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Teures Autofahren - Singapur: Nobelkarossen aus dem Automaten

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Während Deutschland über ökologisches Autofahren diskutiert, hat der Singapur andere Probleme - nirgends ist Autofahren so teuer wie in dem Stadtstaat. Was die Supercar-Freunde nicht abhält, durch die Metropole zu dröhnen. Autofahren um jeden Preis also.

Das Versagen der deutschen Autoindustrie

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Aus den Lautsprechern der verdunkelten Lounge wummert amerikanische Rap-Musik. Eine Duftmaschine versprüht Moschus. Im Empfangsraum von Gary Hong’s Luxusauto-Handel wird nichts dem Zufall überlassen. Kein Wunder. Gary’s Kunden sollen tief in die Tasche greifen. Wer sich bei ihm - per Klick auf einen schwarzen Touchscreen übrigens - zwischen Aston Martin, Lamborghini oder Ferrari entscheidet, hat es geschafft: Teurer als in Singapur, so das Wirtschaftsmagazin Forbes, sind Autos nirgendwo sonst in der Welt.

Luxus auf Rädern auf 15 Stockwerken

Agus Anwar entscheidet sich heute für ein einen himmelblauen Klassiker: Porsche Carrera, Baujahr 92. Der Autoliebhaber ist Stammkunde bei Gary’s "Autobahn Motors". Einem, zugegeben, eher unkonventionellen Autohaus: 15 gläserne Stockwerke formen einen gigantischen Verkaufsautomaten - aus dem statt Limo-Dosen oder Zigarettenschachteln, ja genau, Luxuskarossen kommen. Agus‘ Porsche jedenfalls kommt nun per Aufzug hinab - bevor er ihm, selbstverständlich perfekt ausgeleuchtet, auf einer Drehscheibe präsentiert wird.

Da beschleunigt wohl der Herzschlag eines Autofans. Und das soll er ja auch. "Wir präsentieren unsere Wagen wie auf einem Schönheitswettbewerb", erklärt Gary sein Konzept. "Mir ist klar geworden, dass es auf diese Weise viel einfacher ist, die Kunden zu überzeugen." Sein fast 50 Meter hohes, vollautomatisches Autohaus hat der Geschäftsführer, gemeinsam mit seinen Brüdern, selbst entworfen. Und nach eigener Angabe brummt der Laden, seit der Eröffnung 2016: "30 Prozent mehr Verkäufe als vorher", erklärt Gary stolz. Das lohnt sich.

Statussymbol Nummer Eins

Denn ein Auto in Singapur ist teuer. Verdammt teuer. Und deswegen dürfte es in keinem anderen Land ein solches Statussymbol sein wie hier: Dank der Luxus-Steuer im Inselstaat kann sich der Kaufpreis eines Neuwagens durchaus verdoppeln, erklärt Autoverkäuferin Cheryl Ho. Sie steht im schicken Mercedes Center der Stadt - und lächelt verlegen, als sie mit uns durch die Preisliste geht. "Zum Beispiel diese Mercedes E-Klasse hier kostet etwa eine Viertelmillion Singapur Dollar." Umgerechnet sind das 155.000 Euro. Eine Summe, die nicht verwundert - geben die Singapurer doch schon für einen Toyota Corolla etwa 70.000 Euro aus. "Es ist ein Statussymbol", weiß Cheryl. "Viele Leute hier streben danach, ein gutes Auto zu besitzen."

"Ein Auto zu besitzen ist nirgendwo sonst auf der Welt so teuer wie bei uns." Professor Lee Der-Hong ist Verkehrsexperte an der National University in Singapur. "Singapur ist ein Stadtstaat, wir haben nicht viel Platz, das gilt auch für unsere Straßen. Auf der anderen Seite ist unsere Wirtschaftskraft im Vergleich zu anderen Ländern sehr hoch." Und so ist in Singapur eben Geld das Mittel der Wahl, einen Dauerstau zu verhindern.

Zulassung nur per Auktion

Denn zum Anschaffungspreis kommen die teuren - und raren - Zulassungen, die in einer Art Auto-Poker zweimal monatlich per Auktion vergeben werden. Bis zu 75.000 Euro können die kosten, begrenzt für zehn Jahre. So kontrolliert der kleine Inselstaat streng, wie viele PKW jährlich auf die Straßen dürfen. Mit Erfolg. "In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der Fahrzeuge auf unseren Straßen zurück gegangen", erklärt Der-Hong. Parkgebühren sind astronomisch hoch - und in der gesamten Innenstadt wird an elektronischen Maut-Brücken kassiert.

Nur gut 550.000 Privatautos fahren zurzeit durch die Stadt. Und im Vergleich zu vielen anderen asiatischen Metropolen, in denen der Weg von Flughafen zur Innenstadt schon einmal mehrere Stunden dauern kann, fließt der Verkehr in Singapur tatsächlich. Auch dank eines gut ausgebauten Bahn- und Busnetzwerkes. Dennoch fällt es auf, wie viele Luxus- und Sportwagen das Stadtbild prägen. Denn die Verkehrssteuerung durch hohe Gebühren hat eben auch Nachteile. "Die hohen Preise machen das Verlangen, ein Auto zu besitzen, nur stärker", so Verkehrsexperte Der-Hong.

Hohe Millionärsdichte

"Ein teures Auto zu besitzen macht deinen Status in der Gesellschaft deutlich: Die anderen konnten es sich nicht leisten - aber Du kannst und willst es Dir leisten", erklärt Der-Hong den automobilen Drang. Und wer für einen Sportwagen eine knappe Million Euro ausgibt, dem werden Mautgebühren und teure Zulassungen wohl tatsächlich nicht wehtun.

Zumal die Voraussetzungen für die kostenaufwändige Mobilität besser sind als in vielen anderen Regionen: Vergangenes Jahr gab es im kleinen Inselstaat 150.000 Millionäre, bis 2021 soll diese Zahl auf 185.000 steigen. Singapurs reiche Supercar-Fans kann der teure Unterhalt also nicht abhalten. Auch, wenn die Regierung den Fahrspaß bremst: Die Höchstgeschwindigkeit im Grand Prix-Gastgeberland liegt bei 90 Stundenkilometern.

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