ZDFheute

Sirenen und Schüsse in den Straßen Beiruts

Sie sind hier:

Ausschreitungen bei Protesten - Sirenen und Schüsse in den Straßen Beiruts

Datum:

Sirenen, Schüsse, Straßenschlacht - mitten in Beirut: Libanesische Sicherheitskräfte sind am Samstagabend mit Tränengas und Gummigeschossen gegen Demonstranten vorgegangen.

Ein Demonstrant in Beirut bei einem Zusammenstoß mit der Polizei; Beirut, Libanon; 14.12.2019
Ein Demonstrant während der Zusammenstöße mit der libanesischen Bereitschaftspolizei in der Nähe des Parlamentsgebäudes.
Quelle: dpa

Mitten in Downtown, im zentralsten Stadtteil Beiruts, ist das Atmen am Samstag kaum möglich - seit Stunden feuern Polizisten Tränengas auf Demonstranten. Die wiederum werfen Steine zurück. "So schlimm war es während der Proteste noch nie", erzählt einer der Demonstranten und reicht eine rohe Zwiebel weiter, die soll helfen gegen das fürchterliche Brennen in der Nase. Immer wieder sind die Sirenen der Krankenwagen zu hören. Das Rote Kreuz bestätigt 33 Verletzte bis kurz vor Mitternacht.

"Dann wurde es zum Krieg"

Die Stimmung kippte, nachdem Anhänger der konservativen schiitischen Regierungsparteien Amal und Hisbollah am Nachmittag wieder einmal versuchten, die Zeltstadt der Demonstranten auf dem Märtyrerplatz zu zerstören. Um 18 Uhr sollte eigentlich ein friedlicher Protestmarsch starten vor dem Parlament. "Dann wurde es zum Krieg", erzählt ein junger Mann, der sich den Schal tief ins Gesicht gezogen hat. Gerüchten zufolge habe die Innenministerin persönlich den Polizisten die Anordnung gegeben, hart durchzugreifen.

Fakt ist: Die Polizisten belassen es nicht beim Tränengas, sie feuern mit Gummigeschossen in die Menge. Dann rennen sie plötzlich los, treiben die Demonstranten in kleinen Straßen zusammen. Menschen werden weggezerrt. Die Festnahmen erscheinen wahllos - mehrmals werden auch wir aufgefordert, unsere Kameras nicht mehr zu benutzen.

An einer Kreuzung dann der vorläufige Höhepunkt: Ein junges Paar auf einer Vespa ist auf dem Weg zum Märtyrerplatz, Polizisten wollen sie stoppen. Sie schreien, die Beamten werfen die Vespa um, das Paar versucht zu fliehen. Immer mehr Polizisten kommen angestürmt. Aus der Ferne sieht man Knüppelschläge - immer wieder.

Kurz vor Mitternacht beruhigt sich die Lage

Kurz vor Mitternacht beruhigt sich die Lage, die Demonstranten sammeln sich wieder. Mit schwingender libanesischer Flagge skandieren sie "Thwara" ("Revolution") und "Wir bleiben, bis uns die Regierung einen neuen Premierminister präsentiert". Auch durch diese Vorfälle lasse man sich nicht aufhalten, erzählt eine junge Frau. Die Proteste, die seit Mitte Oktober bisher überwiegend friedlich verlaufen sind, richten sich gegen die politische Elite des Landes. Auslöser sind unter anderem steigende Lebenshaltungskosten.

Seitdem Saad al-Hariri Ende Oktober als Ministerpräsident zurückgetreten ist, verschiebt die Regierung die Ernennung eines neuen Premierministers und damit das Formen einer neuen Regierung, die das Land vor dem finanziellen Kollaps bewahren soll. Ginge es nach den Demonstranten, soll es eine Übergangsregierung werden aus Experten, also Technokraten.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.