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Ausbildungsstellenmarkt - Der Kampf um den Azubi

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Viele Betriebe tun sich schwer, einen Azubi zu finden. Immer mehr Jugendliche wollen studieren. Ein Trend, der für Firmen eine ungewisse Zukunft bedeuten könnte.

Elektroniker lötet eine Leiterplatte
Zum zweiten Mal in Folge verzeichnet die Bundesagentur für Arbeit im Ausbildungsjahr 2018/19 deutlich mehr gemeldete Stellen als gemeldete Bewerber. (Symbolbild)
Quelle: imago

Die Zentrale von Erwin Reiths Informationstechnik-Betrieb liegt ein wenig versteckt in den Hügeln bei Straubing in Niederbayern. Gemeinsam mit Azubi Jonas Schmid baut er gerade den Digitalfunk für die örtliche Feuerwehr ein. Den Beruf des Informationselektronikers gibt es zwar schon seit gut 20 Jahren, aber so richtig bekannt ist er nicht.

Wir gehen in die Schulen, besuchen Jobmessen und wir bieten Praktikumsplätze an, aber es gibt einfach zu wenig Bewerber.
Erwin Reith, Leiter eines Informationstechnik-Betrieb

Dabei verbirgt sich dahinter ein spannendes und zukunftsträchtiges Aufgabengebiet – von Breitbandausband über Satellitenempfang bis hin zur Datennetzwerktechnik.

Gerne hätte Erwin Reith auch in diesem Jahr ausgebildet, doch er hat niemanden gefunden, trotz großer Anstrengung: "Wir gehen in die Schulen, besuchen Jobmessen und wir bieten Praktikumsplätze an, aber es gibt einfach zu wenig Bewerber."

Zu viele Stellen für zu wenig Bewerber

Es ist ein Problem, mit dem immer mehr Betriebe zu kämpfen haben. Zum zweiten Mal in Folge verzeichnet die Bundesagentur für Arbeit im Ausbildungsjahr 2018/19 mehr gemeldete Stellen (572.000) als gemeldete Bewerber (512.000). Am Ende bleiben 53.100 Ausbildungsstellen unbesetzt.

Die Schulabgänger, die bereit sind, eine Ausbildung zu machen, werden immer weniger.
Erwin Reith

Mitverantwortlich dafür ist vor allem der demografische Wandel. "Die Schulabgänger, die bereit sind, eine Ausbildung zu machen, werden immer weniger", beobachtet Reith. Das bestätigen auch die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Allein im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Schulabgänger um vier Prozent zurückgegangen. Zudem stellt die Agentur einen Trend fest, wonach sich die Jugendlichen weiter und höher qualifizieren wollen.

Top Ten der Berufswünsche

Das Angebot ist mit 250 verschiedenen Ausbildungsberufen groß. Trotzdem sind es immer wieder dieselben zehn Berufe, für die sich die Hälfte aller weiblichen und ein Drittel aller männlichen Bewerber interessiert. Ganz oben auf der Beliebtheitsliste steht bei den Männern die Ausbildung zum Mechatroniker, bei den Frauen die zur Bürokauffrau.

Berufe mit schlechten Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen, wie etwa Wochenendeinsätze oder Nachtarbeit, schrecken dagegen ab.

Auch die Nähe zur Berufsschule spielt eine große Rolle. Ist die zu weit weg, hält das Jugendliche ab, eine bestimmte Ausbildung zu beginnen. Ein Punkt, über den sich auch Erwin Reith Sorgen macht. Noch wird im nahe gelegenen Straubing sein Berufsfeld beschult, was aber, wenn die Bewerberzahlen weiter sinken und seine Azubis für den Unterricht nach München fahren müssten?

In einer Ausbildungswerkstatt startet ein Mechaniker seine Ausbildung.
Ganz oben auf der Beliebtheitsliste steht bei den Männern die Ausbildung zum Mechatroniker.
Quelle: dpa

Individuelle Angebote

So wird Erwin Reith nicht müde, für seinen Beruf und seinen Betrieb zu werben. "Wir bieten ein bisschen mehr Geld als die meisten, kostenlose Arbeitskleidung und versuchen, gewisse Freiheit zu ermöglichen. Wenn einer zum Beispiel seinen Führerschein abholt, dann geht das auch in der Arbeitszeit."

Jonas Schmid ist fast fertig mit seiner Ausbildung. Damals – vor drei Jahren – hat er sich mehrere Betriebe angeschaut und sich dann für Erwin Reith entschieden. "Für mich war klar, es soll was technisches werden. Ich war dann eine Woche zum Praktikum hier, das hat für mich super gepasst, war spannend und aufregend. Und da hab ich entschieden, das wird mein Ausbildungsberuf", erzählt der heute 19-Jährige.

Die Bundesagentur für Arbeit rechnet auch in den nächsten 5 bis 10 Jahren mit sinkenden Bewerberzahlen. Ein Trend, der für viele Betriebe eine ungewisse Zukunft bedeuten könnte.

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