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Deutscher Lehrerpreis - "Sie schwanken zwischen Freiheit und Ordnung"

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In Berlin werden heute Deutschlands beste Lehrer ausgezeichnet. Migration und Digitalisierung stellten sie vor enorme Herausforderungen, erklärt Lehrerausbilder Christoph Straub.

Der deutsche Lehrerpreis würdigt zum zehnten Mal besonders innovative Unterrichtskonzepte oder besonders engagierte Lehrer.

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heute.de: Herr Straub, was macht gute Lehrer aus?

Christoph Straub: Ein guter Lehrer ist zunächst jemand, der grundsätzlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten will und diese in ihrem Lernprozess begleiten möchte. Gute Lehrer sind sowohl Fachleute für das eigene studierte Fach als auch für das Lehren und Lernen.

heute.de: Hat sich der Lehrerberuf in den letzten Jahren gewandelt?

Straub: Kinder verändern sich, weil sich die Gesellschaft verändert. Ich kann die Kinder nicht mehr erreichen, wenn ich Methoden und Unterrichtskonzepte benutze, die vor 20 oder 30 Jahren modern waren. Außerdem sind Lehrer heute Teamplayer: Sie müssen mit Kolleginnen, Eltern, Sozialarbeitern und Schulpsychologen zusammenarbeiten

heute.de: Mittlerweile haben auch Grundschulkinder schon Smartphones. Wie geht die Schule mit neuen Herausforderungen wie der Digitalisierung um?

Straub: Ich denke, man kann die Medien nicht aus dem Unterricht verbannen. Dafür sind Tablets, Computer oder Handys im Kinderzimmer zu dominant. Lehrer müssen sich daher einerseits mit den Eltern über Grenzen und Gefahren der Mediennutzung austauschen. Anderseits sollten die Medien intelligent und den Kindern angemessen in den Unterricht integriert werden. Dabei geht es nicht nur um eine gute Ausstattung, sondern auch um sinnvolle didaktische Konzepte.

heute.de: Sie sind für die Ausbildung von Grundschullehrern zuständig. Wie streng dürfen Lehrer bei so jungen Kindern sein?

Straub: Kinder brauchen Lehrer, die für sie Vorbilder sind, die Begeisterung rüberbringen und Neugier vorleben. Aber Lehrer begleiten die Kinder auch im erzieherischen Bereich und müssen in der Lage sein, Grenzen zu setzen. Sie schwanken immer zwischen Freiheit und Ordnung. Die tatsächliche Ausrichtung hängt von der jeweiligen Situation, vom einzelnen Kind und der jeweiligen Lerngruppe ab.

heute.de: Die Grundschule ist der einzige Ort in unserer Gesellschaft, wo sich alle Schichten treffen. Wie schaffen es Lehrer, Kinder mit ganz unterschiedlichen wirtschaftlichen und kulturellen Hintergründen zu unterrichten?

Straub: Das ist eine riesige Chance, aber auch eine große Herausforderung. In einer Gesellschaft, die auseinanderdriftet, bietet die Grundschule die Chance, alle Kinder zusammenzubringen. Sie können hier gemeinsam Demokratie lernen: Diskussionen und Streits austragen, anderen Meinungen zuhören, einen eigenen Standpunkt vertreten und so soziales Verhalten einüben.

heute.de: Und die Herausforderungen?

Straub: Die Lehrkräfte müssen mit Eltern aus ganz unterschiedlichen sozialen Milieus umgehen und sie mit ihren Hintergründen und Prägungen akzeptieren. Viele Lehrkräfte kommen aus der bürgerlichen Mitte und waren vielleicht noch nie mit anderen Milieus konfrontiert. Da ist der beste Weg, das Kind in den Mittelpunkt zu stellen und nicht sofort Wertungen auszusprechen.
Das andere ist, dass hier Kinder, die beispielsweise noch kein Deutsch sprechen, auf Kinder treffen, die bereits lesen und schreiben können. Hier muss die Schule allen Kindern ermöglichen, ihr Potential bestmöglich zu entfalten.

heute.de: Was wird sich in den kommenden Jahren in den Schulen verändern?

Straub: Ich glaube, dass uns die gesellschaftlichen Megatrends erhalten bleiben. Beim Thema Migration brauchen wir neue Konzepte, um Kinder und Jugendliche durch die Schule zu integrieren. Die Schule muss ihnen ermöglichen, sich als nützliche Teile unserer Gesellschaft zu empfinden. Auch die Berufsvorbereitung wird noch wichtiger werden. Schule muss den Kindern das ganze Feld der Berufe aufzuzeigen und nicht nur akademische Berufe vor Augen zu stellen.
Auch bei der Mediennutzung stehen wir noch am Anfang: Die Frage ist, wie digitale Medien sinnvoll in den Unterricht integriert werden können. Eine weitere Zukunftsaufgabe wird sein, die Inklusion, also die Teilhabe von Kindern mit Beeinträchtigung, Schritt für Schritt umzusetzen.

Das Interview führte Jonas Trembinski.

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