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Unruhen im Nahen Osten - Aufruhr im Heiligen Land

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Zwei Tote, Hunderte Verletzte: Im Gaza-Streifen, dem Westjordanland in Jerusalems entlädt sich die Wut der Palästinenser.

Proteste am 08.12.2017 in Ramallah
Proteste am 08.12.2017 in Ramallah
Quelle: epa

Brennende US-Flaggen, brennende Reifen, Steinwürfe und Flaschen auf israelische Soldaten - der aufgestaute Frust der Palästinenser entlädt sich nach den Freitagsgebeten in Jerusalem, im Westjordanland und im Gazastreifen. Die Sicherheitskräfte setzen Tränengas ein, Schüsse fallen. Das Heilige Land ist in Aufruhr.

Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel zwei Palästinenser getötet. Ein weiterer schwebe in Lebensgefahr. Die israelische Armee bestätigte, dass zwei Menschen an der Grenze durch Schüsse getroffen wurden. Palästinensischen Angaben zufolge gab es mindestens 480 Verletzte.

Die Palästinenser schäumen

US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch in einem historischen Alleingang Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannt. Israel jubelt, die Palästinenser schäumen, die internationale Gemeinschaft ist alarmiert. "Die Waffe des Widerstands wird ein Gesetz für die Befreiung Palästinas bleiben, die Befreiung Jerusalems und der Al-Aksa-Moschee", sagt Achmad Bahar, ein führender Vertreter der radikal-islamischen Hamas, während der Freitagsgebete. Hamas-Chef, Ismail Hanija, hatte für Freitag zum Beginn eines neuen Palästinenseraufstands - einer Intifada - aufgerufen.

Am Samstag jährt sich der Beginn der ersten Intifada zum 30. Mal. Von 1987 bis 1993 verloren etwa 2.200 Palästinenser und 200 Israelis ihr Leben. Bei der "Al-Aksa-Intifada" von 2000 bis 2005 wurden 3.500 Palästinenser getötet, mehr als 1.000 Israelis starben bei Anschlägen von Palästinensern.

"Möglichkeiten für Gewalt sind begrenzt"

Der sensibelste Punkt im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ist der Tempelberg (Al-Haram Al-Sharif: Das edle Heiligtum) in der Jerusalemer Altstadt. Er ist Juden wie Muslimen heilig. Der Felsendom und die Al-Aksa-Moschee auf dem Hügel bilden das drittwichtigste islamische Heiligtum. Die Klagemauer am Fuß des Tempelbergs ist die wichtigste religiöse Stätte für Juden weltweit.

Jerusalem-Experte Daniel Seidemann erwartet trotz des Aufrufs zur nächsten Intifada keine neue Welle der Gewalt im Heiligen Land. "Ich denke, die apokalyptische Vision einer Explosion ist übertrieben", sagt Seidemann. "Israel hat die Sicherheitskontrolle über Ost-Jerusalem und das Westjordanland, die Möglichkeiten für Gewalt sind begrenzt." Allerdings seien Vorhersagen immer schwierig. Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen griffen die israelischen Streitkräfte am Donnerstagabend Stützpunkte der dort herrschenden Hamas an.

Langsam wird es ruhiger

Mit dem Einbruch der Dunkelheit und sinkenden Temperaturen schien sich die Lage am Freitag bereits etwas zu beruhigen. Die Proteste klangen langsam ab. "Palästinenser haben alles versucht, von Flugzeugentführungen über Militäraktionen, friedlichen Aktionen, Verhandlungen, Sicherheitskooperationen mit Amerika", sagt der Palästinenser Achmed Budiri, 39, auf dem Weg zur Al-Aksa-Moschee. "Sie haben alles versucht, aber am Ende des Tages hat nichts zu einem palästinensischen unabhängigen Staat geführt."

Israel hatte 1967 während des Sechs-Tage-Krieges unter anderem das Westjordanland und den arabischen Ostteil Jerusalems erobert. Das Westjordanland kontrolliert es bis heute, Ost-Jerusalem hat Israel annektiert. Israel beansprucht ganz Jerusalem als seine unteilbare Hauptstadt, was international nicht anerkannt wird.

Die Palästinenser sehen dagegen in Ost-Jerusalem die künftige Hauptstadt eines unabhängigen Palästinenserstaates, der das Westjordanland und den Gazastreifen umfasst. Allerdings leben schon heute in Ost-Jerusalem und im Westjordanland mehr als 600.000 jüdische Siedler - weitere 6.000 Wohnungen will Israel laut Medienberichten nun in Ost-Jerusalem bauen. Es wäre der erste große Entwicklungsplan dort seit 20 Jahren, schreibt die "Times of Israel".

Palästinenser jetzt "noch schwächer"

Jerusalem-Experte Seidemann sieht das Problem mit Trumps Entscheidung darin, dass der US-Präsident damit den Palästinensern einen entscheidenden Verhandlungsposten genommen habe. "Die Palästinenser sind bereits in einer schwächeren Position, jetzt sind sie noch schwächer", sagt Seidemann. "Die Destabilisierung wirkt auf lange Sicht, wenn die Menschen alle Hoffnung verlieren, dann steigt das Potenzial für Gewalt."

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