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Internet-Währung - Bitcoins zwischen Hype und Crash

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Der Wert von Bitcoins hat sich im Jahr 2017 verfünfzehnfacht. Inzwischen steigen auch Privatanleger ein. Geht der Bitcoin-Boom 2018 weiter?

Archiv: Bitcoin Münzen und Dollarscheine liegen neben einer Tastatur, aufgenommen am 06.11.2017
Quelle: reuters

Kryptowährung, das klingt nach etwas, das undurchsichtig und kompliziert ist. Doch seitdem die Kurse von digitalen Währungen wie Bitcoins durch die Decke gegangen sind, schreckt das selbst Kleinanleger nicht mehr ab. Die Stimmung erinnert an die Zeit der Internetfirmen am Neuen Markt. Auch die Kursanstiege von Bitcoins klingen in Zeiten magerer Zinsen wie aus einer anderer Welt.

Die Schwankungen sind enorm. Anfang 2017 lag der Kurs bei rund 1.000 Dollar und schnellte auf ein Hoch von knapp 20.000 Dollar. Im Dezember krachten Bitcoins innerhalb von vier Tagen wieder auf 10.700 Dollar, um dann wieder auf 15.000 Dollar zurück zu pendeln. Womit Anleger im neuen Jahr rechnen müssen, sagt Frank Schwab, Mitbegründer des Frankfurter FinTech Forums und Digitalisierungs-Vordenker.

heute.de: Herr Schwab, welche Entwicklung erwarten Sie für Bitcoins im neuen Jahr?

Frank Schwab: Wir haben einen Hype, der vielleicht weit in das Jahr 2018 reingeht. Es kann aber sein, dass es, ähnlich wie im Neuen Markt, zu einem Einbruch kommt. Ganz viele der virtuellen Währungen, die kein gutes Konzept haben, werden wie in der New Economy vom Markt verschwinden. 

heute.de: Kann man von einem Boom sprechen?

Schwab: Definitiv. Als erfahrener Investor ist jetzt der Zeitpunkt, wo man vorsichtig sein sollte. Wenn alle, die nichts davon verstehen, mitmachen, wird es schwierig. Inzwischen ist es jetzt sehr schwer,  einen ganzen Bitcoin zu kaufen. Viele werden nur in Stückelungen wie 0,01 oder 0,02 angeboten. Daran sieht man, dass die Qualität der Anleger sich verändert hat. Jetzt sind ganz offensichtlich Kleinanleger dran. Man muss damit rechnen, dass der Bitcoin einen signifikanten Rückschlag erleidet. Kursschwankungen von zehn bis 15 Prozent sind normal, auf die Woche gesehen können es auch 30 Prozent sein.

heute.de: Was heißt das für die Anleger?

Schwab: Ein erfahrener Anleger kann mit solchen Schwankungen umgehen, er hat eine Strategie. Für einen Kleinanleger kann es dagegen eine Katastrophe sein, wenn der Wert um ein Drittel oder mehr einbricht.

heute.de: Wird sich der Bitcoin langfristig durchsetzen?

Schwab: Digitale Währungen werden als weiteres Finanzinstrument oder Anlageklasse ein fester Bestandteil der Finanzwelt sein, ohne traditionelle Währungen zu ersetzen. Vollkommen unklar ist, welche digitalen Währungen sich durchsetzen werden. Das ist letztlich eine Wette.

heute.de: Was sollten Anleger angesichts dieser Unsicherheit beachten?

Schwab: Für Kleinanleger ist es gut, mit einem kleinen Betrag, am besten monatlich, in mehrere Währungen zu investieren. Ganz kleine Stückelungen sind problemlos möglich, auch angesichts der geringen Transaktionskosten. Man kann beispielsweise jeden Monat 50 Euro auf die Top 30 Währungen aufteilen. Das ist besser, als die Hälfte des Vermögens in Bitcoins zu investieren. 

heute.de: Wie können auch kleine Anleger herausfinden, welche digitale Währungen vielversprechend sind?

Schwab: Am besten ist es zu beobachten, was der Coin macht. Wer sind die Nutzer, wer hat den Coin erzeugt, welches Konzept steckt dahinter? Ansonsten kann es passieren , dass ganz viele Leute ihr Geld verlieren. Das wäre dann ein Rückschlag von ein paar Jahren für die gesamte Industrie. 

Das Internet stellte die Welt des Einzelhandels, der Buchverlage und der Finanzbranche auf den Kopf. Jetzt bricht das nächste Digitalzeitalter an. Es könnte Banken überflüssig machen.

Beitragslänge:
28 min
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heute.de: Warum gibt es überhaupt digitale Währungen?

Schwab: Weil sie für bestimmte Leute einen Nutzen generieren, zum Beispiel in Ländern mit einer hohen Inflation. Dort weichen die Menschen auf digitale Währungen aus, die eine geringere Inflation haben. 

heute.de: Wie gehen die Banken mit dem Trend um? Werden einige gar selbst digitale Währungen bauen?

Schwab: Die Banken springen auf den Trend drauf. Die ersten Banken bauen Handelsabteilungen auf, sie beschäftigen sich damit, um zu lernen. 2018 wird sich dieser Trend verstärken.

heute.de: Welche Rolle spielt Deutschland aus internationaler Sicht?

Schwab: Deutschland spielt mit einem Anteil von einem Prozent weltweit kaum eine Rolle. Der größte Handelsanteil mit mehr als 50 Prozent kommt aus Asien aus. Dann kommen die USA. Und dann lange nichts. 

Das Interview führte Madeleine Nissen.

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