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Neues Album "DNA" - Everybooooody - yeee-aahh!

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Die Backstreet Boys bringen heute ihr inzwischen neuntes Album heraus. Als Fan der ersten Stunde wird unsere Autorin "DNA" kaufen. Die Gründe haben sich geändert. Eine Zeitreise.

Archiv: Backstreet Boys, aufgenommen am 07.06.2018 in Nashville
Seit einem Vierteljahrhundert sind die fünf Jungs aus Florida im Geschäft. Nun steht ihre nach eigenen Angaben größte Tour seit 18 Jahren an. Im Gepäck: das Album "DNA".
Quelle: dpa

Da ist es, "DNA", das inzwischen neunte Album in über einem Viertel-Jahrhundert Backstreet Boys. 1993 in Orlando, Florida von Lou Perlman zusammengeführt, feierten Nick Carter, Brian Littrell, A.J. McLean, Howard Dorough und Kevin Richardson ab 1995 riesige Erfolge in Deutschland und vielen Teilen der Welt. Mit insgesamt über 130 Millionen verkauften Tonträgern gelten sie inzwischen als erfolgreichste Boygroup der Welt. Eine, die sich in der ganzen Zeit nie wirklich trennte und auch untrennbar mit meinem Leben verknüpft ist.   

Herbst 1995: Hin und weg

Die Wände meines Teenie-Zimmers sind mit "Caught in the Act"-Postern tapeziert - noch. Denn kurz darauf muss "Love is everywhere" im CD-Player dem ersten Album einer Gruppe weichen, die ich um einiges cooler finde, als das babygeölte, holländisch-britische Quartett: Die Backstreet Boys. Ich bin 13, die "Bravo" ist Pflichtlektüre und ihr Heimatland Amerika genauso fern, wie jeglicher Gedanke ans Internet. Sind die cool! Und singen können sie, tanzen sowieso und wie! Ich bin hin und weg - genau wie meine jüngere Schwester. Großartige Querelen, wer wen am besten findet, gibt es nicht. Meine Schwester schwärmt für Nick, ich gehöre zur "Brian-Fraktion". Punkt. Ganz so, als würde man sich für eine Lieblingsfarbe oder ein Haustier entscheiden. Du die Katze, ich den Hund. Fertig. "We’ve got it going on!"

Archiv: Backstreet Boys, aufgenommen am 06.11.1997 in Rotterdam
In Rotterdam bekommen die Backstreet Boys im November 1997 den MTV Europe Music Award. Kevin Richardson, Howie Dorough, Brian Littrell, Nick Carter und A.J. McLean (v.l.).
Quelle: dpa

Mysterium: Fan-Liebe

Wer selbst nie für einen Künstler geschwärmt hat, wird diese Leidenschaft, diese Begeisterung, mit der man jeden Schritt und Tritt seines Idols verfolgt, nur schwer nachvollziehen können. Mitglieder von Boygroups hatten damals was von Superhelden aus Marvel-Comics: Sie ließen sich schmerzfrei und risikoarm aus der Ferne anhimmeln, integrierten sich perfekt in das eigene kleine Leben, spielten ungefragt die Hauptrolle in zig Tagträumereien - und verlangten dafür im Gegenzug? Nichts!

Wie ungleich höher war da das Risiko einer Blamage auf dem Schulhof. "Richtige" Jungs aus der Parallelklasse mehr als gut zu finden, barg immer die Gefahr eines Desasters. Was, wenn Marc/Jochen/Holger einen doof fanden, es spitz kriegten und sich dann über einen lustig machten? Und mal ehrlich: Singen, geschweige denn, sich so rhythmisch bewegen wie die "Boys" aus Übersee konnten die sich auch nicht. Da war ein Fan-Dasein zwar eindeutig einseitiger, aber als hormonell instabiler Teenager viel einfacher zu handhaben. Eine Art Testlauf für ganz großes Gefühlsballett - mit Netz und doppeltem Boden.

Februar 1998: Ein Traum wird wahr

Archiv: Die Band "Backstreet Boys", aufgenommen am 22.08.1997 in Hannover
Auftritt der "Boys" im August 1997 in Hannover.
Quelle: dpa

21. Februar 1998: Ich feiere meinen 16. Geburtstag nicht irgendwo, sondern im Mekka der Backstreet Boys-Fans: Orlando, Florida. Mit meiner Gastfamilie, bei der ich seit einem halben Jahr lebe, bin ich von Columbia, South Carolina, extra gen Süden gefahren. Ein perfekteres Geburtstagsgeschenk hätte es für mich nicht geben können. Gefühltes Privatkonzert im legendären "House of Blues" mit "meinen" Jungs zum Greifen nah. Weil die große Erfolgswelle in Amerika erst noch schwappen sollte. Ich liebte sie - "As long as you love me!"

Das Aschenputtel-Prinzip

Egal ob Take That, Caught in the Act, Westlife, Boyzone, Worlds Apart oder die deutschen Varianten Touché oder The Boyz, zu denen kein geringerer als Mr. "Du bist vom selben Stern" Adel Tawil gehörte - ihre Magie speiste sich meist aus der Fantasie und der Hoffnung ihrer Fans, das Märchen durchaus Realität werden könnten. Schließlich hatte jeder der Jungs - egal welcher Combo - selbst ein Herz, aber - Überraschung - keine Freundin! Wo stand geschrieben, dass man selbst nicht die große Liebe sein konnte, die die Jungs immerzu besangen? Aschenputtel hatte es doch vorgemacht.

Sommer 2001: Gips in Concert

"Black & Blue" heißen Album und Tour - blau ist auch mein linker Arm - und zwar in Gips. Dumm gelaufen, aber kein Grund, nicht zum Konzert in Leipzig zu gehen. Dank runder Bühne mittendrin stehen wir in der ersten Reihe und Kevin plötzlich vor uns. "What happened?", fragt er und signiert wie selbstverständlich meinen lädierten Arm. Wow!

Mai 2005: Es gibt sie wirklich!

Archiv: Backstreet Boys, aufgenommen am 22.04.2013 in Hollywood
Backstreet Boys im April 2013 in Hollywood: A.J. McLean, Howie Dorough, Kevin Richardson, Nick Carter und Brian Littrell (v.l.)
Quelle: dpa

"Backstreet's back" - und auch wenn ich inzwischen Mitte 20 bin, ist die gleiche Euphorie direkt wieder am Start. Was sind schon zehn Jahre? Inzwischen lebe ich in Köln, schreibe für die dortige Tageszeitung - und treffe A.J. und Brian tatsächlich zum Interview.  Ein sehr surrealer Moment, der genau 20 Minuten dauert, mir sehr viel Selbstbeherrschung abverlangt und bei meiner Schwester fast darin resultiert, dass sie sich die Zunge abbeißt. Weil sie am Handy mithören, aber keinen Ton sagen darf. Ähnlich dem Albumtitel "Never gone" quatscht es sich mit ihnen wie mit alten Bekannten. Kein Wunder, wenn man über fast enzyklopädisches Wissen zu seinem Gegenüber verfügt. Mehr, als man über so manchen "echten" Freund sagen könnte.

"DNA" erscheint

Das neue Album - ich werde es mir wohl runterladen. Denn mit den Backstreet Boys verhält es sich für mich wie mit Brause-Ufos: Sie sind ein Stück schöne Kindheitserinnerung, ihre Songs sind der Soundtrack meiner Jugend. Ähnlich wie die Lieblingssüßigkeiten von einst, die man irgendwie leckererer in Erinnerung hat, schwingt beim Hören der neuen Songs jede Menge Nostalgie mit. Schön war die Zeit, herrlich unbeschwert, glasiert mit viel Zuckerguss und Herzchen in den Augen.

Inzwischen bin ich, sind die "Boys", erwachsen, lassen ihre Frauen und Kinder im Video mitspielen und werden nie wieder die gleiche Magie kreieren können wie vor über 20 Jahren. Weil aus einstigen Superhelden der Kinderzimmer "normale" Männer mit Falten, Bäuchlein und ausbleibendem Haarwuchs um die 40 wurden. Selbst "Nesthäkchen" Nick wird am 28. Januar schon 39. Verrückt!

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