Sie sind hier:

Schafzüchter protestieren - Bärenstreit in den Pyrenäen

Datum:

Frankreich importiert Bären aus Slowenien. Schafzüchter fürchten um ihre Tiere und fühlen sich von der Regierung übergangen.

Frankreich hat zwei Bärinnen in die Pyrenäen einfliegen lassen, ein Beitrag zum Artenschutz. Umweltschützer sorgen sich um die vom Aussterben bedrohte Tierart, Bauern um ihre Herden.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Jean-Francois Cazau zieht einmal kräftig, und das Lamm ist geboren. Es ist noch eingehüllt in gelblichen Schleim, den das Mutterschaf sofort abzulecken beginnt. Sein kurz zuvor geborener Zwilling steht bereits auf wackligen Beinen und sucht die Zitze, um zu trinken. "Das ist die leichteste Beute für Bären, wenn sie erstmal auf der Alm sind", sagt Jean-François Cazau, Besitzer einer Herde von etwa 200 Milchschafen in den französischen Pyrenäen.

Leichte Beute für Bären in den Pyrenäen: Ein neugeborenes Lamm.
Leichte Beute für Bären in den Pyrenäen: Ein neugeborenes Lamm.
Quelle: ZDF / Ulrike Koltermann

Tierblut auf dem Rathausplatz

Der Züchter hat Angst um seine Schafe, seit die Regierung im Oktober zwei slowenische Braunbären in der Region hat aussetzen lassen. Sie soll den Bestand von etwa 40 Bären verstärken, damit die Tiere langfristig überleben können. Mitte der 90er Jahren waren sie schon beinahe ausgerottet gewesen.

Doch zahlreiche Schafzüchter protestieren gegen die Aussetzung der Bären - und schrecken dabei auch vor Gewalt nicht zurück. In Etsaut, wo die Bürgermeisterin sich für den Erhalt der Bären einsetzt, vergossen sie eimerweise Tierblut auf dem Rathausplatz. "Als wir gehört haben, dass die Bären unterwegs sind, haben wir die Straßen gesperrt und alle Lastwagen durchsucht", berichtet Cazau. Prompt beschloss die Regierung, die beiden slowenischen Weibchen per Hubschrauber in die Berge zu bringen, um sie weit ab von den Bärengegnern freizulassen.

Ungeliebte Einmischung aus Paris

Wanderweg “Auf der Spur des Bären” in den Pyrenäen.
Wanderweg “Auf der Spur des Bären” in den Pyrenäen.
Quelle: ZDF / Ulrike Koltermann

"Wir züchten doch keine Schafe, damit wir sie von den Bären zerreißen lassen", schimpft Cazau. "Auf der einen Seite macht man uns jede Menge Vorschriften, damit es den Tieren gut geht - und dann halsen sie uns ausgerechnet Bären auf." Für den kommenden Sommer, wenn die Tiere wieder auf den Weiden seien, rechnet er mit weiteren massiven Protesten.

Tatsächlich haben Bären im vergangenen Jahr mehr als 400 Schafe angegriffen, allerdings fast ausschließlich in den östlichen Pyrenäen. Dort werden die Herden wegen ihres Fleisches gezüchtet und verbringen den Sommer ohne Hirten auf den Weiden, sind also eine leichtere Beute.

In den westlichen Pyrenäen - wo Bären seit Jahren kaum Tiere gerissen haben - ist der Widerstand gegen die Tiere eher politischer Art. Die alteingesessenen Schafzüchter können es nicht vertragen, dass sich die unbeliebten Politiker von Paris aus in ihre Lebenswelt einmischen.

Schäferin Elise Thébaut mit ihrer Schafherde in den Pyrenäen
Schäferin Elise Thébaut mit ihrer Schafherde in den Pyrenäen
Quelle: ZDF / Ulrike Koltermann

Schäferin kritisiert Bärengegner

"Die Angst der Bärengegner ist irrational und übertrieben", meint Schäferin Elise Thébaut, eine der wenigen, die den Erhalt der Bären in den Pyrenäen befürworten. "Es geht ihnen in erster Linie um Politik und Wählerstimmen", fügt sie hinzu. Wer sich gegen Paris stelle, komme in den Bergtälern gut an. Zudem profitieren auch die Bärengegner seit Jahren von den Subventionen, die Teil des Bärenprogramms sind: Es gibt Geld für Hirtenhunde, Zäune, Angestellte - und großzügige Entschädigungen für gerissene Tiere.

Ein Käse mit Bärentatze - Markenzeichen der Schäfer, die den Erhalt der Bären in den Pyrenäen befürworten
Ein Käse mit Bärentatze - Markenzeichen der Schäfer, die den Erhalt der Bären in den Pyrenäen befürworten
Quelle: ZDF / Ulrike Koltermann

Elise Thébaut verbringt den Sommer mit ihrer Herde auf der Alm. "Ich beschütze meine Herde, und ich denke, dass ein Zusammenleben mit den Bären möglich ist", erklärt sie. Es sei einfach wichtig, die Art zu erhalten, die es immer schon in den Pyrenäen gegeben habe.

"Natürlich überlasse ich meine Tiere nicht den Bären. Aber dafür bin ich ja da, um zusammen mit den Hunden auf sie aufzupassen." Und als Zeichen ihre Überzeugung verziert sie ihre Käselaibe neuerdings mit eingestempelten Bärentatzen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.