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Bildung - Baden-Württemberg führt Schulfach Wirtschaft ein

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Wirtschaftsthemen sind in der Schule oft nur Beiwerk - und werden in Geschichte oder Geografie auch zu einseitig vermittelt, kritisieren Experten. Mit einem neuen Fach will Baden-Württemberg nun Abhilfe schaffen.

Sind unsere Schulen noch Bildungseinrichtungen? Harald Lesch mit einem kritischen Blick auf das deutsche Schulsystem.

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Für Schüler ist das alles Alltag: ein Handy, der Döner zum Mittag, ein Sparbuch zu Hause. Aber warum der Döner kostet, was er kostet? Warum ausgerechnet das Wunsch-Handy immer so teuer ist? Und ob Sparen wirklich so eine gute Idee ist? Schüler in Baden-Württemberg sollen auf solche Fragen künftig Antworten bekommen - und zwar nicht nur nebenbei in Geschichte, Geografie oder Gemeinschaftskunde. "Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung" heißt das neue Fach, das im demnächst beginnenden Schuljahr erstmals unterrichtet wird. Die Haupt- und Werkrealschulen, die Real- und die Gemeinschaftsschulen machen den Anfang, die Gymnasien ziehen im kommenden Jahr nach.

Bisher nur nebenbei

Neuland ist das nicht, weder für die Schüler noch für die Lehrer. Auch im Südwesten wurden bisher schon wirtschaftliche Themen im Unterricht behandelt - aber eben wie überall meist nur nebenbei in anderen Fächern. Das soll sich nun ändern.

Der Wirtschaftsunterricht solle die Schüler dazu befähigen, sich mit ökonomisch geprägten Lebenssituationen auseinanderzusetzen und wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, betont eine Sprecherin des Kultusministeriums. Laut Bildungsplan geht es um die Rolle der Bürger als Konsument, Geldanleger oder Kreditnehmer, um die unterschiedlichen Interessen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern und natürlich auch um Steuern und staatliche Leistungen. Und eben auch um die Berufswahl der Schüler. Alles "ganz im Sinne einer ökonomischen Allgemeinbildung", wie das Ministerium betont.

Unternehmer beklagen "marktskeptische Darstellung"

Wirtschaftliche Themen im Schulunterricht sind in der Vergangenheit immer wieder Anlass für Debatten gewesen - bundesweit. Auch die neue Regierung in Nordrhein-Westfalen will an allen weiterführenden Schulen das Fach Wirtschaft einführen. Wie die Länder mit ihrer Bildungshoheit insgesamt mit dem Thema umgehen, darüber hat aber selbst die Kultusministerkonferenz keinen Überblick.

Vor allem die vermittelten Inhalte stoßen bislang oft auf Kritik - und was kritisiert wird, hängt vom Blickwinkel ab: Den Gewerkschaften sind die Themen zu unternehmerfreundlich, auf Seiten der Arbeitgeber ist es genau umgekehrt.

Die oft marktskeptische Darstellung - gerade in Geografie- und Geschichtsbüchern - sei bedenklich, kritisierte etwa der Verband der Familienunternehmer im Frühjahr. In seinem Auftrag hatten Forscher der Universität Siegen untersucht, wie Marktwirtschaft und Unternehmertum in deutschen Schulbüchern dargestellt werden. Und zwar, so das Ergebnis, meist eher negativ, wenn diese Themen nur am Rande in anderen Fächern abgehandelt werden. Der Verband fordert deshalb die flächendeckende Einführung eines Schulfachs Wirtschaft in ganz Deutschland.

Gewerkschaft: Zu kurz gesprungen

Grundsätzlich ist auch der Deutsche Gewerkschaftsbund für die wirtschaftliche Bildung in der Schule. Wie das neue Fach in Baden-Württemberg nun ausgestaltet ist, gefällt ihm aber nicht so gut. Unter anderem hätte sich der DGB eine breitere Ausrichtung und die Einbindung des Politikunterrichts gewünscht.

Auch die Lehrergewerkschaft GEW würde sich eine stärkere Differenzierung wünschen. "Wir wollen eine sozioökonomische Bildung, die auch Probleme der Wirtschaft beinhaltet", sagt die Leiterin des Vorstandsbereichs Schule, Ilka Hoffmann. Diese Themen, zum Beispiel Fluchtursachen oder die Prekarisierung der Arbeit, würden aber ausgeblendet. "Es wird so getan, als werde jeder Unternehmer." Das hält die GEW für zu kurz gesprungen.

Wie der Unterricht nun aussehen wird, kann so genau noch niemand sagen. Zum Teil liefen noch die Fortbildungen der Lehrer, heißt es aus dem Ministerium. Die Fragen zu Döner, Handy und Sparbuch stammen erst einmal nur aus einem Beispiel-Lehrplan, den die Lehrer umsetzen können - aber nicht müssen.

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