Autonomes Fahren: Deutsche suchen Anschluss

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Mobilität - Autonomes Fahren: Deutsche suchen Anschluss

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Ein VW-Vorstand sieht im autonomen Fahren kein Geschäftsmodell. Das verwundert, da Daimler und BMW gerade eine Allianz schmieden. Hat VW den Anschluss verpasst?

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Quelle: Federico Gambarini/dpa

Frühestens in fünf Jahren werde es Roboterautos geben. Wegen der hohen Kosten seien sie aber kein funktionierendes Geschäftsmodell, denn: Fahrerlose Autos seien komplex wie eine Marsmission. "Es ist einfach zu teuer", fasst der zuständige Vorstand für Nutzfahrzeuge bei Volkswagen, Thomas Sedran, seine Bedenken auf dem Genfer Autosalon zusammen.

Risiko, den Anschluss zu verlieren

Google und China investieren stark in Roboterautos. Da ist das Risiko hoch, dass man den Anschluss verliert.
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer

Das erstaunt angesichts der Tatsache, dass erst vor wenigen Tagen zwei Erzrivalen der Branche eine Allianz geschmiedet haben - just in diesem Bereich. Denn autonomes Fahren verbuchen Experten gemeinhin unter der Kategorie Zukunftstechnologie. Deswegen wollen Daimler und BMW in diesem Bereich aufholen und haben sich aufgrund der notwendigen hohen Investitionen zusammengeschlossen. "Mich verwundert, dass Volkswagen sich in dieser Hinsicht nicht mit Daimler und BMW zusammen tut", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. "Google und China investieren stark in Roboterautos. Da ist das Risiko hoch, dass man den Anschluss verliert".

So gesehen schwingt in den Aussagen des Nutzfahrzeug-Vorstandes wohl auch Verzweiflung mit, dass man in diesem Bereich nicht vorne mitfahren kann. In der Tat hatte bereits VW-Chef Herbert Diess eingestanden, dass die Google-Tochter Waymo bis zu zwei Jahre Vorsprung beim Thema autonomes Fahren habe. Trotzdem wird es gerade im Bereich von Lkw, also Nutzfahrzeugen, noch einige Zeit dauern, bis selbstfahrende Brummis auf die Straßen kommen - und sich für die Firmen auch lohnen.

Hohe Investitionen – auch in autonomes Fahren

"Bei Nutzfahrzeugen profitieren die Kunden der Lkw-Hersteller erst, wenn die Fahrer tatsächlich komplett wegfallen", sagt Auto-Analyst Tim Schuldt von der Investmentbank Pareto Securities. "Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg". Um dorthin zu kommen, investieren die Autobauer aktuell und in den kommenden Jahren enorm in die Zukunftsfelder Elektromobilität, autonomes Fahren, Mobilitätsdienste und Digitalisierung.

So plant allein Volkswagen in Sachen Zukunftstechnologien bis 2022 insgesamt 44 Milliarden Euro ein. Gut 30 Milliarden davon fließen in Elektromobilität. Dass die Wolfsburger auch das Thema autonomes Fahren nicht einfach links liegen lassen, zeigt sich nicht zuletzt an einer Personalie. So hat der Konzern erst zu Beginn des Jahres Alexander Hitzinger abgeworben - ehedem Top-Manager beim US-Technologiegiganten Apple. Der soll nun als Markenvorstand für Technische Entwicklung bei Volkswagen auch das Zentrum autonomes Fahren aufbauen.

Fahrassistenten lassen sich als Komfort verkaufen

Daimler hatte zu Jahresbeginn angekündigt, bis 2025 einen hochautomatisierten Lastwagen auf die Straßen zu bringen, der in abgegrenzten Bereichen allein agiert. Den ersten teilautomatisierten Lastwagen will Daimler bereits in diesem Jahr in den USA einführen.

In der Tat gibt es eine weitere Differenzierung beim Thema autonomes Fahren; es existiert nämlich hinsichtlich der Profitabilität des Geschäftsmodells ein grundlegender Unterschied zwischen Nutzfahrzeugen und gewöhnlichen Pkw. Während Nutzfahrzeuge sich erst dann für die Unternehmenskunden rechnen, wenn sie komplett autonom fahren und die Unternehmen dadurch die Personalkosten stark minimieren können, ist das bei gewöhnlichen Autos anders. Denn hier kaufen sich die Kunden bereits bei Fahrassistenten, die nur teilautomatisch das Fahren erleichtern, Bequemlichkeit ein. "Diese Features lassen sich als Komfort verkaufen, für den die Leute auch bereit sind, Geld zu zahlen", sagt Tim Schuldt.

"Mars-Mission" autonomes Fahren hat bereits begonnen

So gesehen hat der Nutzfahrzeug-Vorstand in Wolfsburg recht: Vollautonomes Fahren wird noch einige Jahre auf sich warften lassen und ist im Bereich der Nutzfahrzeuge auch noch für lange Zeit kein profitables Geschäftsmodell für Konzerne wie Volkswagen. Allerdings werden Roboterautos - Stand jetzt - in Zukunft kommen. Die "Mars-Mission" dorthin mag teuer sein. Doch Unternehmen wie Google und Länder wie China sind in der Planung und Umsetzung schon weit vorangeschritten. Die deutschen Autobauer müssen sich anstrengen, den Anschluss zu halten.

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