Sie sind hier:

Tarifverhandlungen bei der Bahn - Drohen wieder Streiks?

Datum:

Diese Woche beginnen die Tarifverhandlungen für rund 160.000 Angestellte bei der Deutschen Bahn. Um welche Fragen es geht und was auf Passagiere zu kommen könnte - ein Überblick.

Mitglied der GDL während eines Streiksvor Triebwagen der Deutschen Bahn (Archivbild vom 22.02.2011)
Quelle: dpa

Die Bahn verhandelt mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL). Am Ende sollen nach dem Wunsch des Konzerns gleiche Ergebnisse für gleiche Berufsgruppen stehen - am liebsten ohne Streiks und am liebsten schon vor Weihnachten. Die wichtigsten Fragen im Überblick.

Drohen wieder Streiks?

Zu Beginn der Verhandlungen zeigt sich die Deutsche Bahn motiviert eine Lösung zu finden - und Streiks zu umgehen. Man will in der diesjährigen Tarifrunde eine schnelle Verständigung mit den Gewerkschaften erreichen. "Wir wollen am Verhandlungstisch zügig vernünftige Lösungen finden", sagte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler am Montag in Berlin. Es müsse ein Paket geschnürt werden, dass die Leistungen der Mitarbeiter wertschätze, aber auch das Kerngeschäft der Bahn im Blick behalte.

Sollte die Bahn die Erwartungen der Gewerkschaften allerdings nicht erfüllen, könnte es wieder zu Streiks und Zugausfällen kommen.

Was fordern die Gewerkschaften?

Beide Arbeitnehmervertretungen fordern 7,5 Prozent mehr Lohn - die GDL bei einer Laufzeit von 24 Monaten, die EVG hat sich zum Zeitrahmen noch nicht geäußert. Beide verlangen auch eine höhere Ausbildungsvergütung und einen höheren Mietkostenzuschuss für Azubis. Dazu kommen jeweils dutzende weitere Forderungen.

Die GDL möchte etwa, dass die Zulagen für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit um 25 bis 50 Prozent erhöht werden. Höher soll auch die Zulage für Überstunden ausfallen und monatlich statt jährlich ausbezahlt werden. Laut DB kann die Summe verschiedener Zulagen derzeit bis zu 400 Euro im Monat betragen.

Die EVG verlangt unter anderem, dass die Bahn ihren Anteil an der betrieblichen Altersvorsorge erhöht. Die Angestellten sollen zudem auf ihrem Langzeitkonto angesparte freie Tage in ihrem eigenen Interesse nutzen können - "während des gesamten Berufslebens und nicht erst kurz vor der Rente".

Was wurde aus dem Wahlmodell zur Arbeitszeit?

Das 2016 vereinbarte Wahlmodell zur Arbeitszeit startete im Januar 2018 und ist ein voller Erfolg: An der Abstimmung beteiligten sich nach DB-Angaben 70 Prozent der Beschäftigten. Für 2,6 Prozent mehr Lohn stimmten 40 Prozent, für eine Verringerung der Wochenarbeitszeit um eine Stunde auf 38 Stunden zwei Prozent und für sechs Tage mehr Urlaub 58 Prozent. Die Bahn musste deshalb 1.500 Leute mehr einstellen. Alle zwei Jahre dürfen die Mitarbeiter sich umentscheiden.

EVG und GDL wollen, dass dieses Modell noch ausgebaut wird
. Laut einer EVG-Mitgliederbefragung stimmten 44 Prozent für die Option "nochmal mehr Urlaub", 45 Prozent würden sich für mehr Geld entscheiden, elf Prozent für eine weitere Arbeitszeitverkürzung. Der Bahn bereitet das Bauchschmerzen: Noch mehr Urlaubstage heißt: weniger Personal oder noch mehr Einstellungen. Das ist beim derzeitigen Fachkräftemangel nicht einfach.

Was kosten die Lohnerhöhungen die Bahn?

Der Konzern rechnet vor, dass ein Prozent Tariferhöhung mit rund 90 Millionen Euro im Jahr zu Buche schlägt. Derzeit steht die DB wirtschaftlich nicht gut da - Bahn-Chef Richard Lutz hatte wegen sinkender Gewinne erst Anfang September in einem Brandbrief an die Führungskräfte eine bessere Zusammenarbeit und strengere Kostenkontrolle angemahnt.

Das Unternehmen ist zum Start der Gespräche in einer schwierigen Situation: Auf der einen Seite sinken die Gewinne, auf der anderen steigen die Schulden in Richtung eines Rekords von rund 20 Milliarden Euro. Pünktlichkeit und Service lassen parallel auch nach Einschätzung der Bahn zu wünschen übrig. Zugleich sucht man neue Mitarbeiter und will alleine dieses Jahr 20.000 neue einstellen. Vor allem aus Altersgründen wird in den nächsten zehn Jahren die Hälfte aller Mitarbeiter ausscheiden.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.