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Ausblick der Wirtschaftsweisen - Droht eine Rezession?

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Der Gegenwind für die Wirtschaft ist heftiger als noch vor kurzem gedacht. Das zeigt auch der Ausblick der Wirtschaftsweisen. Manche Experten halten gar eine Rezession für möglich.

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Die Wirtschaftsweise haben ihre Wachstumsprognose auf nur noch 0,8 Prozent gesenkt.
Quelle: dpa

Allgemein enttäuschten die Meldungen aus der deutschen Wirtschaft in den vergangenen Monaten. Im dritten Quartal schrumpfte die deutsche Wirtschaftsleistung sogar – hauptsächlich wegen der Schwierigkeiten der Pkw-Hersteller mit dem neuen Emissionstestverfahren. Die Automobilindustrie brauchte deutlich länger als erwartet, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Im Schlussquartal kam hinzu, dass die Produktion in anderen Industriebranchen nachgab. Deshalb trat die deutsche Wirtschaft insgesamt in den letzten Monaten des vergangenen Jahres auf der Stelle.

Die Prognosen sacken reihenweise in den Keller. Ende Januar senkte die Bundesregierung ihre erst im vergangenen Herbst getroffene Prognose von 1,8 auf 1 Prozent. Hinter vorgehaltener Hand heißt es mittlerweile, dass auch dieser Wert im Bundeswirtschaftsministerium mittlerweile als zu hoch angesehen wird. Die OECD hat ihre Wachstumsprognose für das hiesige Bruttoinlandsprodukt vor wenigen Tagen mehr als halbiert: Von 1,6 Prozent im November auf 0,7 Prozent im März.

Prognose-Abstürze wie in Krisenzeiten

Und nun verkünden auch die sogenannten Wirtschaftsweisen aus dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung die künftigen Wirtschaftsaussichten als - gelinde gesagt - eingetrübt. "Die Hochkonjunktur der deutschen Wirtschaft ist vorerst vorüber", sagte der Chef des Gremiums, Christoph Schmidt. Eine Rezession erwarten die ökonomischen Berater der Regierung aber nicht. Denn die Binnenkonjunktur in Deutschland läuft gut, die Löhne steigen, die Arbeitslosigkeit ist gering und die Beschäftigung hoch. "Eine Rezession ist angesichts der robusten Binnenkonjunktur aber aktuell nicht zu erwarten", versicherte Schmidt.

Dennoch sind derartige Prognose-Abstürze in kürzester Zeit sonst nur in Krisenzeiten zu sehen. Wegen der Handelskonflikte der USA mit anderen Ländern und der Unsicherheit über den Brexit hatten zuletzt auch viele Forschungsinstitute ihre Wachstumsprognosen gekappt: Das Ifo-Institut etwa geht nach einer fast halbierten Prognose nur noch von einem Wachstum von 0,6 Prozent für die hiesige Wirtschaft in diesem Jahr aus. Der Ifo-Geschäftsklimaindex - das wichtigste Konjunkturbarometer Deutschlands - ist die letzten sechs Monate in Folge gesunken. Doch auch ein Anstieg des BIP von 0,6 Prozent (Ifo) oder 0,8 Prozent (Wirtschaftsweise) wären ein Wachstum, keine Rezession.

"Müssen mit Rezession rechnen"

Wenn ich mir die Frühindikatoren anschaue, ziehe ich den Schluss, dass eine Rezession zwar nicht sicher ist, wir aber damit rechnen müssen.
Thomas Mayer, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank

Andere Beobachter sind da aber vorsichtiger. Thomas Mayer zum Beispiel, der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Er leitet nun die Volkswirtschaftsabteilung beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch. "Wenn ich mir die Frühindikatoren anschaue, ziehe ich den Schluss, dass eine Rezession zwar nicht sicher ist, wir aber damit rechnen müssen. Das gilt zunächst für Deutschland, den Euroraum aber auch Europa. Auch global schwächt sich die Konjunktur ab."

In Deutschland war im dritten Quartal des vergangenen Jahres die Wirtschaftsleistung zurückgegangen. Weil sie dann aber im Schlussquartal 2018 um einen Hauch gestiegen war, ist Deutschland noch knapp an der Rezession vorbei geschrammt. Rezession bedeutet definitionsgemäß nämlich, dass die Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft.

Keiner will eine sich selbst erfüllende Prognose

Eine der Ursachen für den Gegenwind im vergangenen halben Jahr: Die deutschen Autobauer hatten mit der Umstellung auf das neue Abgasprüfverfahren WLTP zu kämpfen. Doch auch die globale Nachfrage - unter anderem wegen eines Wirtschaftsrückganges in China - hat der deutschen Industrie zu schaffen gemacht. Nach jüngsten Zahlen aus dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden fiel die Produktion der deutschen Industrie im Januar verglichen mit Dezember kalender- und saisonbereinigt um 0,8 Prozent. Die Exporte traten zu Jahresbeginn auf der Stelle.

Dass von offizieller Seite niemand von der Gefahr einer Rezession sprechen will, dürfte schließlich auch daran liegen, dass sie niemand herbeireden will. "Ich habe eigentlich noch nie erlebt, dass Ökonomen eine Rezession vorhergesagt haben. Bei offiziellen Stellen hält man sich auch zurück - sonst hätten wir das Problem einer sich selbst erfüllenden Prognose", sagt Thomas Mayer.

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