Sie sind hier:

Ausstellung in Berlin - "Jerusalem wird nicht zugrundegehen"

Datum:

Heilige Stadt, Konflikt-Schauplatz, Hauptstadt Israels: In Jerusalem sind Alltag, Religion und Politik unauflöslich verflochten. Das Jüdische Museum in Berlin spannt den Bogen.

Ausstellung „Welcome Jerusalem“ im Jüdischen Museum Berlin am 08.12.2017
Ausstellung „Welcome Jerusalem“ im Jüdischen Museum Berlin Quelle: epa

heute.de: Ihre neue Themenausstellung "Welcome to Jerusalem" widmet sich den vielfältigen Herausforderungen Jerusalems. Inwiefern wird darin auch die Vorstellung des US-Präsidenten Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, aufgegriffen?

Cilly Kugelmann: Im Raum "Nächstes Jahr in Jerusalem" gibt es eine lange Pinnwand, auf der Artikel aus der aktuellen Berichterstattung rund um Jerusalem angebracht sein werden. Dort befinden sich bereits erste Artikel zur derzeitigen politischen Lage und zum Entschluss Donald Trumps, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Außerdem werden aktuelle Bezüge auch im Begleitprogramm zur Ausstellung aufgegriffen. Hier bemühen wir uns, möglichst vielfältige Veranstaltungen anzubieten, sowohl mit israelischen als auch palästinensischen Teilnehmern.

heute.de: Was löst Ihrer Ansicht nach Donald Trumps Ankündigung aus?

Kugelmann: Man muss es klar sagen: Donald Trump wird mit dieser Ankündigung eine dritte Intifada auslösen. Es wird zunehmend Attentate und Gewalt geben und am Ende werden die Israelis die Rechnung bezahlen.

heute.de: Welche Zukunft sehen Sie für Jerusalem als eine Stadt, die seit fast einem Jahrhundert Schauplatz des Nahost-Konflikts ist?

Kugelmann: Jerusalem ist zwar seit einem Jahrhundert Schauplatz des Konflikts, aber man darf darüber nicht vergessen, dass diese Stadt schon 5.000 Jahre alt ist. Es gibt unterschiedliche Ansätze, wie der auf Jerusalem projizierte Nahost-Konflikt zu lösen ist, die keine der beiden Seiten annehmen will. Das heißt aber nicht, dass die Stadt zugrunde geht. Sie wird noch viele weitere Jahrhunderte bestehen, da bin ich mir sicher.

heute.de: Welches Bild von Jerusalem will die Ausstellung in den Köpfen der Besucher erzeugen?

Kugelmann: Die Ausstellung will die Komplexität, Widersprüchlichkeit und Schönheit der Stadt in möglichst vielfältiger Weise abbilden. Wir hoffen, dass die Bilder, die die Menschen in den Köpfen haben, durch den Besuch noch bunter und vielfältiger werden.

heute.de: In einem der zehn thematischen Kapitel der Schau widmen Sie sich auch dem Alltag in Jerusalem und zeigen, dass die Stadt mehr ist als nur Konflikt. Welches sind die besonderen Reize der Stadt?

Kugelmann: Zum einen sind das natürlich die Heiligtümer und die vielen Touristengruppen, die zum Teil singend durch die Stadt ziehen und eine ganz besondere Atmosphäre schaffen. Dazu kommt das ganz besonders helle und klare Licht, in das die Stadt oft getaucht ist. Vor allem aber ist es dieses besondere Gefühl, dass man in einer Stadt steht, die zu den ältesten auf dieser Erde gehört und in der Weltgeschichte geschrieben wurde.

heute.de: Welches Detail an Jerusalem hat auch Sie selbst noch überrascht?

Kugelmann: Auch ich muss mir immer wieder vor Augen führen, dass Jerusalem schon immer eine Touristenstadt war und dies ihr wichtigster Wirtschaftsfaktor ist. Die Touristenströme haben aus Jerusalem aber auch eine Stadt mit unzähligen Hotels gemacht.

heute.de: Welches ist Ihr Lieblingsplatz in der Stadt, was macht diesen aus?

Kugelmann: Es war das Kino "Zion" am Zionsplatz in Westjerusalem. Das Kino gibt es leider nicht mehr. Hier sind wir in den 60er Jahren jeden Freitag um 14 Uhr ins Kino gegangen, bevor der Schabbat begann. Unter großem Gejohle der Zuschauer wurden Western gezeigt. Damit wurde das Ende der Woche gefeiert und dann wurde alles geschlossen. Den Zionsplatz gibt es noch, aber ohne das Kino ist er für mich nicht mehr das, was er mal war.

Das Interview führte Michael Kniess

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.