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Gipfel im Kanzleramt - Autobauer setzen auf Grün - notgedrungen

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Die deutschen Autobauer kommen zusammen, um über die Zukunft der Industrie zu sprechen. E-Mobilität ist Thema der Stunde. Das neuerliche Engagement hat vor allem einen Hintergrund.

Bei einem Treffen von Vertretern der Auto-Industrie mit Regierungsspitzen im Kanzleramt soll es um die Zukunft der Branche gehen. Die Autobauer suchen Unterstützung bei der E-Mobilität.

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Wurde den Autobauern in Deutschland noch bis vor zwei Jahren vorgeworfen, sie verschliefen die Elektromobilität, marschieren sie jetzt in Siebenmeilenstiefeln. Die Motivation für dieses Engagement ist vor allem betriebswirtschaftlich begründet, denn die von der EU festgelegten CO2-Grenzwerte sehen bis 2030 eine Reduktion des Schadstoffausstoßes um 37,5 Prozent vor. Wer diese Ziele mit seinen Flotten nicht erreicht, muss Strafe zahlen - in Millionenhöhe.

Mit Verbrennern sind diese Vorgaben für keinen Autobauer zu leisten, die Lösung: das E-Fahrzeug. Demnach müssen bei VW ab 2030 dann 40 Prozent der verkauften Fahrzeuge elektrisch fahren, bei BMW sogar 55 Prozent. Deshalb investieren die Autobauer in E-Mobilität, allen voran VW. Satte 30 Milliarden Euro nimmt der Konzern in die Hand.

Die Rahmenbedingungen fehlen

Noch ist das Angebot an deutschen E-Fahrzeugen überschaubar, doch das wird sich ändern. In den nächsten zwei Jahren will allein der VW-Konzern mehr als 30 E-Modelle auf den Markt bringen. Auch eine eigene Batteriefertigung in Salzgitter ist beschlossen. Außerdem baut VW an seinen Standorten etliche Ladesäulen, hat dazu Kooperationen mit anderen Unternehmen. In Berlin beispielsweise werden auf Lidl- und Kauflandparkplätzen 140 Ladesäulen installiert. Ähnliche Aktivitäten gibt es bei den anderen deutschen Autobauern.

Doch das reicht nicht. Die Wirtschaft, so die Kritik der Autokonzerne, könne die E-Mobilität nicht alleine stemmen. Vater Staat sei gefragt - und darum wird es bei dem Autogipfel am heutigen Montag in Berlin gehen. So fordert BMW-Chef Harald Krüger in einem Positionspapier, den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu forcieren. Das sei eine Grundvoraussetzung, um die E-Autos attraktiv für den Kunden zu machen.

"Die jüngsten Aussagen der Bundesminister Scheuer und Scholz, eine Milliarde Euro dafür zur Verfügung zu stellen, gehen zwar in die richtige Richtung", sagt Thomas Ulbrich, VW-Markenvorstand E-Mobilität. Aber es liege noch einiges im Argen. Zum Beispiel, dass es in Deutschland massive Einschränkungen etwa im Wohnungseigentumsgesetz oder der derzeitigen Gebäudeeffizienzrichtlinie gibt, die allesamt den Ausbau von Ladepunkten erschweren.

Elektromobilität durch Anreize fördern

Das E-Auto müsse den Kunden schmackhaft gemacht werden, zum Beispiel mit kostenfreien City-Parkplätzen. Und Kaufprämien sowie Steuervorteile könnten durch weitere Förderungen ergänzt werden, so die Vorschläge aus München. "Ein wesentlicher Hemmfaktor sind aber die hohen Stromkosten in Deutschland", erklärt BMW. Durch die Öko-Abgaben koste der Strom in Deutschland 75 Prozent mehr als in Frankreich. Eine Idee: Ladestrom von der EEG-Umlage zu befreien.

VW-Manager Ulbrich fordert darüber hinaus einen schnelleren Ausbau der regenerativen Energien: "Beim derzeitigen Energiemix hierzulande würde es dem Klima nichts nutzen, wenn VW nur noch E-Fahrzeuge verkaufen würde." Denn zusätzlicher grüner Strom für mehr E-Fahrzeuge kann derzeit nicht produziert werden. Es bleibt die Verstromung von Kohle und Gas, das letzte Atomkraftwerk geht 2022 vom Netz.

Eine Industrie im Umbruch mit vielen Unwägbarkeiten

Beim Treffen der Regierungsvertreter, der Spitzen der deutschen Autoindustrie und Gewerkschaftern geht es auch um Arbeitsplatzabbau. Denn die E-Fahrzeugproduktion ist mit weniger Personal zu stemmen als bei den Verbrennern.

China gibt derzeit den Takt bei der E-Mobilität vor, die anderen Länder hecheln noch hinterher. "In Deutschland sind wir vielleicht nicht immer die Schnellsten, aber wir haben häufig genug bewiesen, dass wir die Stärksten sein können", motiviert VW-Mann Ulbrich. Das gilt es zu beweisen. Der Autogipfel könnte helfen.

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