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Fachkräftemangel bei der Bahn - Kein Bock auf die Lok

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Traumberuf Lokführer? Das war einmal - Eisenbahnunternehmen finden kaum noch Bewerber. Vor allem unregelmäßige Arbeitszeiten schrecken viele ab.

Um dem Fahrermangel entgegenzuwirken bildet die Deutsche Bahn aktuell 2000 Lokführer aus. Doch die Personaloffensiven der Eisenbahnunternehmen kommen viel zu spät in Fahrt, so die Gewerkschaft.

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In wenigen Wochen beendet Celine Petri ihre Ausbildung. Die 20-Jährige Bremerin wird bald Hunderte Pendler und Reisende rund um Bremen an ihr Ziel bringen. Petri macht derzeit eine Ausbildung bei der Nord-West-Bahn zur Lokführerin und hat sich ganz bewusst für diesen Job entschieden. "Man arbeitet hier völlig frei. Ich freue mich schon, wenn ich es bald geschafft habe. Das ist dann schon ein schönes Gefühl."

Leute wie Petri sucht die Bahn händeringend - es dürfen auch Branchenfremde sein. Der Deutschen Bahn (DB) und privaten Eisenbahnbetreibern mangelt es erheblich an ausgebildeten Lokführern und anderem Personal.

Deutsche Bahn sucht über 2.000 neue Lokführer

Deutschlandweit will die DB beispielsweise mit ihrer Strategie "Starke Schiene" 2019 rund 22.000 neue Mitarbeiter einstellen, davon mehr als 2.000 Lokführer. Leichter gesagt als getan. Zeiten, in denen der Beruf des Lokführers als Traumjob galt, sind lange vorbei - wenn es sie überhaupt jemals gab.

Bei der Nord-West-Bahn glaubt man, einige der Gründe zu kennen, weshalb sich nur schwer neues Personal finden lässt. "Es sind vor allem die unregelmäßigen Arbeitszeiten, die viele abschrecken", sagt Robert Palm. Im Bereich Weser-Ems ist er als Regionalleiter für rund 250 Lokführer zuständig.

Jahresverdienst über 45.000 Euro

Arbeiten, wenn andere zuhause bei ihren Familien sind, an Wochenenden und Feiertagen, das scheint in der heutigen Zeit nicht mehr attraktiv zu sein. Dabei liegt der Jahresverdienst eines Lokführers bei der Nord-West-Bahn im Schnitt bei gut 45.000 Euro.

Auch bei der großen Konkurrenz der DB verdienen die Lokführer ähnlich viel. "Alles andere könnten wir uns gar nicht leisten", so Palm. "Sonst würden wir als kleines Bahnunternehmen niemanden finden, wenn wir weniger zahlen als die Konkurrenz."

Auf 100 offene Stellen kommen nur 35 Bewerber

Die Allianz pro Schiene nennt den Fachkräftemangel eine der größten Herausforderungen für den Ausbau des Schienenverkehrs in Deutschland. 2017 hätten im Schnitt 100 offenen Stellen nur 35 arbeitssuchende Lok- oder Triebfahrzeugführer gegenübergestanden. Erst nach durchschnittlich 200 Tagen könne eine offene Stelle besetzt werden. "Dies ist eine der längsten Vakanzzeiten aller Berufe in Deutschland." Der Mangel sei ein bundesweites Problem.

Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) geht davon aus, dass aktuell weit über 1.000 Lokführer bundesweit dringend gebraucht werden. "Wir erleben derzeit die Auswirkungen jahrelanger personeller Fehlplanungen", sagt Sven Schmitte von der GDL Nordrhein-Westfalen.

So habe die Deutsche Bahn im Zuge der Privatisierung in den letzten Jahren viel zu wenig neues Personal eingestellt, und auch die kleinen Privatbahnen haben viel zu lange viel zu wenig Personal ausgebildet. Das Problem werde die Unternehmen noch lange beschäftigen und Kunden verärgern, heißt es von der GDL.

Lokführermangel lässt Züge ausfallen

In der Region rund um Bremen hat der Lokführermangel erhebliche Folgen für die Pendler. 17 Prozent der Stellen im Triebfahrzeug sind bei der Nord-West-Bahn nicht besetzt. Die Züge fahren bedingt durch den Personalmangel oft verspätet oder fallen ganz aus. Gerade an den Wochenenden müssen die Reisenden von der Schiene auf die Straße wechseln und den Busersatzverkehr nehmen.

Und wenn die Regionalbahn doch fährt, ist sie proppenvoll. Denn eine weitere Folge des Lokführermangels: Die Züge sind oft kürzer als nötig, weil auch Triebfahrzeugführer fehlen, um die Züge zu rangieren oder Waggons zu koppeln. Bei der Nord-West-Bahn setzt man die Mitarbeiter dann lieber dafür ein, Personen zu befördern und versucht so, den Fahrplan einigermaßen stabil zu halten.

Weichen für die Zukunft

Die Nord-West-Bahn musste nach eigenen Angaben schon eine Millionensumme an die öffentlichen Auftraggeber zahlen, weil sie den Zugverkehr nicht wie vereinbart aufrechterhalten konnte. Deshalb setzt das Unternehmen verstärkt auf neues Personal wie Celine Petri.

Eine Prüfung muss die Auszubildende noch erfolgreich ablegen und dann darf sie raus auf die Schiene. "Ich kann mir gut vorstellen, in dem Beruf alt zu werden", so die angehende Lokführerin. Es scheint, als hätte die junge Frau für sich die Weichen in Richtung Zukunft gestellt. Die Bahnreisenden können nur hoffen, dass dies den Unternehmen bei der Personalsuche auch gelingt.

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