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Aus türkischer U-Haft entlassen - Steudtner "dankbar und erleichtert"

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Nach mehr als 100 Tagen in türkischer U-Haft ist der Menschenrechtler Peter Steudtner wieder frei. Er sei "dankbar und erleichtert", sagte der Deutsche.

Mit seiner Freilassung ist das Verfahren gegen Menschenrechts-Aktivist Steudtner in der Türkei nicht beendet. Der Berliner will deshalb das Land so schnell wie möglich verlassen.

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"Wir sind alle mehr als erleichtert", sagte Steudtner sichtlich aufgewühlt nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis Silivri westlich von Istanbul am Donnerstagmorgen. "Wir sind unglaublich dankbar denen gegenüber, die uns unterstützt haben - juristisch, diplomatisch oder mit ihrer Solidarität". Der 46-Jährige darf nach Angaben seines Verteidigers nun das Land verlassen.

Ein Gericht in Istanbul hatte zuvor die Freilassung des 46-Jährigen und sieben weiterer Menschenrechtler angeordnet. Freigelassen wurden auch die Direktorin von Amnesty International in der Türkei, Idil Eser, und der schwedische IT-Spezialist Ali Gharavi.

Das Urteil des Gerichts sei "sehr überraschend", sagte Eser nach ihrer Freilassung. Zugleich gebe es immer noch "viele Freunde, Journalisten, die ungerechtfertigt im Gefängnis sind", sagte sie. "Wir werden mit unserer Arbeit weitermachen, bis alle Verteidiger der Menschenrechte und Journalisten freigelassen werden."

Bundesregierung begrüßt Freilassung

Die Bundesregierung begrüßte die Aufhebung der Untersuchungshaft. "Endlich! Peter Steudtner und weitere Menschenrechtler kommen frei", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. "Wir freuen uns mit ihnen", fügte er hinzu, und "denken an die, die immer noch in Haft sind".

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Auch Außenminister Sigmar Gabriel zeigte sich erfreut über die Gerichtsentscheidung. "Das ist ein ermutigendes Signal, ein erster Schritt", sagte der SPD-Politiker am Mittwochabend. Es befänden sich aber "weitere Deutsche aus nicht nachvollziehbaren Gründen in türkischer Haft", betonte Gabriel. "Wir werden nicht nachlassen, auch für diese Fälle auf eine Lösung und Freilassung zu drängen."

Am 5. Juli festgenommen

Der Prozess gegen Steudtner und zehn weitere Menschenrechtler hatte am Mittwochmorgen begonnen. Den Angeklagten wird die Mitgliedschaft in einer Terrororganisation oder die Unterstützung einer solchen Organisation zur Last gelegt. Ihnen drohen deswegen bis zu 15 Jahre Haft. Zwei der elf Angeklagten befanden sich nicht in Untersuchungshaft.

Steudtner war am 5. Juli zusammen mit anderen Menschenrechtlern bei einem Workshop zu Kommunikationssicherheit in einem Hotel auf der Insel Büyükada vor Istanbul festgenommen worden. Zum Auftakt des Prozesses wies der 46-Jährige alle Vorwürfe zurück: "Ich plädiere auf unschuldig und fordere meine sofortige Freilassung." Einige der Terrororganisationen, denen er angeblich angehören solle, habe er nicht einmal beim Namen gekannt.

Türkischer Amnesty-Vorsitzender soll nicht freikommen

Die Gerichtsentscheidung wurde von den Angehörigen und Unterstützern im Gerichtsgebäude mit Applaus begrüßt. Nicht freikommen soll dagegen der inhaftierte Amnesty-Vorsitzende in der Türkei, Taner Kilic. Er war bereits Wochen vor den anderen Menschenrechtsaktivisten festgenommen worden.

Der türkische Amnesty-Vorsitzende Kilic war bereits Wochen vor den Festnahmen auf Büyükada wegen des Verdachts festgenommen worden, zur verbotenen Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen zu gehören. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm zudem vor, von den Vorbereitungen für den Workshop der anderen Angeklagten gewusst zu haben.

Der Fall Steudtner: Eine Chronologie

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