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Arabische Dynastien - Die Barbarei der Herrschersöhne

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Hineingeboren in mächtige Dynastien verteidigen viele arabische Herrschersöhne erbarmungslos und brutal ihre Macht. Jüngstes Beispiel ist der saudische Kronprinz.

Mohammed bin Salman am 24.10.2018 in Riad
Kronprinz Mohammed bin Salman
Quelle: dpa

Durch ihre Blutsverwandtschaft kommen sie in Positionen unkontrollierter Macht. Und ihre Verbrechen im Namen der Familie bringen sie oft grausam zu Fall: Viele Sprösslinge berüchtigter arabischer Tyrannen sind Kleptokraten, die ihr Volk mit einer Mischung aus Vetternwirtschaft und Menschenrechtsverletzungen quälen.

Jüngstes Beispiel für die Skrupellosigkeit arabischer Herrschersöhne ist der Fall des getöteten regimekritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi. Mehrere Spuren legen den Schluss nahe, dass auch Personen aus dem näheren Umfeld des Kronprinzen Mohammed bin Salman verwickelt sind. Das Könighaus in Riad weist eine Verstrickung des 33-Jährigen zurück.

Schon bevor ihn die weltweite Empörung kalt erwischte, hatte der forsche Prinz Negativschlagzeilen gemacht: mit dem blutigen und katastrophalen Krieg, den er im Jemen führt, mit der Inhaftierung anderer saudischer Prinzen, mit seiner Einmischung im Libanon durch die Entführung des Regierungschefs.

Im Glauben an ihre Allmacht kamen viele Herrschersöhne wie Ikarus in der griechischen Mythologie der Sonne zu nahe, als alte Rechnungen beglichen wurden. Beim saudischen Prinzen Mohammed bin Salman scheint ein solches Ende im Moment jedoch unwahrscheinlich, zumindest solange sein Vater auf dem Thron bleibt und die Erbfolge der Al Sauds nicht entgleist.

Nicht nur ein Phänomen des Nahen Ostens

Brutale und geldgierige Nachkommen sind nicht nur im Nahen Osten zu finden: Die bekannteste autokratische Familie weltweit ist die Kim-Dynastie in Nordkorea - sie macht auch nach 70 Jahren keine Anstalten, in naher Zukunft zusammenzubrechen. Und in Afrika wird der Kongo noch immer beherrscht vom Kabila-Clan: Im Jahr 2001 übernahm Joseph Kabila die Macht, zehn Tage nach der Ermordung seines Vaters Laurent Kabila.

Doch es sind vor allem die Diktatorensöhne im Nahen Osten, die ihre blutigen, korrupten Spuren hinterlassen und sich in den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts ins kollektive Gedächtnis brennen. Nach Einschätzung von Jeremi Suri, Professor für Geschichte und Öffentlichkeitsarbeit an der Universität von Texas in Austin, neigen vor allem im Nahen Osten die Erb- und Thronfolger zu unverhohlener Grausamkeit. Der Grund ist seiner Ansicht nach Paranoia aufgrund des intensiven Wettstreits in der Region und schlechter Aussichten im Inland. "Sie sind überaus brutal und greifen zu extremer Gewalt, um ihre Macht aus Angst vor einer politischen Sintflut zu stützen", so Suri. Hinzu komme, dass die internationale Gemeinschaft oft wegschaue.

Hier einige Beispiele berüchtigter Herrschersöhne aus dem Irak, Syrien, Libyen und Ägypten:

Irak: Udai und Kusai Hussein

Archiv: Saddam Hussein (M) mit seinen beiden Söhnen Udai (l) und Kusai in Bagdad
Saddam Hussein (M.) mit seinen beiden Söhnen Udai (l.) und Kusai (r.) in Bagdad (Archivbild)
Quelle: dpa

Am Vorabend der US-Invasion im Irak 2003 gab der damalige Präsident George W. Bush Saddam Hussein und seinen Söhnen 48 Stunden Zeit, das Land zu verlassen - was sie nicht taten: Vier Monate später wurden Udai und Kusai Hussein bei einem Feuergefecht in Mossul getötet. Zum Beweis ihres Todes gingen Bilder ihrer aufgedunsenen und blutverschmierten Leichen um die Welt. Ihr Vater wurde gefangen genommen und drei Jahre später gehängt.

Für seinen Hang zu Gewalt, Unberechenbarkeit und Wahnsinn war Udai gefürchtet und gehasst. Seine Familie regierte das Land mit Personenkult, Unterdrückung, Folter und Hinrichtungen, über Udais Grausamkeit kursierten viele Geschichten: Er prügelte einen Lieblingsleibwächter von Saddam Hussein tot, wurde vieler Vergewaltigungen bezichtigt und überlebte einen Anschlag nur knapp. Als von Saddam favorisierter Nachfolger galt der ruhigere Kusai.

Syrien: Sie Söhne Assads

Baschar al-Assad
Baschar al-Assad (Archivbild)
Quelle: dpa

Baschar al-Assad war nie die erste Wahl seines Vaters Hafis, als es darum ging, Syrien weiter unter alevitischer Kontrolle zu halten. Als Nachfolger erzogen wurde der älteste Sohn Basil, der im Militär Karriere machte und von der Baath-Partei gelobt wurde. Doch als dieser 1994 bei einem Autounfall starb, war es Baschar, ein im Westen ausgebildeter Augenarzt, der im Jahr 2000 die Nachfolge antrat. Vor dem Bürgerkrieg hielt ihn der Westen für einen nützlichen Verbündeten. Das änderte sich nach der brutalen Niederschlagung von Protesten im Zuge des Arabischen Frühlings.

Libyen: Saif al-Islam al-Gaddafi

Archiv: Saif al-Islam am 19.11.2011 in Libyen
Saif al-Islam (Archivbild)
Quelle: ap

Muammar al-Gaddafi regierte Libyen über mehr als drei Jahrzehnte. Auch in Libyen eskalierte die arabische Revolution in einen Bürgerkrieg mit Gräueltaten sowohl von Gaddafi-Truppen als auch der Opposition. Sein Sohn und vorgesehener Erbe Saif al-Islam wurde wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, wegen seiner Rolle bei der Niederschlagung des Aufstandes. Als westliche Streitkräfte die Rebellen mit Luftangriffen unterstützten, trug dies zum Sturz Gaddafis bei.

In grausamen Bildern, die weltweit fast in Echtzeit zu sehen waren, wurde Gaddafi in seiner Heimat Sirte von Rebellen aus Misrata gefangen genommen und misshandelt. Seine Todesumstände sind ungeklärt. Als sein Sohn festgesetzt wurde, fehlten ihm Finger, angeblich von einem Luftangriff. Saif al-Islam wurde vom libyschen Parlament begnadigt und im Juni 2018 freigelassen. Seither zeigte er sich nicht in der Öffentlichkeit. Doch eine Rückkehr an die Macht kann im chaotischen und gespaltenen Libyen nicht ausgeschlossen werden.

Ägypten: Die Söhne Mubaraks

Archiv: Gamal und Alaa Mubarak am 02.06.2012
Gamal und Alaa Mubarak (Archivbild)
Quelle: ap

Mit dem Segen von Husni Mubarak plünderten seine Söhne Gamal und Alaa während der jahrzehntelangen Herrschaft ihres Vaters die ägyptischen Staatskassen. Zusammen mit ihrem Vater wurden die Brüder erstmals zwei Monate nach dem Volksaufstand festgenommen, der Husni Mubarak im Februar 2011 nach 29 Jahren im Amt zum Rücktritt zwang.

Später wurde das Trio wegen der Veruntreuung von Mitteln für die Erhaltung der Präsidentenpaläste zu je drei Jahren Haft verurteilt. Die Söhne wurden 2015 freigelassen, der Vater 2017. Gamal und Alaa erschienen seither häufig in der Öffentlichkeit und wurden relativ herzlich empfangen, sehr zum Unmut mächtiger Unterstützer von Präsident Abdel Fattah El-Sisi.

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