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Katars Außenminister im Interview - "Wir würden uns an einen Tisch setzen"

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Katars Außenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman al Thani sieht sein Land ungerecht behandelt. Wenn es Probleme gäbe, müsse man miteinander reden, sagt er im Exklusiv-Interview mit dem ZDF. Stattdessen werde sein Land mit Hackerattacken konfrontiert und durch Fake-News diskreditiert.

Katar ist das reichste Land der Welt. Zur Zeit ist der Mini-Wüstenstaat von seinen arabischen Nachbarn isoliert. Was bedeutet die Blockade für die Menschen im Emirat? Und für die WM 2022?

Beitragslänge:
6 min
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ZDF: "Wie ist die derzeitige Situation hier in Katar - unter dem Embargo?"

Scheich Mohammed bin Abdulrahman al Thani, Außenminister von Katar: "Unsere wirtschaftliche Situation ist okay - wir können die Menschen hier versorgen. Wir haben hier ganz normalen Alltag. Wir kriegen sowohl Lebensmittel als auch Baumaterialen ins Land - demnach trifft uns die Krise erstmal nicht so stark. Durch diese Maßnahmen aber steigen unsere Kosten. Aber ich würde sagen, unsere Wirtschaft läuft wie immer. Business as usual. Wir haben schon vor Jahren an einem Back-Up-Plan gearbeitet, bereits in der Vergangenheit vorgesorgt. Das war dem Emir schon immer wichtig - vorzusorgen für Katar. Immerhin leben wir in einer rauen Umgebung. Es ist nicht immer leicht hier.

Aber das, was uns am meisten bewegt und schockiert, ist dass Menschen, Familien dadurch getrennt werden. Da werden Menschen kollektiv bestraft - von diesen vier Ländern in unserer Nachbarschaft. Das trifft uns hart. Wir haben tausende dieser Fälle schon registriert. Das ist das Hauptproblem dieser Blockade. Außerdem haben wir Schwierigkeiten, weil der Luftraum geschlossen wurde. Es gibt nur noch eine offene Route - und zwar über den Iran. Auch der Schiffsverkehr ist betroffen."

ZDF: "Ihnen wird vorgeworfen, weltweit den Terrorismus zu unterstützen. Die Golfstaaten haben eine Liste mit Namen veröffentlicht, die das belegen soll. Zudem haben Saudi-Arabien und seine Verbündeten angekündigt, eine zweite Liste mit möglichen Forderungen an Katar zu veröffentlichen. Wären Sie überhaupt bereit, Forderungen zu erfüllen?"

Al Thani: "Nunja, erstmal gibt es ja diese Terrorliste. Darauf möchte ich zuerst eingehen. Diese Liste zeigt, wie fragil das ganze System ist. Einige der Personen, die genannt sind, waren nie in Katar, es gibt keinerlei Verbindung zu uns. Andere sind Journalisten, die hier leben und keine Verbindung zum Terrorismus haben. Die stehen aber drauf, um die Medien mundtot zu machen durch diese Anschuldigungen.

Dann stehen da Stiftungen und Verbände drauf, die von uns reguliert werden, einen Beraterstatus in den Vereinten Nationen haben und viele Partnerschaften mit Organisationen der UN haben. Das alles zeigt, dass das keine solide Liste ist. Manche der genannten Personen leben in Ägypten, manche sind im Gefängnis. Ich habe sogar gehört, dass einige tot sind, ich weiß nicht. Ich kenne auch nicht jeden einzelnen Namen auf dieser Liste."

ZDF: "Aber zurück zu meiner Frage. Würden Sie auf mögliche Forderungen eingehen?"

Al Thani: "Zuallererst sollte man Forderungen von Tag Eins ansprechen, vorlegen - bevor Maßnahmen getroffen werden. Man muss doch darüber verhandeln können, darauf eingehen können. Erst, wenn man sich nicht einig wird, sollten Aktionen folgen. Aber keiner dieser Schritte wurde gemacht. Kein einziges Problem wurde im Vorfeld angesprochen, stattdessen wurde ganz plötzlich unsere staatliche Medienagentur gehackt, darüber Fake News verbreitet und eine eskalierende Medienkampagne gestartet.

Dann auf einmal die Blockade - ohne Vorwarnung. Dann die Liste mit den Forderungen, der Aufruf an uns, diesen Konflikt nicht zu internationalisieren. Und selbst aber wollen sie alles öffentlich machen, den USA diese Liste schicken. Aber bisher ist noch nichts passiert. Eben nur das, was sie in den Medien sagen. Mehr als diese vagen Anschuldigungen liegen uns auch nicht vor - ohne Fundament. Im normalen, zivilisierten Leben muss man die Karten doch auf den Tisch legen, den Beweis dafür liefern und der Gegenpartei die Möglichkeit geben, darauf einzugehen, zu antworten und seine Sicht darzustellen."

ZDF: "Sie würden sich an einen Tisch setzen, wenn die Sanktionen aufgehoben würden?"

Al Thani: "Das haben wir von Anfang an klar gestellt: Wir sind bereit, in Verhandlungen zu treten. Wir würden uns an einen Tisch setzen und diskutieren. Wenn man uns beschuldigt, uns in innere Angelegenheiten zu mischen, muss ich doch das Recht haben, darauf zu antworten. Wenn man uns vorwirft, die Golfregion zu destabilisieren, möchte ich auch darauf eingehen können. Aber uns vorzuwerfen, dass wir alle Terrorgruppen dieser Welt unterstützen, ist das für uns inakzeptabel.

Wenn man mal bedenkt, wieviel Katar hier für diese Region tut. Wir bieten Bildung und viele Arbeitsplätze an, allein 300.000 Jobs im nordafrikanischen Raum. Wir versuchen, die Welt vor Terrorismus zu schützen und ihn nicht zu fördern. Katar verfolgt eine Open-Door-Politik, wir sind diplomatisch sehr aktiv, stets transparent. Schlichteten in Darfur, im Libanon, zwischen Dschibuti und Eritrea. Wir leisten gerade in dieser Region viel positive Arbeit und versuchen, gegen Terrorismus zu steuern, gegen Krieg.

Wir wollen den Menschen Hoffnung und die Möglichkeit auf ein besseres Leben geben - statt eine Waffe in die Hand drücken, damit sie ein besseres Leben haben werden. Wir sind einer der fortschrittlichsten Staaten in dieser Region."

ZDF: "Katar hatte lange Zeit eine Art Vermittler-Status in der Golfregion. Früher hat Katar deeskaliert, heute spielt es die zentrale Rolle im Konflikt. Was ist passiert?"

Al Thani: "Ja genau so war es. Es könnte an unserer Rolle nach dem Arabischen Frühling liegen. Katar ist immer eine neutrale Linie gefahren. Wir schlagen uns nie auf eine Seite bei einem Konflikt. 2011 - als die Leute im Arabischen Frühling auf die Straße gegangen sind, gegen ihre Regierung protestiert haben, haben wir zu Beginn noch mit allen Seiten gesprochen.

Als der Konflikt aber schärfer wurde, haben wir zu den Menschen gehalten. Unsere Welt kann doch nicht friedlicher werden, indem man der Bevölkerung eine Diktatur aufzwingt. Wir wollen die Menschen beschützen, in den Dialog treten, Konflikte nicht militarisieren, um etwas zu erreichen."

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