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Shanghai Auto Show - China steht für "die Mobilität von morgen"

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In Shanghai startet heute die Automesse, auch für deutsche Hersteller ist sie ein Muss. China ist weltweit mittlerweile der wichtigste Absatzmarkt für Autos - und setzt Maßstäbe.

Autoverkehr in Shanghai
Verkehr in Shanghai: In China wurden im vergangenen Jahr 23 Millionen Autos verkauft.
Quelle: imago

"Dieses Land setzt die Maßstäbe für alle anderen." Diese Einschätzung kommt von Volkswagen-Chef Herbert Diess, gemeint ist China. Zwar darf man seine Worte auch als Verbeugung vor dem gastgebenden Land anlässlich der Automesse in Shanghai verstehen. Doch die Bedeutung des chinesischen Marktes für die globale Autoindustrie und speziell für Volkswagen ist kaum zu unterschätzen: China ist schlicht der größte Automobilmarkt weltweit.

Erhebliche Bremsspuren bei Autoverkäufen in China

Im vergangenen Jahr wurden dort mehr als 23 Millionen Fahrzeuge verkauft. Zum Vergleich: In der Autonation Deutschland lagen die Neuzulassungen 2018 bei 3,44 Millionen Fahrzeugen. Volkswagen verkauft mittlerweile fast 40 Prozent seiner Autos weltweit in der Volksrepublik. Damit ist andererseits aber auch klar: Sollte die Nachfrage am chinesischen Automarkt spürbar zurückgehen, ist ein Konzern wie Volkswagen auch stark betroffen.

Und der chinesische Automarkt zeigt erhebliche Bremsspuren. So rechnet das Center of Automotive Management (CAM) der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach für das laufende Jahr mit einem Rückgang von fünf Prozent. Bereits im vergangenen Jahr sind die Autoverkäufe in China gesunken - und zwar zum ersten Mal seit über 20 Jahren.

Strafzölle und konjunktureller Gegenwind in China

Die Schwäche am chinesischen Automarkt hat unterschiedliche Ursachen. Eine zentrale Rolle spielt der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Als die Regierung in Peking die Strafzölle auf Autos aus den USA zeitweise auf 40 Prozent erhöhte, senkten Daimler und BMW umgehend ihre Umsatz- und Gewinnprognosen.
Denn BMW und Daimler produzieren einen Teil der Geländewagen für den Export nach Fernost in ihren Werken in den USA. Zwar hat die chinesische Staatsführung die Strafzölle zu Jahresbeginn wieder auf 15 Prozent gesenkt. Der Handelsstreit aber hängt nach wie vor wie ein Damoklesschwert über den deutschen Autobauern - zumal die USA auch mit Strafzöllen auf europäische Autos gedroht haben.

Vorbereitungen für die Shanghai Auto Show: Stand von Mercedes
Die Automesse in Shanghai ist auch für deutsche Autobauer sehr wichtig. Volksagen verkauft fast 40 Prozent seiner Autos in China.
Quelle: Reuters

Zum anderen hat die Regierung in Peking steuerliche Vergünstigungen für den Autokauf auslaufen lassen. Die Autoindustrie kann nur darauf hoffen, dass Peking eine neue Variante der Förderung auflegt. Denn die vergangenen Vergünstigungen etwa für den Neukauf von Elektroautos hatten noch einen anderen Nebeneffekt: So haben viele Chinesen den Autokauf vorgezogen. In der Folge ist auch hierdurch nun eine Nachfragedelle entstanden. Schließlich stottert der Wachstumsmotor China ohnehin - die Regierung hat für das Jahr 2018 das schwächste Wachstum seit drei Jahrzehnten ausgewiesen.

Hohe Risiken für Autobauer, wenn China schwächelt

Dass China bei wirtschaftlichen Problemen entschieden gegensteuern kann und auch dazu bereit ist, hat das Land mehrfach bewiesen. Anfang April wurde in China der Mehrwertsteuersatz um drei Prozentpunkte gesenkt. Volkswagen-Vertriebschef Jürgen Stackmann sprach in Shanghai von einer Belebung des Marktes, es sei aber "noch keine Goldrauschstimmung".

Stefan Bratzel, der Direktor des CAM-Forschungsinstituts, sieht die Lage insgesamt etwas kritischer. Zwar hätten die deutschen Hersteller in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich vom Wachstumsmarkt China profitiert. "Allerdings zeigen sich jetzt auch die hohen Risiken,  wenn dieser Absatzmarkt in Turbulenzen gerät."

Sinkende Gewinne in China

Und das gilt eben nicht nur für Volkswagen, sondern auch für die anderen Hersteller. BMW setzt 26 Prozent seiner Autos in China ab, Daimler 23 Prozent. Bei Audi sind es - ähnlich wie bei der Konzernmutter Volkswagen - sogar rund 37 Prozent. Dabei zeigt sich ein Unterschied zwischen den Premiumherstellern und dem Massenhersteller Volkswagen: Während Daimler und Audi ihre Verkäufe in China zu Jahresbeginn noch leicht steigern konnten, schlägt bei Volkswagen nach Berechnungen von Bratzel und seinen Kollegen bereits ein Minus von knapp sieben Prozent zu Buche.

Ein stärkerer Rückgang der Autoverkäufe in China wiederum würde die Autobranche vor noch ein anderes Problem stellen. Denn die Hersteller müssten dann trotz rückläufiger Absätze ihre Investitionen in Zukunftstechnologien stemmen. "Dies wird in den nächsten Jahren zu deutlich niedrigeren Gewinnen und Renditen im chinesischen Markt führen", meint Stefan Bratzel.

China wichtigster Markt für Elektroautos

Mit Zukunftstechnologien sind derzeit vor allem batteriebetriebene Elektroautos gemeint. Und auch hier gibt China den Takt vor. "China steht für die großen Themen der Mobilität von morgen", sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. "Das Batterie-elektrische Auto hat in China seine Heimat, selbst wenn Tesla in Kalifornien sein Headquarter hat."

Denn China steht beim Verkauf von Elektrofahrzeugen unbestritten an erster Stelle auf der Welt. Nach Berechnungen von Dudenhöffer werden 56 Prozent aller Elektrofahrzeuge im Reich der Mitte verkauft. Auch Batterien produzieren zu einem erheblichen Teil chinesische Firmen. 35 Prozent aller weltweit für die Autoindustrie produzierten Batteriezellen stammen von den zwei chinesischen Konzernen CATL und BYD. "Das Auto von morgen ist ohne China schlicht nicht vorstellbar", meint Duddenhöffer.

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