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Außenhandelsüberschuss - Exporte erreichen neuen Rekord

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Deutsche Unternehmen haben auch 2017 so viele Waren wie nie zuvor exportiert. Der Außenhandelsüberschuss dagegen ist leicht gesunken. Das könnte Kritiker besänftigen.

Im vergangen Jahr haben Deutschlands Exporte alle Rekorde gebrochen. Noch stärker stieg aber der Import. Dazu unsere ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller.

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Nein, Deutschland ist nicht Exportweltmeister – auch wenn das Wort quasi zu einem festen Attribut geronnen ist, wenn es um den Außenhandel geht. Doch die ausführenden Unternehmen haben auch 2017 kräftig daran gearbeitet, den Titel vielleicht in Zukunft wieder zu Recht tragen zu dürfen. Denn die Exporte sind nach Angaben des statistischen Bundesamtes 2017 um gut 6 Prozent auf rund 1,28 Billionen Euro gestiegen – ein neuer Rekord.

Weltwirtschaft unter Volldampf

Dabei ist die Reise von deutschen Maschinen, Autos und anderen Gütern meist nicht sonderlich lang: In die Länder der EU gehen nämlich fast 60 Prozent aller exportierten Produkte - unsere Nachbarn sind die besten Kunden deutscher Unternehmen. "Das gute Abschneiden verdankt sich vor allem der Erholung in der Eurozone, dort insbesondere Ländern wie Italien oder Frankreich", sagt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. "Denn diese wirtschaftlich großen Länder verzeichnen mittlerweile ein sehr gutes und ein überraschend starkes Wirtschaftswachstum." Doch auch andere Länder der EU und der Eurozone erholen sich von den Folgen der großen Finanz- und Wirtschaftskrise. Unterstützt wird die Erholung auch durch andere Regionen der Welt: Amerika und Asien melden starkes Wirtschaftswachstum – die Weltwirtschaft steht unter Volldampf.

Ob das so weiter gehen kann, steht auf einem anderen Blatt. So haben sich einer Umfrage des Ifo-Institutes zufolge die Perspektiven etwas eingetrübt. Viele Unternehmen rechnen damit, dass das Wachstum der Ausfuhren sich etwas verlangsamen könnte; was allerdings angesichts des starken Wachstums in den vergangenen Monaten kaum verwunderlich ist. Auch der Euro könnte die Exporte leicht bremsen, denn der hat angezogen und verteuert tendenziell Waren aus Europa im außereuropäischen Ausland.

Deutlich mehr Exporte als Importe – erntet Deutschland Kritik?

Auch die Einfuhren nach Deutschland haben einen neuen Höchststand erreicht. Beides – also die Exporte und die Importe – miteinander ins Verhältnis gesetzt, ergibt die so genannte Außenhandelsbilanz. Hier ergibt sich auf Exportseite ein Überschuss von rund 245 Milliarden Euro – der Außenhandelsüberschuss ist damit leicht zurückgegangen.

Der Überschuss im Außenhandel hatte sich seit 2009 jedes Jahr vergrößert. Das kann man als positives Zeichen werten: Offenbar sind Produkte "Made in Germany" in anderen Ländern stark nachgefragt. Allerdings hat in jüngster Zeit die Kritik an Deutschlands Außenhandelsüberschuss zugenommen. Denn während einige Länder Überschüsse verbuchen, sieht in anderen Ländern die Bilanz umgekehrt aus: Sie importieren mehr als sie exportieren, sprich: Tendenziell verschulden sie sich, um sich die Waren aus dem Ausland leisten zu können.

Trump als Risiko für den Außenhandel

Zudem könnte ein solcher Außenhandelsbilanzüberschuss auch darauf hinweisen, dass die Nachfrage im Inland zu gering ist; dass also zu wenig Investitionen fließen, die die Nachfrage nach Waren steigern könnten – auch aus dem Ausland. Deswegen sitzen einige der Kritiker der Deutschen Außenhandelsbilanz in der Europäischen Union. Der leichte Rückgang des Überschusses könnte den Skeptikern ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen.

Am lautstärksten aber poltert bekanntlich der Mann im Weißen Haus. Und der hat nun wieder ein gefundenes Fressen für seine nächsten Tweets. Denn während Deutschland immer noch deutliche Überschüsse aufweist, haben die Vereinigten Staaten im vergangenen Dezember das größte Außenhandelsdefizit seit neun Jahren ausgewiesen. In 2017 ist das US-Handelsdefizit um über 12 Prozent gestiegen.

Deswegen arbeitet die Regierung Trump daran, die Einfuhr von Waren an den Landesgrenzen zu erschweren: Strafzölle auf Solarmodule und Waschmaschinen könnten der Beginn eines protektionistischen Wettlaufs sein, befürchtet mancher Beobachter. Das ist einigermaßen paradox. Denn die USA sind in den vergangenen Jahren mit China am einstigen Exportweltmeister Deutschland vorbei gezogen. Das Risiko, mögliche Handelskriege vom Zaun zu brechen, könnte so leicht ein Schuss in das eigene Bein sein.

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