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Australien beruft 3.000 Reservisten ein

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Verheerende Buschbrände - Australien beruft 3.000 Reservisten ein

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Tausende Menschen fliehen vor den Buschbränden in Australien. Hitze und Winde erschweren den Kampf gegen die Flammen. Die Regierung zieht nun 3.000 Reservisten heran.

Extreme Hitze und starke Winde erschweren den Kampf gegen die anhaltenden Brände. Die Zahl der Todesopfer steigt auf 23. Zur Feuerbekämpfung unterstützen nun 3000 Reservisten der Streitkräfte die Feuerwehr. Neue Kritik gibt es am Regierungschef.

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Der australische Premierminister Scott Morrison hat momentan bei einigen Australiern keinen guten Stand. Als er am Freitag die halb zerstörte Stadt Cobargo besuchte, wurde er ausgebuht. Eine weinende Schwangere und ein freiwilliger Feuerwehrmann weigerten sich, Morrison die Hand zu geben. Schließlich machte der Premier kehrt, die Bewohner riefen ihm Beschimpfungen hinterher.

Der Regierungschef steht so heftig in der Kritik, weil er zunächst in den Urlaub nach Hawaii geflogen war, während sein Land in Flammen stand. Jetzt hat er angekündigt, dass 3.000 Reservisten der Streitkräfte mobilisiert werden sollen. "Die heutige Entscheidung bringt mehr Füße auf die Erde, mehr Flugzeuge in die Luft, und mehr Schiffe auf See", sagte der Premierminister.

Üblicherweise werden Australiens Streitkräfte nicht im Inland eingesetzt.

Australiens Armee unterstützt den Einsatz gegen die Buschbrände bereits seit Monaten mit rund 2.000 Soldaten. Laut Verteidigungsministerin Linda Reynolds sei es nun allerdings das erste Mal in der Geschichte des Landes, dass Reservisten zum Einsatz verpflichtet werden. "Die Regierung hat diese Entscheidung nicht leichtfertig gefällt", betonte die Verteidigungsministerin.

Die Polizei teilte unterdessen mit, dass ein Buschbrand den Flinders-Chase-Nationalpark auf der Känguru-Insel nahezu zerstört habe. Zwei Menschen seien ums Leben gekommen, als die Flammen auf ihr Auto übergegriffen hätten. Sie seien noch nicht identifiziert worden. Insgesamt sind seit September mindestens 21 Menschen bei den Buschbränden ums Leben gekommen. Mehr als 5,5 Millionen Hektar Land gingen in Flammen auf - mehr als die Fläche Dänemarks.

Wissenschaftler schätzen, dass Hunderte Millionen Tiere gestorben sind

Rettungskräfte versorgen einen geretteten Koala ; Australien; 21.11.2019
Fast eine halbe Million Tiere sollen durch die Feuer getötet worden sein.
Quelle: Paul Sudmals via Reuters

Die Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt des Kontinents sind verheerend. Experten schätzen, dass allein in dem besonders betroffenen Bundesstaat New South Wales bereits fast eine halbe Milliarde Tiere in den Flammen ums Leben gekommen sind.

Bilder von geretteten Koalas, die gierig Wasser aus von Helfern gehaltenen Flaschen trinken und von hilflos in verkohlten Wäldern herumirrenden Kängurus sind in den vergangenen Wochen um die Welt gegangen. Eine am Freitag veröffentlichte Studie der Universität von Sydney schätzt die Zahl der seit September im Staat New South Wales verendeten Tiere auf 480 Millionen - wobei es sich um eine "sehr zurückhaltende" Kalkulation handelt, wie die Autoren betonen. Die wahre Zahl könne noch "bedeutend höher" liegen.

Unberührte "Flammen-Inseln" könnten Tiere retten

Wie die Zukunftsaussichten für die Tier- und Pflanzenwelt sind, wenn die Brände endlich gelöscht sind, ist noch völlig unklar. Studien zeigen, dass Buschbrände sich nicht gleichmäßig über die Landschaft ausbreiten, sondern es in Brandgebieten immer wieder von den Flammen unberührte "Inseln" gibt. "Es sind diese unberührten oder weniger betroffenen Gebiete, in die sich Tiere flüchten, wenn sie es dorthin schaffen", sagt der Biologe Beattie. Falls es genug solcher "Inseln" gebe und sich die äußeren Bedingungen rasch verbesserten, gebe es Hoffnung, dass die Wälder und Buschgebiete sich wieder erholen können.

In den australischen Bundesstaaten New South Wales und Victoria mussten wegen der verheerenden Buschbrände mehrere Städte evakuiert werden. Tausende Menschen sind auf der Flucht.

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Die Zukunft der am schwersten verbrannten Gebiete hängt nach Beatties Worten von Faktoren wie dem Niederschlag und dem Klima in den kommenden Monaten ab. Es könne bis zu 40 Jahre dauern, bis die Habitate wiederhergestellt seien.

Politik in der Kritik

Der Umgang der australischen Regierung und insbesondere von Premierminister Scott Morrison mit der Brandkatastrophe steht auch bei Wissenschaftlern in der Kritik. Die Reaktion der Regierung sei "bedauernswert langsam, und ihre Einstellung ist immer noch bedauernswert beiläufig", beklagt Beattie. "Da sitzen Politiker mit sehr geringen Kenntnissen in Umweltfragen, die die sich anbahnende Katastrophe deshalb nicht kommen gesehen haben."

Am Samstag verteidigte Premierminister Morrison seinen Umgang mit der Krise. Dem Vorfall mit den Bürgern in Cobargo wollte er keine größere Bedeutung beimessen. "In dieser Situation haben Menschen gemischte Gefühle", betonte er. Er habe bereits "viele Umarmungen" verteilt, fügte er hinzu.

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