Viele arme Kinder schaffen Ausstieg aus Armut

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Langzeitstudie zu Kindheitsarmut - Viele arme Kinder schaffen Ausstieg aus Armut

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Der Übergang ins Erwachsenenleben ist für Kinder, die in Deutschland in Armut aufwachsen, ein wichtiger Scheideweg. Das geht aus einer Langzeitstudie der AWO hervor.

Kinderarmut in Deutschland
Quelle: dpa

Jedes dritte Kind, das in einer einkommensarmen Familie aufwächst, lebt auch 20 Jahre später als junger Erwachsener noch in materieller Armut. Das geht aus einer Langzeitstudie der Arbeiterwohlfahrt (AWO) hervor. So gelinge es aber auch zwei Dritteln der jungen Menschen, die Armut hinter sich zu lassen. Die Chance komme allerdings für jeden zweiten Jugendlichen erst mit dem Verlassen des Elternhauses.

Ausbildung und Unterstützung spielt große Rolle

Eine wichtige Rolle spielt der Studie zufolge, ob die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen wird. Junge Menschen, die aktuell oder in ihrer Kindheit mit Armut in Berührung gekommen sind, hätten jedoch mehr Schwierigkeiten beim Einstieg ins Berufsleben. Dies äußere sich etwa darin, dass sie länger brauchten, um eine Ausbildung abzuschließen oder sich in den Arbeitsmarkt einzufügen.

Die Studienautoren warnten aber davor, dass eine "Reproduktion von Armut" möglich sei. So waren zum Beispiel Studienteilnehmer, die bereits als junge Erwachsene selbst eine Familie gründeten, überdurchschnittlich häufig arm. AWO-Chef Wolfgang Stadler sagte, der Übergang ins Erwachsenenalter sei ein Scheideweg. Wenn es an dieser Stelle passende Unterstützung und ein funktionierendes soziales Netz gebe, stiegen die Chancen der Betroffenen, der Armut zu entkommen.

AWO fordert "nachhaltige Armutsprävention"

Unter den Studienteilnehmern, die in einkommensarmen Familien aufwuchsen, liegt der Anteil derer, die auch als junge Erwachsene in Armut leben bei 36 Prozent. Kinder, die nicht in einer armutsgefährdeten Familie groß werden, kommen hingegen auch später kaum mit Armut in Berührung. Knapp 70 Prozent hatten der Untersuchung zufolge zu keinem Zeitpunkt materielle Not erlebt.

Die Arbeiterwohlfahrt schließt aus den Befragungen, dass es keinen Automatismus gebe, der von einer Kindheit in Armut zu Armut im Erwachsenenalter führe. Wenngleich sich dieses Phänomen auch zeigte. Die AWO forderte eine Sozialpolitik, die sich auf "nachhaltige Armutsprävention" konzentrieren und sich nicht auf nachträgliche Bekämpfung von Armutsfolgen beschränken solle. Wiederholt wurde in diesem Zusammenhang auch die Forderung nach einer Kindergrundsicherung, in der alle staatlichen Leistungen für Kinder unbürokratisch zusammengefasst werden.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen von Armut bedroht

In Deutschland leben nach Angaben des Statistischen Bundesamts von 2018 ungefähr 13 Millionen Kinder und Jugendliche. Rund 15 Prozent - also 2 Millionen davon - sind von Armut bedroht. Sozialverbände sprechen von bis zu 3 Millionen. Armut wird in Deutschland über das Haushaltseinkommen und die daraus folgenden Möglichkeiten an gesellschaftlicher Teilhabe definiert. Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, gilt als armutsgefährdet.

Essen für sozial schwacher Kinder in Bremerhaven
Quelle: dpa

Die Langzeitstudie im Auftrag der AWO wurde vom Frankfurter Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik durchgeführt. Sie verfolgt seit 20 Jahren die Lebensläufe von mehreren hundert Kindern, die Kindertagesstätten der AWO besucht haben. Sie sind inzwischen 25 bis 26 Jahre alt. Sie und ihre Eltern wurden in regelmäßigen Abständen befragt.

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