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Vor der Europawahl - Portugal: Aufschwung und Ansturm

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Portugal hat sich erholt. Die Schuldenkrise ist überwunden, die Arbeitslosenquote so niedrig wie lange nicht mehr. Die gute Lage macht sich auch in der Tourismusbranche bemerkbar.

Blick auf Lissabon
Lissabon: Stadt mit guten Aussichten nach schwierigen Zeiten.
Quelle: ZDF/Linda Kierstan

Lissabon erlebt seit Jahren einen regelrechten Besucheransturm. Täglich drängen sich Tausende durch die Gassen der Hauptstadt. Das ist gut für das Geschäft, doch der Boom hat auch seine Schattenseiten.

Massentourismus contra persönliche Touren

Wir hassen nicht die Touristen, wir hassen die Touristen-Touren.
Touristenführer Joao Soares

"Wir hassen nicht die Touristen, wir hassen die Touristen-Touren", sagt Joao Soares von der Reiseagentur "we hate tourism-tours" in Lissabon. Was er meint, sind die konventionellen Sightseeing-Touren im Doppeldeckerbus. Davon gibt es in Lissabon viele, denn die Stadt ist bei Touristen äußerst beliebt. 2018 kamen etwa sechs Millionen in die Stadt mit gerade mal 500.000 Einwohnern.

Soares vergleicht die Touristen mit Lemmingen, die einem Reiseführer folgen. Der 36-Jährige mag es lieber kleiner, persönlicher. Deshalb geht er mit seinen Gästen an Orte, die fernab der beliebten und teilweise völlig überfüllten Gassen und Plätze liegen. Melissa und John Morris kommen beispielsweise aus North Carolina und sind zum ersten Mal in Portugal. Gemeinsam mit Joao Soares besuchen sie eine bei Einheimischen beliebte Markthalle. Lissabon sehen und schmecken ohne drängeln. Melissa und John sind begeistert.

Rasend schnell hat sich Portugals Hauptstadt verändert seit der Schuldenkrise. Zwar glänzen nicht alle Fassaden, Teile der Infrastruktur sind marode. Doch genau das trägt zum Charme der Stadt bei, die so viele Besucher anzieht. Es sind einfach zu viele,  sagen die Einheimischen, die kaum von der Entwicklung der Stadt profitieren.

Morbider Charme und der Fado

Vor allem in dem bei Touristen sehr beliebten Altstadtviertel Alfama hat der Massentourismus Folgen für die Bürger. Viele mussten schon weichen, Platz machen für Ferienwohnungen. Auf Portugiesisch heißen die schicken Appartments, die Online-Plattformen wie Airbnb anbieten, Alojamento Local, kurz AL. Schätzungen zufolge gibt es bereits 10.000 davon in Lissabon. Die Alteingesessenen erkennen ihren Stadtteil kaum wieder. Wie beliebt ein Aufenthalt hier ist, erkennt jeder, der durch das Viertel spaziert, am ständigen Klappern der Rollkoffer über den gepflasterten Boden der schmalen Gassen.

Das einzige, was dieses Geräusch noch übertönen kann, ist der Fado - portugiesische Lieder über unglückliche Liebe und vergangene Zeiten. Um sie zu hören, treffen sich die, die noch da sind, sonntags im Nachbarschaftsverein. Während der Fado-Sänger schmachtet, klagen die meist älteren Frauen und Männer ihr Leid. Alfama ist nicht mehr das, was es mal war, sagen sie hier. Sie singen, klatschen, springen nach jedem Lied von ihren Stühlen auf. In diesem Saal verstehen auch Außenstehende, die kein Portugiesisch sprechen, wie groß die Sehnsucht nach besseren Zeiten ist.

Dabei hat Portugal gerade erst schwierige Zeiten überstanden. 2008 war das Land im Südwesten Europas fast pleite. Eine internationale Geber-Gemeinschaft rettete das Land mit Milliarden Euro vor dem Staatsbankrott. Mit harten sozialen Einschnitten gelang es Portugal 2015, den Rettungsschirm wieder zu verlassen, gilt seitdem als Musterschüler unter Europas ehemaligen Schuldenländern. Die Arbeitslosenquote liegt mittlerweile bei nur noch etwa sechs Prozent, so niedrig wie lange nicht mehr.

Lidia Zozimo in Ihrem Flammkaffee
Neustart in Portugal: Lidia Zozimo in Ihrem Flammkaffee
Quelle: ZDF/Linda Kierstan

Portugiesische Auswanderer kehren zurück

Das Land hat sich aufgerappelt und ist nicht nur für Touristen zum Sehnsuchtsort geworden. Auch Auswanderer zieht es zurück in das Land an der Algarve. Lidia Zozimo hat 30 Jahre lang in Hamburg gelebt. Als die Miete für ihr Restaurant in der Hansestadt verdoppelt wurde, beschlossen sie und ihr Mann, nach Portugal zurückzukehren. Seit ein paar Monaten betreibt sie nun ein Bistro mit Flammkuchen und deutscher Bratwurst. Ein Wagnis. Ob der Neustart gelingt oder nicht, kann sie derzeit noch nicht abschätzen. Die kulinarischen Vorlieben der Portugiesen seien eben anders als in Deutschland. Jetzt möchte sie ihre Gäste von der deutschen Küche überzeugen, während sie selbst versucht, sich an den portugiesischen Lebensstil zu gewöhnen. Bereut hat sie den Schritt noch nicht. Ihren Feierabend verbringt das Paar oft am Strand.

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