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Digitale Banken-Welt - "Kunden sind die wirklichen Gewinner"

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Am 13. Januar tritt die EU-Zahlungsrichtlinie "PSD2" in Kraft. Banken müssen ihre Daten Internet-Finanzdienstleistern zur Verfügung stellen. Davon profitieren vor allem die Kunden.

Online-Banking mit dem Smartphone
Online-Banking mit dem Smartphone Quelle: colourbox.de

Schon jetzt erleichtern Paypal und andere Dienstleister das Bezahlen im Internet. Fintechs bieten Versicherungsvergleiche, erleichtern Aktienkäufe und vieles andere mehr. Die Bankenrevolution steht aber erst am Anfang, sagt Markus Alberth vom Beratungsunternehmen Capco.

heute.de: Hat die klassische Bank ausgedient?

Markus Alberth: Die Frage lautet doch eigentlich: Was ist der gemeinsame Nenner? Eine sehr alte Werbung der Hypovereinsbank lautete "Leben Sie, wir kümmern uns um die Details." Genau das besorgt heute die Digitalisierung. Die Kunden leben ihr Leben und die Bank muss im richtigen Augenblick zum Kunden kommen, mit Paypal zu eBay oder mit Finanz-Informationen zu Alexa und Siri.

Online-Banking ist so gesehen bereits nicht mehr zeitgemäß. Hier muss der Kunde immer noch zur Bank kommen. Es macht keinen Unterschied, ob der Kunde in die Filiale muss, zum Automaten oder auf die Online-Banking-Webseite. Er muss zur Bank. Das ist einfach unbequem. Bill Gates sagte schon 1994 "Banking is necessary, banks are not." Es gilt als sicher, dass viele klassische Banken die kommenden Jahre nicht überleben werden, ebenso wie viele Fintechs. Aber es wird auch Gewinner geben, die sich den neuen Finanzmarkt neu aufteilen. Das können heutige Banken sein, Fintechs oder auch Internetgiganten wie Facebook, Amazon, Google oder Apple.

heute.de: Kontoauszüge und Bargeld gibt es am Drucker, Kreditanträge werden online ausgefüllt. Persönlichen Kontakt haben Kunden bei ihrer Bank kaum noch. Wird das noch weniger werden?

Alberth: Direkt von Angesicht zu Angesicht zwischen Kunden und Bankmitarbeitern werden die Kontakte einbrechen. Bankeigene Filialen werden dramatisch abnehmen. Unabhängige, mobile Vertriebe, welche die Kunden zu Hause besuchen und Bankagenturen werden aber versuchen, in diese Lücke zu stoßen. Außerdem verlangt der Kunde persönliche Antworten über elektronische Kanäle, in dem Augenblick, wenn er es möchte: ohne Termin und Warteschlange. Umgekehrt wird der Kunde immer öfter seine eigenen intelligenten Software-Agenten losschicken, um sich dann die besten Bankleistungen vorschlagen zu lassen. Banken werden also immer weniger mit Kunden direkt sprechen, sondern mit deren Robotern.

heute.de: Welche Technologien werden denn in naher Zukunft einziehen?

Alberth: Ich tippe auf Spracherkennung, Augmented Reality, Künstliche Intelligenz, Software Robotics und alle Arten neuer Endgeräte.

heute.de: Was ist Augmented Reality?

Alberth: Augmented Reality - oder auch einfach nur AR - bedeutet, dass Sie ein gegebenes, zumeist natürliches Signal um künstliche Elemente erweitern. Echt und künstlich werden also vermischt, wie bei dem Spiel Pokemon Go. Augmented Reality ist deshalb so praktisch, weil Sie damit Ihr echtes Umfeld besser verstehen können.

heute.de: Und welche Anwendungsbereiche sind denkbar?

Alberth: Wenn Sie als Bankkunde Ihren Hund Gassi führen und Sie kommen an einem Haus vorbei, das Ihnen gefällt, dann richten Sie kurz Ihre Kamera mit der AR-Banking-App auf das Haus. Ihre Bank wird dann dort interessante Informationen einblenden wie etwa: Das Haus steht zum Verkauf oder nicht, Immobilienpreis, Ihr Vermögen, Ihr verfügbarer Kreditrahmen bei der Bank, entsprechende Kreditkonditionen und Laufzeiten.

Oder Sie halten Ihr Smartphone über Ihren Steuerbescheid und lassen sich verschiedene Positionen im Detail erklären. Und das Kleingedruckte in Verträgen wollen Sie auch ab und zu auf Fallen prüfen lassen, nur so aus Neugier.

heute.de: Die Banken werden vor allem Kosten sparen. Die Kunden auch?

Alberth: Auf jeden Fall. Die Kunden sind die wirklichen Gewinner der Entwicklung in der Finanzbranche. Die Transparenz wird extrem zunehmen, der Wettbewerb zwischen den Banken damit auch. Bankprodukte sind doch teilweise bis ins Detail vergleichbar und standardisiert. Da werden Sie als Bank Mühe haben, nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Die digitale Welt ist die Demokratie der Kunden. Sie stimmen mit jedem Euro, den sie ausgeben, ab und die Anbieter müssen sich zur Wahl stellen. Da Kunden immer besser informiert sind, auch mit Hilfe von intelligenten Software-Agenten, lassen sie sich immer weniger "über den Tisch ziehen".

Das Interview führte Jan-Ole Kraksdorf

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