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Außenminister Maas in Auschwitz - "Der schrecklichste Ort der Welt"

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Erstmals nach 26 Jahren hat wieder ein deutscher Außenminister Auschwitz besucht. Am "schrecklichsten Ort der Welt" rief er zu mehr Zivilcourage gegen Rassismus auf.

Außenminister Heiko Maas besucht Auschwitz am 20.8.2018
Außenminister Heiko Maas in Auschwitz: "Begegne meinen Zweifeln an Gott." Quelle: dpa

Er sei wegen Auschwitz in die Politik gegangen. Das hatte Außenminister Heiko Maas (SPD) bei seinem Amtsantritt erklärt. Nach seinem Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers zeigte er sich tief berührt: "Wenn ich in Auschwitz bin, begegne ich meinen Zweifeln an Gott, meinem Misstrauen gegenüber Menschen, meiner Verachtung gegenüber einem Teil der Geschichte."

Auschwitz bedeute, sich zu entscheiden: Entweder verliere man hier den Glauben an die Menschheit, oder man gewinne die Hoffnung zu kämpfen, damit sich so etwas nie wieder ereigne. In den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg habe es eine solche Auseinandersetzung nicht gegeben. Das seien Jahrzehnte, für die man sich in dieser Hinsicht "eigentlich schämen muss".

Maas: Tolerantes Deutschland nicht selbstverständlich

Auschwitz, so Maas, sei für ihn eine Triebfeder für sein politisches Handeln und für sein Engagement gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus. Bereits als Justizminister war die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit ein Schwerpunkt seiner Arbeit. Im vergangenen März besuchte er - kurz nach seiner Amtsübernahme als neuer Außenminister - die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel. Der Auschwitz-Besuch war nun seine erste Auslandsreise nach der Sommerpause.

Bei der eintägigen Reise war es ein Kernanliegen des Politikers, die Erinnerung an die Schrecken der Vergangenheit und das Engagement gegen jede Form von Rassismus an die nächste Generation weiterzugeben. Zu dem Termin gehörte deshalb auch eine Gesprächsrunde mit deutschen Diplomaten-Anwärtern sowie mit deutschen und polnischen Auszubildenden.

Maas' Appell: Dass Rassisten und Antisemiten so laut seien, liege auch daran, "dass der Rest so leise ist". Der überwiegende Teil wachse mit der Haltung auf, dass ein weltoffenes und tolerantes Deutschland selbstverständlich sei. "Das ist aber nicht so, wir müssen alle etwas dafür tun", so der Minister.

Zuvor hatte sich Maas für seinen Rundgang in Auschwitz und Birkenau Zeit genommen, an der Todesmauer einen Kranz niedergelegt, Ausstellungen in den Baracken besucht. Er habe Tausende von Kinderschuhen gesehen und Tonnen von Haar. "Das ist der schrecklichste Ort der Welt", sagte Maas im Anschluss. Der Pole Marian Turski, der Auschwitz überlebt hatte, begleitete ihn bei seinem Rundgang. Immer wieder blieben die beiden stehen und sprachen miteinander.

Große Bedeutung in den Beziehungen zwischen Polen und Deutschland

Nach dem Besuch im ehemaligen KZ traf Maas sich mit seinem polnischen Amtskollegen Jacek Czaputowicz. Auch der Ort dieser Begegnung, das Franziskanerkloster in Harmeze, ist bedeutsam: Es liegt nur unweit vom ehemaligen Lager Birkenau entfernt. Gegen Ende der 1980er Jahre siedelte sich hier ein Franziskaner-Orden an, auch im Gedenken an die acht Ordensbrüder, die im KZ umgekommen waren. Zu ihnen gehörte Pater Maximilian Kolbe, der von der katholischen Kirche als Heiliger und Märtyrer verehrt wird.

Czaputowicz betonte in der anschließenden Pressekonferenz die Bedeutung Kolbes für die polnische Identität. Das Kloster sei ein wichtiger Ort des Gedenkens an diese große Persönlichkeit. Maas sagte, dass das "dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte" immer eine große Bedeutung in den Beziehungen beider Länder spielen werde. Er fliege "hoffnungsfroh" zurück nach Deutschland, nachdem er erlebt habe, wie intensiv die polnischen und deutschen Jugendlichen sowie die Diplomatenanwärter ihre Auseinandersetzung mit der Geschichte empfunden hätten.

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