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Verschwundene Gegenstände - Das war dann mal weg

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Immer wieder verschwinden Dinge aus unserem Alltag, die wir kurz zuvor noch für unersetzlich hielten. Was hat sie so wichtig gemacht? Wodurch wurden sie ersetzt? Eine Zeitreise.

"Das war dann mal weg" - diesmal auf der Spur von Dingen des Alltags. Wer weiß noch, was eine Prilblume ist? Der Teppichklopfer kommt auch nur noch selten zum Einsatz. Und der Paternoster?

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Es ist nicht allzu lange her, da waren sie nicht aus unserem Leben wegzudenken - geniale Erfindungen, die unseren Alltag aufregender machten: Musikkassetten, Schallplatten, der Walkman und die flimmernde Bildröhre. Manche dieser Erfindungen haben Jahrzehnte lang durchgehalten und wecken bis heute nostalgische Erinnerungen, andere gerieten schnell in Vergessenheit. Denn: Was heute als Hightech gilt, ist oft der Trödel von morgen.

Die Schreibmaschine zum Beispiel: 120 Anschläge pro Minute waren für Profi-Sekretärinnen Pflicht. Und die Modelle der 50er Jahre bekamen nur allzu gern Mädchennamen wie "Gabriele 5000". Doch auch wenn Günter Grass noch 1997 schwor: "Meine alte Olivetti ist Zeuge!" - Kinder von heute sitzen ratlos vor dem sperrigen Monstrum. Einst war diese Erfindung jedoch so wichtig, dass die Stasi Schriftproben verdächtiger Schreibmaschinen nahm und man in der BRD durch solche Proben die Verfasser von Erpresserbriefen überführte.

Internet killte Versandhauskataloge

Telegramme, Telefonzellen, Schlafwagen, Blitzwürfel: Sie alle sind ausgestorbene Alltagsgegenstände – auch der Versandhauskatalog. Aufwendig fotografiert und montiert, musste 1972 jede Seite von "Otto" oder "Quelle" 180.000 Mark einspielen - denn jedes Exemplar à zwei Kilo kostete in der Herstellung stolze acht Mark. Auch in der an Waren klammen DDR war das Shoppen per Katalog beliebt; Slogan: "keine Zeit verlaufen - im Versandhaus kaufen". Das Internet killte die dicken Kataloge. Die Ironie: Gerade dort sind sie heute wieder als Raritäten zu bekommen, zu horrenden Preisen.

Der Paternoster, Oldie der Aufzugtechnik, wurde als "Beamtenbagger" verspottet. Tatsächlich stammt das Prinzip aus der Grubentechnik - und Bergarbeiter gaben ihm auch seinen frommen Namen; wohl weil die Endlosschleife sie an einen polnischen Rosenkranz erinnerte. Bis in die 60er Jahre galt der Paternoster als ideales Fortbewegungsmittel. 1974 dann plötzlich ein Neubauverbot - der TÜV hatte Sicherheitsbedenken. Bürgerinitiativen verhinderten in den 90ern ein Totalverbot. 2015 schließlich verlagerten sich die Proteste gegen den geplanten Paternoster-Führerschein aus dem SPD-Arbeitsministerium ins Web: "Der Paternoster ist offen für alle und gerecht - sozusagen der Sozialist unter den Aufzügen", hieß es, und: "Kein Paternoster ist illegal!"

Von der Prilblume und dem Super-8-Film

Und die Prilblume? Sie war ein verzweifelter Versuch von 1973, das verhasste Spülen zu verschönern und mit Flower-Power-Symbolen Revolutionäres in den Frauenalltag zu bringen. Sie wurde von der Spülmaschine abgelöst, so wie der Teppichklopfer in den 50er/60er Jahren vom Staubsauger; auch die Teppichstangen im Innenhof wurden überflüssig.

Das war dann mal weg, gilt wohl auch für den Super-8-Film. Er war teuer und in der Verarbeitung unfassbar aufwendig für heutige Verhältnisse. Oft ohne Ton, liefert er jedoch bis heute unverstelltes Zeitkolorit der 60er und 70er: grässliche Tapeten, Mode, Frisuren, Essen, Einrichtung. Doch stirbt der Urheber, sind auch die alten Filme akut von Entsorgung bedroht.

Aerobic im Überdruss

Und: Kennen Sie noch Aerobic? US-Star Jane Fonda verdiente ab 1982 binnen kürzester Zeit Hunderte Millionen Dollar damit. Selbst Bundeswehreinheiten mit Schnauzbärten mussten einheitlich hüpfen. In der DDR musste das kapitalistische Tun natürlich anders heißen: "Popgymnastik". Der Tod kam Mitte der 90er durch Überdruss. Heute macht man Zumba und Pilates.
Als sie unseren Alltag eroberten, waren sie schon bald nicht mehr aus ihm wegzudenken. Und waren doch plötzlich wieder weg. Und doch taugen sie zum Schwelgen in Erinnerungen. Die verschwundenen Dinge des Alltags laden zu einer Zeitreise ein.

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