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Außenminister Maas im Sudan - Sudan - die zerbrechliche neue Ordnung

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Minister Maas ist als erster hochrangiger westlicher Politiker im Sudan zu Besuch, wo sich das Volk von der Diktatur befreit hat. Die Hoffnung ist groß, die neue Ordnung fragil.

Außenminister Heiko Maas geht in Begleitung von Sicherheitskräften über den Platz in Khartum (Sudan) am 03.09.2019
Nach dem Umsturz im Sudan ist Bundesaußenminister Heiko Maas am Dienstag als erster hochrangiger europäischer Politiker in Karthum eingetroffen.
Quelle: dpa

"Ana sudani, ana ifriki": "Ich bin Sudanese, ich bin Afrikaner". Ein patriotisches Volkslied aus dem Sudan, es erzählt von der Schönheit der Landschaften, dem Mut seiner Menschen. Seit ein paar Wochen aber haben Melodie und Text noch einen ganz anderen Klang: Das Lied ist zur Hymne aufgestiegen, zum Lied einer friedlichen Revolution. Vor ein paar Monaten haben sich die Menschen im Sudan aufgelehnt gegen eine der härtesten Diktaturen in Afrika. In monatelangem gewaltlosen Widerstand haben sie es geschafft, einen der ruchlosesten Gewaltherrscher südlich der Sahara aus dem Amt zu jagen: Omar al-Baschir, ein Militärmachthaber und kompromissloser Islamist, der den Sudan dreißig Jahre unter der Knute gehalten hat. 

Zerbrechliche neue Ordnung

Ein Mann spielt Geige am glühend heißen Vormittag im Hof des Goethe-Institutes von Khartum, ein paar Frauen singen: "Ana sudani, ana ifriki". Ehrengast ist Heiko Maas. Der deutsche Außenminister ist als Erster gekommen. Kein anderer hochrangiger westlicher Politiker hat diesen Schritt gewagt, seit Demonstranten und Opposition versuchen, dem Sudan eine neue, demokratischere Ordnung zu geben.

Karte des Sudan mit der Hauptstadt Khartum
Quelle: ZDF

Leicht ist das nicht: Im "Souveränitatsrat" - einer Art Übergangsregierung, die nach dem Sturz al-Baschirs die Führung des Landes übernommen hat - sitzen sechs zivilen Politikern noch immer fünf Militärs gegenüber. Als noch immer starker Mann gilt Mohamed Hamdan Dagalo, auch bekannt als General Hemedti, der Führer jener berüchtigten Reitermilizen der Dschandschawid, auf deren Konto schwerste Menschenrechtsverletzungen in der Unruheprovinz Darfur gehen. Eine sehr zerbrechliche neue Ordnung also, viele trauen dem Frieden deshalb noch nicht so recht. Nach wie vor gelten für den Sudan scharfe internationale Sanktionen, die USA führen das Land in ihrer schwarzen Liste der Terror-Unterstützer-Staaten. 

"Wir müssen einen ganz neuen Sudan aufbauen" 

Im dreißigsten Jahr des Mauerfalls aber setzt Deutschland Zeichen: "Es wird in den nächsten Wochen und Monaten viel darauf ankommen, dass diejenigen, die im Sudan einen neuen Weg eingeschlagen haben, nun Unterstützung erhalten", sagt Maas im Khartum und fügt hinzu: "Das Land und die neue politische Führung brauchen die Unterstützung Deutschlands und Europas." Der Minister geht an diesem Vormittag im Goethe-Institut an weißen Stellwänden entlang, betrachtet nachdenkliche zwei, drei Dutzend großformatige Fotografien: Eine Ausstellung zeigt Augenblicke der friedlichen Revolution im Sudan. Viele der Bilder zeigen Menschen, die trotz Polizeigewalt und militärischer Einschüchterung fröhlich aussehen, voller Hoffnung. Auch der Mann mit der Geige ist zu sehen, er ging den Soldaten damals mit seiner Violine entgegen.

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Maas hört genau zu, stellt viele Fragen. Ein paar junge Frauen führen den Minister durch die Ausstellung, auch ihre Gesichter sind auf manchen der Fotografien zu erkennen, damals voller Euphorie. Mittlerweile aber bildet sich, bei allem Stolz auf den mutigen Widerstand vor ein paar Monaten, auch Sorge in ihren Gesichtern ab. "Deutschland und Europa sollten Druck auf die neue Regierung ausüben, damit Diktator al-Baschir und seine Entourage an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag überstellt werden", sagt Samah Jamous. Die junge Frau engagiert sich in der "Sudanese Young Leaders Conference", gehört zum "Africa Young Women Leaders Council". Ihre Wünsche und Erwartungen an Deutschland klingen durchdacht und pragmatisch: "Deutschland kann mit Programmen zur Berufsausbildung helfen. Das ist ganz konkrete Unterstützung für die vielen jungen Menschen hier. Wir müssen doch einen ganz neuen Sudan aufbauen." 

Viel kann Maas bisher nicht in Aussicht stellen

Es schwingt viel Hoffnung in den Worten, die Minister Maas in Khartum hört. Auch beim neuen Premierminister, der das wirtschaftlich völlig zerrüttete Land aus der politischen und ökonomischen Übergangszeit zu steuern versucht. Ein Ende der Sanktionen, wünscht er sich, ein Ende der Einstufung als Terrorunterstützer. Viel kann Maas bisher nicht in Aussicht stellen, zu fragil ist die Lage noch immer. Er werde sich im Bundestag dafür einsetzen, die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit dem Sudan vorsichtig wieder auszunehmen, sagt Maas. Es wäre ein Anfang. 

"Ana sudani, ana ifriki" - es ist die Losung einer Nation, die den Diktator zwar vom Thron gestoßen hat, deren schwieriger Weg in eine demokratischere Zukunft aber gerade erst begonnen hat. Und wie die Geschichte endet, wagt bisher niemand vorauszusagen.

Frank Buchwald ist ZDF-Hauptstadtkorrespondent und berichtet über die Afrika-Reise von Außenminister Maas.

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