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Automobilausstellung IAA - Morgendämmerung der Mobilitätswende

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Zur Autoausstellung IAA gibt es viel Kritik. Denn die Zeichen stehen zwar auf Mobilitätswende, aber die kommt kaum voran. Wie ist der Stand der Dinge, und was müssten wir angehen?

Die Klimaerwärmung und neue Mobilitätsformen sind nur einige der Herausforderungen, denen sich die Auto-Industrie stellen muss. Bei der IAA muss sie sich auch Kritikern stellen.

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Wenn ein Autoboss einer Kritikerin zugesteht, "dass das Auto in der Stadt für die Mobilität ein schlechter Kompromiss ist", ist Einiges in Bewegung. Und doch hat Volkswagen-Chef Herbert Diess diesen Satz im Vorfeld der IAA gesagt. Getroffen hatte sich Diess mit der Autobranchen-Gegnerin Tina Velo. Über eine Stunde diskutierten beide in einem von der "taz" organisierten Streitgespräch über eigentlich unversöhnliche Standpunkte: Der Autobauer, der gewinnorientiert so viele Autos wie möglich unter die Leute bringen will auf der einen Seite. Die Auto-Gegnerin, die am liebsten sofort alle Autos aus den Städten verbannen will, auf der anderen.

Beobachter bescheinigen Autokonzernen ein Umdenken

"Die Entschiedenheit, mit der jetzt eine autofixierte Verkehrspolitik abgelehnt und der Vorrang anderer Verkehrsmittel gegenüber dem Auto gefordert wird, zeigt, dass sich Mobilitätskultur in einem Wandel befindet", sagt Konrad Götz gegenüber heute.de. Der Soziologe und Mobilitätsexperte am Institut für sozial-ökologische Forschung meint deswegen, dass die Mobilitätswende längst begonnen hat.

In der Tat ist die Diskussion über nachhaltige Formen der Mobilität seit der "Fridays for Future"-Bewegung mit voller Wucht auf die gesellschaftliche und politische Tagesordnung hierzulande gekommen. Auch bei den Autokonzernen sehen viele Beobachter ein Umdenken. So erwartet die Initiative "Agora Verkehrswende" in den kommenden fünf Jahren von den europäischen Autoherstellern insgesamt rund 300 elektrisch voll- oder teilbetriebene Fahrzeugvarianten.

"In der Autowirtschaft hat sich sehr viel getan in Richtung E-Mobilität", meint denn auch Christian Hochfeld, Direktor der Agora Verkehrswende. Der Thinktank der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation hat das Ziel, den Umbau zu einem klimafreundlichen und nachhaltigen Verkehrssystem zu fördern. "Wir stehen in der Dämmerung des Zeitalters der Elektromobilität."

FfF-Demo in Dortmund
Fridays for Future-Demo in Dortmund Anfang August.
Quelle: dpa

Vernetzte Mobilität und Stärkung des ÖPNV

Das allerdings kann man auch so verstehen: Dass wir erst ganz am Anfang, quasi in den frühen Morgenstunden eines nachhaltigen Verkehrszeitalters stehen. Denn die Zahl der in Deutschland zugelassenen Autos hat noch im vergangenen Jahr um gut eine Million zugenommen - auf sage und schreibe fast 65 Millionen Fahrzeuge, davon gut 47 Millionen Pkw. Und nur ein Bruchteil ist voll- oder teilelektrisch.

Allerdings beobachten Forscher wie Konrad Götz auch Veränderungen, was die Nutzung oder auch den Status von Autos angeht. So kommen in Berlin auf 1.000 Bewohner rund 350 Autos, in Stuttgart sind es zwischen 500 und 600 Pkw. "Früher verband man die Tatsache, dass jemand kein Auto hatte, mit einer niederen sozialen Lage. Nun haben bestimmte städtische Mittelschichten weniger Autos. Das zeigt, dass hier ein Wandel stattgefunden hat."

Auch die Tatsache, dass viele Mobilitätskonzepte mittlerweile per Smartphone und App vernetzt sind, sei ein großer Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Mobilität. Denn mit diesen Informationen ist es in den meisten Großstädten heute bereits problemlos möglich, ohne ein eigenes Auto auszukommen. Auf Städte bezogen aber sind sich die meisten Experten einig, was der wichtigste Baustein zu einem nachhaltigen Verkehrskonzept ist: die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs. Wenn die Menschen diesen nutzen können, ohne auf Fahrpläne achten zu müssen, weil Taktung und Verlässlichkeit gegeben sind, hätten sie den eigentlichen Anreiz, ihr Auto stehen zu lassen.

Diskussionen bei IAA und vor dem "Klimakabinett"

Die Agora Verkehrswende nennt im Wesentlichen drei Faktoren für das Gelingen einer Mobilitätswende: Eine CO2-Steuer und eine nach CO2-Ausstoß differenzierte KfZ-Steuer, ein massives Umlenken von Investitionen in Schiene und ÖPNV sowie eine Ladeinfrastruktur für E-Mobilität. Und mehr Freiraum für die Städte, die Verkehrswende vor Ort zu gestalten. In ländlichen Gegenden stellen sich die Herausforderungen noch einmal anders dar. Denn hier müsste individuelle Mobilität sich in Richtung CO2-Neutralität bewegen. Funktionierende Car-Sharing-Angebote und auch hier eine bessere Taktung öffentlicher Verkehrsmittel könnten Bausteine hin zu mehr Nachhaltigkeit sein.

Ein Zeichen aus Berlin schließlich wird planungsgemäß am 20. September erwartet. Denn da soll das so genannte "Klimakabinett" der Bundesregierung entscheiden, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, um die Klimaziele 2030 erreichen zu können. Denn die bisherigen Maßnahmen bei der Klima- und auch der Mobilitätswende - da sind sich eigentlich alle einig - reichen bei weitem nicht aus. Gerade deswegen werden die mahnenden und kritischen Stimmen in diesem Jahr die IAA in Frankfurt lautstark begleiten. Für nächstes Wochenende sind von vielen Umweltorganisationen große Demonstrationen geplant. Das Gespräch zwischen Volkswagen-Chef Diess und der Branchenkritikerin Tina Velo war in dieser Hinsicht nur ein vergleichsweise leiser Anfang.

Am Donnerstag beginnt in Frankfurt die IAA. Im Fokus steht die E-Mobilität. VW wird etwa als Weltpremiere den ID 3 präsentieren. Ist das der Durchbruch auf dem Automobilmarkt?

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