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Filmindustrie im Umbruch - Klappe, die erste

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Wohin die Reise gehen wird, weiß niemand. Klar ist: Die deutsche Filmindustrie ist im Umbruch. Die Herausforderungen reichen von sprachlichen Barrieren bis zur Digitalisierung.

Filmklappe
Quelle: imago

Fernsehinhalte kommen seit einiger Zeit nicht mehr nur als lineares Programm ins Haus oder ins Kino. Sie können mit dem Computer auch individuell abgerufen werden. Die Inhalte werden unabhängig von festen Sende- und Vorstellungszeiten gestreamt. Von diesem Wandel erzählt die Ausstellung "Die UFA - Geschichte einer Marke". In der Deutschen Kinemathek, dem Museum für Film und Fernsehen in Berlin, nimmt sie bis 22. April 2018 den größten Filmproduktionsbetrieb in Deutschland in den Blick, der vor 100 Jahren gegründet wurde. Doch die Schau zeigt auch: Selten war die deutsche Filmindustrie so dynamisch wie heute.

Harte Konkurrenz aus den USA

Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die Zahl der deutschen Kinofilmproduktionen verdoppelt. Von den 121 Millionen Kinogängern haben sich 27,7 Millionen für einen deutschen Film entschieden. Ein Grund zum Jubeln für heimische Regisseure, Produzenten und Verleiher. Vor allem, weil sich deutsche Filme gegen die Konkurrenz aus Hollywood behaupten können.

Keine Selbstverständlichkeit, betont Ulrich Limmer, Professor für Produktion und Medienwirtschaft an der Hochschule für Fernsehen und Film München: "Der Wettbewerb mit Produktionen aus den USA ist sehr hart. Viele der amerikanischen Filme haben einen höheren Werbeetat in Deutschland, als bei uns Geld für die gesamte Produktion zur Verfügung steht."

Hinzu kommt die Sprachbarriere. "Wir können in unserer Sprache nicht für den Weltmarkt produzieren", sagt Ulrich Limmer, zugleich geschäftsführender Gesellschafter der Collina Filmproduktionsgesellschaft. Deutschsprachige Filme haben deshalb oft das Nachsehen. Machen amerikanische Filmproduzenten 60 Prozent ihrer Erlöse außerhalb des Heimatlandes, ist es in Deutschland nur ein Bruchteil dessen.

Mehr als spannende Geschichten

Dennoch sind heimische Produktionen erfolgreich. Eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums vom Beginn des Jahres belegt dies: Jeder Euro Wertschöpfung in der Filmwirtschaft ergibt durch positive Auswirkungen auf beteiligte Unternehmen 1,60 Euro Wertschöpfung in der gesamten Volkswirtschaft. In der Summe erwirtschaftet die Branche mit 160.000 Beschäftigten fast 25 Milliarden Euro im Jahr.

Das liegt nicht nur an Kassenschlagern wie der "Fack ju Göhte"-Reihe. "Außergewöhnliche und anspruchsvolle deutsche Produktionen haben in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass der heimische Film auch auf dem internationalen Markt mithalten kann", betont Ulrich Limmer. "In Sachen Qualität müssen wir uns keineswegs verstecken, wie der Oscar für 'Das Leben der Anderen' von Florian Henckel von Donnersmarck gezeigt hat."

Nachholbedarf bei Filmförderung

Eines ist dem 61-jährigen Hochschullehrer und Produzenten jenseits aller Fragen nach Wirtschaftlichkeit und Rentabilität wichtig: "Wir dürfen den Erfolg nicht immer nur an den Besucherzahlen bemessen. Aufgabe muss es auch sein, Diskussionen auszulösen." Für Limmer ist der Film ein Ort der gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Eine kulturelle Leistung, die es ohne Unterstützung so nicht geben würde.

Rund 50 Prozent des Budgets eines jeden Films besteht aus Fördergeldern. Und doch müsste es mehr Geld geben, kritisiert Limmer: "Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie Italien oder Frankreich haben wir noch Nachholbedarf. Hierzulande werden Filmproduktionen bei weitem nicht so anerkannt wie Theater, Ballett oder Oper, die als ernsthafte Kunst verstanden und mehr gefördert werden."

Wohin führt die Digitalisierung?

Hinzu kommt die Digitalisierung, die sich besonders auf die Filmindustrie auswirkt. Davon ist auch Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries überzeugt: "So ändert sich nicht nur die Nachfrage und damit das, was das Publikum sehen möchte, sondern die Digitalisierung verändert auch die Produktions- und Verwertungsformen: Das digitale Filmschaffen, der virtuelle Dreh, werden immer wichtiger. Gleichzeitig werden hochkarätige Serien beim Publikum immer beliebter. Video on Demand gewinnt weltweit an Bedeutung."

Auf diese Trends und Umbrüche muss sich die deutsche Filmwirtschaft einstellen. Im vergangenen Jahr sind allein 18 Millionen Menschen weniger ins Kino gegangen als im starken Jahr 2015. Für Ulrich Limmer besteht die große Frage deshalb darin, wie sich die großen Video-Streaming-Dienste verhalten werden: "Wenn diese auch deutsche Produktionen in Auftrag geben würden, wäre das großartig für uns." Doch diese Entwicklung steht erst am Anfang. Es ist eine Reise mit unbekanntem Ziel.

100 Jahre UFA

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