, wir leben noch", das eines der lokalen Aufregerthemen aufgreift: Hinter einem Schild "Hier sollte der Bibelturm stehen" klatschen sich zwei Platanen ab, die nach dem Bürgerentscheid gegen den Erweiterungsbau für das Gutenberg-Museum stehen bleiben dürfen.

Böse Zungen behaupten, dass der eigentliche Grund für die Ablehnung des Projekts die Liebe der Mainzer zu ihrem "Marktfrühstück" war - das gemeinsame Weintrinken auf dem Platz vor dem Museum geht zweieinhalb Wochen nach der Fastnacht wieder los.

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