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Studie - Dünne Luft für die Banken in Deutschland

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Eine neue Studie prophezeit Deutschland das große Bankensterben. Einem Land, das sich eine umfassende Versorgung mit Geld-Dienstleistungen gönnt. Das wird sich radikal ändern.

Eine geschlossenen Bank-Filiale in Münster
Eine geschlossenen Bank-Filiale in Münster
Quelle: imago

Die annähernd 2.000 Kreditinstitute im Lande müssen bald mal ganz tapfer sein: Laut der Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman wird es nur die wenigsten von ihnen in zehn bis fünfzehn Jahren noch geben.

Das Drei-Säulen-Modell in Deutschland hat sich jahrzehntelang bewährt: Es gibt die öffentlich-rechtlichen Sparkassen, genossenschaftlich aufgestellte Volks- und Raiffeisenbanken und die privaten Institute der Kreditwirtschaft. Gerade die ersten beiden Säulen lockten die Kundschaft vor allem im ländlichen Raum mit einem breiten Angebot an Filialen. Das, was die Großen wie Deutsche Bank und Commerzbank nicht leisten konnten.

Immer mehr Filialen machen zu

Dafür präsentierten sich die Privatbanken als gediegenes Tor zur Welt mit all ihren Anlagemöglichkeiten, außerdem fühlten sie sich vor allem bemüßigt, gutbetuchte Kundschaft zu umsorgen. Die Scheinidylle hat schon in den letzten Jahren gelitten, und eine Untersuchung der amerikanischen Strategieberatung Oliver Wyman verheißt das große Sterben.

Die Kunden haben es oft schon erlebt: Die Filiale an der Ecke schließt, was naturgemäß die Sparkassen und Volksbanken mit ihrem hohen Bestand als erste in die Wege geleitet haben. Die öffentlich-rechtlichen Sparkassen, die einen gesetzlichen Auftrag wahrnehmen, sehen diesen auch mit weniger Präsenz am Ort gewährleistet. Immer mehr Kunden besuchen nie eine Niederlassung, das Zauberwort heißt Online-Banking.

Anders als in Nachbarländern: keine Bank hat eine Monopolstellung

Volks- und Raiffeisenbanken, hervorgegangen aus dem Gedanken, ihren Mitgliedern, also Genossen, wechselseitig unter die Arme zu greifen, stehen ähnlich da. Die Deutsche Bank hat bundesweit noch 535 Filialen – und schon vor längerer Zeit angekündigt, besondere Beratungskompetenzen auch in speziellen Zentren zu bündeln. Anders als in den meisten europäischen Nachbarländern besitzen die jeweils größten Banken in Deutschland keinen erdrückenden Marktanteil: Die drei größten kommen zusammen auf fünfzehn Prozent (in den Niederlanden beherrschen die vier größten Banken rund drei Viertel des Marktes). Die Zersplitterung hierzulande dürfte also dazu führen, dass Zusammenschlüsse und Übernahmen die Bankenlandschaft übersichtlicher machen werden.

Immer noch gibt es nämlich für je 2.500 Bundesbürger eine Bankfiliale - im Ausland sind es oft 6.000, denen eine Niederlassung zur Hand geht. Vermutlich wird diese Relation in Deutschland auch am Ende nicht erreicht werden, denn die Bürger sagen in Umfragen stets, dass ihnen die persönliche Ansprache sehr wichtig sei. Parallel dazu weiten allerdings die Kreditinstitute ihr Online-Angebot stetig aus, auch mit Hilfe der "Fintechs" genannten jungen Unternehmen, die ganz neue Finanzdienstleistungen über das Netz entwickeln. Einige von ihnen werden zur Konkurrenz herkömmlicher Banken, die meisten aber werden mit ihren Erfindungen in das Angebot der herkömmlichen Institute integriert. Der Erfolg der Fintechs endet nämlich meist an der Schranke namens "Banklizenz", die für weitergehende Angebote unerlässlich ist - und nicht mal eben so zu erlangen.

Studie rechnet mit 90 Prozent weniger Kreditinstituten

In Sachen Informationstechnologie allerdings sind die kleinen Startups den großen Kredit-Tankern um einiges voraus. Die wiederum werden ihre Geschäftsmodelle streng unter die Lupe nehmen müssen und dabei vermutlich bestätigt finden, dass Größe und Konzentration die nächsten Gebote der Stunde sind. 1.900 Kreditinstitute gibt es im Moment in Deutschland (noch 2004 waren es 2.400). Von denen sollen nach der Wyman-Studie in zehn Jahren nur noch 150 übrig sein. Ein harter Schnitt, betrifft er doch wohl in erster Linie kleinere Privatbanken, teils mit großer Tradition, die dem Normalbürger kaum vertraut sind, weil sie in ihrer Nische arbeiten. Wie erfolgreich, das wird in naher Zukunft bestimmend sein. Und auch die Großen werden sich bewegen müssen, um ihre internationale Rolle auszubauen - denn die wirkt wiederum auf den Erfolg zu Hause. Die Kunden können sich zurücklehnen - falls sie online ihre Finanzen abwickeln, sogar im wahrsten Sinne des Wortes.

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