Sie sind hier:

Ballungszentren - Wie Großstädte auf den Klimawandel reagieren

Datum:

Bruce Mowry ist Stadtingenieur in Miami Beach in Florida. Seine Mission: Die 90.000-Einwohner-Stadt retten. Denn die droht durch den steigenden Meeresspiegel zu versinken.

Skyline von Miami Beach
Skyline von Miami Beach Quelle: picture alliance / Photoshot

Unter Mowrys Leitung weicht die Stadt dem Ozean aus - und zwar nach oben. Der Ingenieur steht vor einem Supermarkt. Zwei Treppenstufen führen in den Laden. "Als wir anfingen, Straßen anzuheben, waren hier fünf weitere Treppenstufen. Der Gehweg lag fast 80 Zentimeter tiefer und insgesamt sieben Stufen führten zum Eingang", und das sei nur ein Bruchteil der Baumaßnahmen, betont Mowry. Parks, Gebäude, sogar ganze Straßen werden höher gelegt, riesige Pumpanlagen gebaut. Miami Beach liegt nur etwa einen Meter über dem Meeresspiegel. Kaum eine andere Stadt ist schon heute so betroffen vom Klimawandel.

"Ground Zero" des Meeresspiegelanstiegs

Unwetter und Stürme wie Hurrikan "Irma" im September 2017 überfluten hier regelmäßig die Straßen. Hochwasser plagen die Einwohner. Deiche nutzen wenig, da der Untergrund der Stadt aus porösem Kalkstein besteht. Das Meer fließt einfach hindurch. Besonders dramatisch ist die Situation in der Flutzeit, wenn das Wasser aus allen Straßenöffnungen nach oben tritt. "Sunny day flooding" nennt man das hier. Kein Regen weit und breit - aber alles ist überschwemmt.

Zwischen 2011 und 2015 stieg das Meer an der Küste Südfloridas sechsmal schneller als auf dem Rest der Welt. Viele nennen die Region den "Ground Zero des Meeresspiegelanstiegs". Miami Beach sieht sich gezwungen schon heute auf den Klimawandel zu reagieren. Hier zeigt sich, was auf weltweite Ballungszentren zukommen könnte.

Ballungszentren müssen sich anpassen

Die US-Wetterbehörde prognostiziert einen weltweiten Meeresspiegelanstieg von bis zu zwei Metern bis zum Ende des 21. Jahrhunderts. Prof. Jörn Birkmann von der Universität Stuttgart warnt vor einem hohen Maß an Unsicherheit. "Drei Viertel der Ballungszenten liegen heute in Küstenzonen. Das sind rund eine Milliarde Menschen", betont der Raumplaner und fordert mehr Anpassungsspielräume für den weltweiten Städtebau. Denn nicht nur der steigende Meeresspiegel ist eine Bedrohung. Menschen werden unter Sturmfluten, Meeresspiegelanstieg, Hitzestress aber auch Starkniederschlägen zu leiden haben. "In Deutschland haben wir es auch mit Phänomenen des Meeresspiegelanstiegs für Küstenzonen zu tun, aber auch mit veränderten Sturmfluten und Starkniederschlägen. Hier muss man sich auf neue Phänomene einstellen, die man bisher in der Stadtentwicklung noch nicht bedacht hat", mahnt Prof. Birkmann.

Banger Blick in die Zukunft

Ingenieur Bruce Mowry packt das Problem schon heute an. Voraussichtliche Kosten: Allein 400 Millionen US-Dollar für Entwässerungssysteme. Doch finanzielle Unterstützung von der Regierung des Bundesstaats Florida bleibt aus. Der republikanische Gouverneur glaubt nicht an den Klimawandel. Planungssicherheit hat Bruce Mowry nicht. "Wir bauen hier nur kurzfristige Lösungen für den Moment. Keiner weiß, was die Zukunft bringt. Wir können die Natur nicht besiegen, aber wir können lernen besser mit ihr klarzukommen", klagt der Stadtingenieur.

planet e.: Wenn das Klima kippt

Städte wie Miami Beach werden die Folgen des Klimawandels in Zukunft immer heftiger zu spüren bekommen. Und die Zeit drängt, denn das System ist träge: Baumaßnahmen brauchen lange Planungszeiten und neue Strukturen bestehen oft über Hunderte von Jahren. Weltweit müssen Ballungszentren schon heute angepasst werden. Viel Zeit bleibt nicht.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.