Sie sind hier:

Aufbauhilfe im Nordirak - Schulen und eine Klinik für Sindschar

Datum:

Die Jesiden im Nordirak leiden unter den Folgen des IS-Terrors. Ein Geistlicher und ein Arzt aus Deutschland wollen beim Aufbau von Schulen und medizinischer Infrastruktur helfen.

Jesiden beim Wiederaufbau
Jesiden beim Wiederaufbau Quelle: ap

Bis die Horden der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im August 2014 über die Sindschar-Region im Nordirak herfielen, war die Heimat der Jesiden hierzulande kaum beachtet. Dann kam der "IS", mordete, folterte, vergewaltigte, versklavte und vertrieb zigtausende Menschen. Die Gewalt erreichte laut Vereinten Nationen das Ausmaß eines Völkermords - und für einige Zeit rückte das Schicksal der Jesiden in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit.                                                                                   

"Ohne Bildung wächst eine verlorene Generation heran"

Jochen Reidegeld
Jochen Reidegeld Quelle: Dietrich Harhues

Längst ist Sindschar wieder befreit, es dringen nur selten Berichte aus der Stadt und der gleichnamigen Region nach Deutschland. Dabei sind viele Menschen dort an Körper und Seele noch immer schwer gezeichnet von den Gräueltaten der IS-Terroristen. "Was die Jesiden in Sindschar erleiden mussten und noch immer müssen, übersteigt jegliche Vorstellungskraft", sagt Jochen Reidegeld, stellvertretender Generalvikar des Bistums Münster.

Gemeinsam mit dem Wiesbadener Arzt und Psychotherapeut Michael Wilk hat sich Reidegeld auf den Weg ins Sindschar-Gebirge gemacht, um die Not der Menschen dort zu lindern. Einerseits gehe es um den Wiederaufbau von Schulen. "Ohne Bildung wächst dort eine verlorene Generation heran", so Reidegeld. "Wir wollen die Zukunft dieser Menschen sichern". Andererseits geht es um den Aufbau einer medizinischen Infrastruktur.

Bislang nur wenige, schlecht ausgerüstete Ambulatorien

Dr. Michael Wilk behandelt ein kleines Mädchen
Dr. Michael Wilk behandelt während seines Aufenthaltes 2017 ein kleines Mädchen Quelle: privat

Michael Wilk ist inzwischen auf seiner siebten Mission in der von Krieg geschundenen Region. Seit 2014 hat der Notfallmediziner mehrere humanitäre Einsätze in Rojava im Norden Syriens geleistet. Zuletzt half er im September 2017 in Feldlazaretten des Kurdischen Roten Halbmonds an der Stadtgrenze von Rakka dabei, Menschenleben zu retten, während von Kurden angeführte Anti-IS-Streitkräfte Rakka vom IS befreiten. "Heute ist der IS zwar stark geschwächt, aber noch immer nicht besiegt", sagt Wilk.

Der Blick auf eine Landkarte des syrisch-irakischen Grenzgebiets zeigt, dass es nicht weit entfernt von der Stadt Sindschar noch immer ein größeres, vom IS kontrolliertes Gebiet gibt. "Umso wichtiger ist es, eine medizinische Infrastruktur aufzubauen", sagt Wilk. Aktuell gebe es in der Region nur wenige, schlecht ausgerüstete Ambulatorien. "Verletzte müssen schnell und gut versorgt werden - heute sterben dort viele Menschen an vergleichsweise einfachen Verletzungen", so Wilk.

Ein Hoffnungsschimmer in Zeiten der Verzweiflung

Deshalb sollen mit deutscher Hilfe gut ausgestattete Gesundheitsstationen oder eine Klinik in der Sindschar-Region entstehen. Das Geld dafür kommt aus vielen Quellen. Einerseits aus Spenden der kurdischen Gemeinde in Deutschland, andererseits aus Mitteln der Katholischen Kirche sowie Spenden von Privatpersonen. "Mit dem Aufbau von Infrastruktur wollen wir auch helfen, dass die Jesiden eine Zukunft in ihrer Heimat sehen", sagt Reidegeld.

Wenn er von seiner Hilfsmission berichte, werde er häufig auch darauf angesprochen, warum er sich so fern des Bistums Münster engagiere, erzählt der Geistliche, der nun bereits zum dritten Mal in die Sindschar-Region aufgebrochen ist. Er sagt: "Wer einmal das Trauma, die absolute Verzweiflung und Hilfslosigkeit dieser Menschen mit eigenen Augen gesehen hat, den lassen diese Eindrücke nicht mehr los - es geht darum, eine Antwort auf die Not der Menschen zu geben." Außerdem bedeute das Engagement der Kirche im Nordirak nicht, dass hierzulande weniger Hilfe für Bedürftige geleistet werde, so Reidegeld.

Hintergrund

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.