Wie Fotografinnen die Front sehen

Sie sind hier:

Ausstellung in Düsseldorf - Wie Fotografinnen die Front sehen

Datum:

Sie dokumentieren Tod und Terror - und wie Kinder am Rande von Schlachtfeldern spielen: Der Kunstpalast in Düsseldorf zeigt die Werke von acht Kriegsfotografinnen.

Ein Bundeswehrsoldat zündet im Gebirge Kerzen an, er feiert seinen 34. Geburtstag im Einsatz in Afghanistan. In Kabul fährt ein Junge Karussell und zielt dabei mit einer Spielzeugpistole. Diese Bilder zeigen keine Panzer und Bomben und keine bis an die Zähne bewaffneten Menschen. Aber es sind eindringliche Motive aus blutigen Kriegen. Aufgenommen hat sie die Deutsche Anja Niedringhaus, die in vielen Krisengebieten gearbeitet hat. Im April 2014 wurde die mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Fotografin bei einem Einsatz in Afghanistan ermordet.

Der Kunstpalast in Düsseldorf hat 74 ihrer Fotografien gekauft. Jetzt kommen die eindrucksvollen Bilder ins Museum - zusammen mit den Arbeiten von sieben weiteren Kolleginnen in der Ausstellung "Fotografinnen an der Front. Von Lee Miller bis Anja Niedringhaus".

Ein Bild der Fotografin Anja Niedringhaus in der Ausstellung "Fotografinnen an der Front"
Das Bild der Fotografin Anja Niedringhaus zeigt amerikanische Marineinfanteristen 2004 im Irak.
Quelle: dpa

Eigentlich fotografiert für schnelllebige Zeitungen und Magazine, sind diese Bilder teils zu Zeitdokumenten geworden. Darauf zu sehen sind Tote und Schlachten, aber vor allem die leidende Bevölkerung.

Ausstellung bis 10. Juni zu sehen

"Das ist keine leichte Kost, das ist uns bewusst", bekennt Felix Krämer, der Generaldirektor des Düsseldorfer Museums. Die Reporterfotografie sei eine bedeutende Disziplin, sagt der Museumschef. Auch in der Kriegsberichterstattung seien Meisterwerke entstanden. Das ist Grund genug, vom 8. März bis zum 10. Juni die 140 Bilder, schwarz-weiß und farbig, vorzustellen.

Die Französin Christine Spengler hat oft den "richtigen" Moment eingefangen. Im nordirischen Londonderry fotografierte sie 1972 eine Horde ausgelassener Kinder, während im Hintergrund noch der Rauch einer Straßenschlacht aufsteigt. Ein Foto aus Kambodscha zeigt mit Granathülsen spielende Jungen im Mekong-Fluss. Auf einem späteren Bild kniet einer von ihnen verzweifelt vor einer Bahre mit der in Plastik verpackten Leiche seines Vaters. "Man gewöhnt sich nie an Gräuel und Ungerechtigkeit", berichtete die 1945 geborene Fotografin am Donnerstag in Düsseldorf.

Auch Françoise Demulder schickte 1976 vom Bürgerkrieg im Libanon ein Foto, das den Blick auf ohnmächtige Opfer lenkt: Eine Palästinenserin tritt in Beirut schutzlos mit ausgestreckten Armen vermummten, bewaffneten Kämpfern entgegen. Das Bild fand zunächst keine Beachtung, kam ins Archiv, es sei "nicht kommerziell genug". Doch die Wochenzeitung "Die Zeit" veröffentlichte es. Das Motiv wurde berühmt und Foto des Jahres 1977.

Auf eigene Faust im Iran

"Ein unglaubliches Durchsetzungsvermögen" hat Ausstellungsmacherin Felicity Korn bei den Fotografinnen entdeckt. So reiste Christine Spengler Ende der 1970er Jahre zunächst auf eigene Faust in den Iran, um über die islamische Revolution zu berichten. Anja Niedringhaus schrieb 1992 ihrem Chef sechs Wochen lang täglich einen Brief, ehe sie endlich nach Bosnien reisen durfte.

Christine Spengler, Fotografin, steht vor einem ihrer Bilder in der Ausstellung "Fotografinnen an der Front" am 07.03.2019 in Düsseldorf
Christine Spengler vor ihrem 1979 im Iran aufgenommenen Bild "Friedhof der Märtyrer".
Quelle: dpa

Als Pionierin kam die "Vogue"-Fotografin Lee Miller zum Ende des Zweiten Weltkriegs in die Männerdomäne. "Behandelt mich wie einen der Jungs" ("Just treat me like one of the boys"), erklärte sie den amerikanischen Militärs. Das einstige Fotomodell dokumentierte mit der Kamera Elend und Schrecken: die Konzentrationslager Dachau und Buchenwald, die befreiten Gefangenen teils noch in Häftlingskleidung.

"Ich versuche, Abstand zu halten"

Die vielfach ausgezeichnete amerikanische Fotografin Carolyn Cole hat eine auffallend ruhige, reduzierte Bildsprache. Ihre Fotos von Terror und Krieg, etwa von einem Kind mit blutdurchtränktem Verband oder von am Boden liegenden, gefesselten Gefangenen, haben eine eigene Sprache: Cole bebildert die Realität des Kriegs mit Absicht so, dass der Betrachter sich nicht abwendet. "Ich versuche, Abstand zu halten und meine Arbeit zu machen", beschreibt die Fotografin ihre Methode.

Als Künstlerinnen würden sich diese Bildjournalistinnen nicht sehen, meint Ausstellungsmacherin Korn. Und eines steht für sie auch fest: "Es gibt keinen weiblichen Blick."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.