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Porträt - Aufstieg und Fall der Park Geun Hye

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Wenig Höhen und viele Tiefen hatte die Amtszeit der südkoreanischen Präsidentin Park. Ein Korruptionsskandal brachte die Tochter des ehemaligen Diktators zu Fall.

Archiv: Ehemalige Präsidentin von Südkorea Park Geun Hye am 04.11.2016
Schuldig: Die ehemalige Präsidentin von Südkorea Park Geun Hye Quelle: AFP POOL/AP Photo

Im Alter von 61 Jahren zog Park Geun Hye mit großen Plänen wieder im Heim ihrer Kindheit ein: ins Blaue Haus in Seoul. Als Tochter des diktatorisch regierenden Staatschefs Park Chung Hee war sie im Präsidentensitz aufgewachsen. Vier Jahre nach ihrem Amtsantritt stand sie im Frühjahr 2017 vor den Scherben ihrer politischen Karriere.

Nachdem südkoreanische Abgeordnete bereits im Dezember 2016 für eine Amtsenthebung Parks gestimmt hatten, bestätigten die Richter des südkoreanischen Verfassungsgerichts dann im März 2017 einstimmig ihre Absetzung. Zum Stolperstein wurde der 65-jährigen Park ein Korruptionsskandal um ihre langjährige Vertraute Choi Soon Sil. Diese soll ihre Beziehungen zur Präsidentin genutzt haben, um von Unternehmen Spenden in Millionenhöhe für Stiftungen und Firmen unter ihrer Kontrolle einzufahren. Sie soll sich nicht nur persönlich bereichert, sondern auch die Regierungsarbeit beeinflusst haben.

Die Amtsenthebung ist der Tiefpunkt in einer von viel Kritik überschatteten Amtszeit.

Ein Überblick über den Aufstieg und Fall Parks:

Von der Präsidententochter zur Präsidentin

Ihr Vater Park Chung Hee ist eine der umstrittensten Figuren der jüngeren Geschichte Südkoreas. Während die eine Seite ihn als skrupellosen Diktator beschreibt, der Dissidenten foltern und inhaftieren ließ, preisen ihn andere als Held. Sie feiern Parks Verdienste beim Wiederaufbau des Landes nach dem Koreakrieg 1950-55. Während seiner Herrschaft von 1961 bis 1979 stieg das Pro-Kopf-Einkommen der Südkoreaner um das Zwanzigfache.

Als junge Frau musste Park die Ermordung ihrer Mutter verkraften. Als 1979 auch ihr Vater einer Verschwörung zum Opfer fiel, tauchte sie erst einmal aus der Öffentlichkeit ab. Ende der 1990er-Jahre stieg sie selbst in die Politik ein und konnte auf die Unterstützung konservativer Kreise bauen, die die früheren Verdienste ihres Vaters um die Wirtschaft in den Bann geschlagen hatten. Inmitten einer Finanz- und Wirtschaftskrise schwappte eine Welle der Nostalgie durch das Land.

Als Parlamentarierin half Park dabei, Wahlen zu gewinnen und wurde zu einer Ikone der Konservativen. Ende 2012 gewann sie schließlich die Präsidentenwahl.

Der koreanische Atomkonflikt

Karte: Nord- und Südkorea
Karte: Nord- und Südkorea Quelle: ZDF

Der Amtsantritt Parks wurde vom dritten Atomwaffentest des Nachbarlands Nordkorea überschattet. Auf daraufhin verhängte striktere UN-Sanktionen reagierte die kommunistische Führung in Pjöngjang mit Drohungen, die USA und auch das mit ihnen verbündete Südkorea mit Nuklearwaffen anzugreifen. Park bemühte sich dennoch weiter um Versöhnung mit dem Norden. Sie bot umfangreiche Hilfslieferungen an, wenn Pjöngjang sein Atomprogramm aufgeben würde. Und sie ordnete Vorbereitungen für eine mögliche Wiedervereinigung der koreanischen Halbinsel an.

Ihr Angebot aber verfing nicht. Nordkorea machte mit seinen Atomwaffentests weiter, Park wurde im Zusammenhang mit dem guten südkoreanischen Verhältnis zur USA als "Marionette" und gar als "Hure" beschimpft.

Das Fährunglück

Vor der Küste Südkoreas schwimmen zwei Plattformen rechts und links der gesunkenen Fähre Sewol zur Bergung bereit.
Vor der Küste Südkoreas stehen schwimmen zwei riesige Plattformen rechts und links der gesunkenen Fähre Sewol zur Bergung bereit. Quelle: reuters

Zu einer schweren Belastungsprobe wurde für Park der Untergang der Fähre "Sewol" im April 2014. Mehr als 300 Menschen verloren ihr Leben, vor allem Teenager auf einem Schulausflug. Südkorea trauerte - und stellte die Frage nach der Sicherheit der Bevölkerung. Kritiker brachten vor, dass eine schnellere Reaktion der Regierung und ein besseres Katastrophenmanagement Leben hätten retten können.

Als Park am Tag des Unglücks erst sieben Stunden nach ihrer Unterrichtung in der Öffentlichkeit erschien, machte sie einen uninformierten Eindruck. Ihr Büro versicherte, Park habe in den sieben Stunden in regem Kontakt mit den Behörden gestanden. Kritiker forderten aber genauere Angaben darüber, wo Park sich aufhielt. In Parlamentskreisen kursierten Gerüchte, sie könnte sich in der fraglichen Zeit einer Schönheitsbehandlung unterzogen haben.

Rückschlag für die Redefreiheit

Auch undurchschaubare Entscheidungen, Verletzungen der Rede- und Meinungsfreiheit und ein willkürlicher Führungsstil wie der ihres Vaters wurden Park im Lauf ihrer Amtszeit vorgeworfen. 2015 brachte die Regierung einen japanischen Journalisten vor Gericht, der von einem angeblichen Treffen der unverheirateten Präsidentin mit einem Mann am Tag des Fährunglücks schrieb. Ein Gericht in Seoul erklärte ihn später für nicht schuldig. Parks Versuche, die Geschichtsbücher der Schulen stärker zu kontrollieren, brachten ihr den Vorwurf ein, sie wolle das Regime ihres Vaters schönfärben.

Wirtschaftliche Sorgen und politischer Skandal

Park schaffte es auch nicht, die Wirtschaft zu beflügeln. Unter anderem stieg die Jugendarbeitslosigkeit.

Letztlich stolperte Park aber über den Korruptionsskandal um Choi. Er war auch der Auslöser für Massenproteste gegen die angeknackste Präsidentin. Hunderttausende Südkoreaner strömten an Wochenenden auf die Straße und forderten den Rücktritt Parks. Auch in ihrer eigenen Partei wurde der Widerstand gegen Park immer größer. Parks reguläre Amtszeit hätte eigentlich Anfang 2018 geendet.

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