Wie eine Puppe unser Frauenbild prägt

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Barbie feiert 60. Geburtstag - Wie eine Puppe unser Frauenbild prägt

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Barbie feiert im März 2019 ihren 60. Geburtstag. Der Hersteller setzt auf neue Marketingstrategien und zieht dabei alle Gleichberechtigungs-Register.

Die gigantische Spielzeug-Ausstellung im Javits Center am Hudson in New York dürfte so manche Kinderherzen höher schlagen lassen. Unter den vielen Autos, Kuscheltieren und interaktiven Spieleangeboten feiert eine besondere Puppe dieses Jahr ihren 60. Geburtstag. Barbie - oder Barbara Millicent Roberts, wie sie eigentlich heißt - hat im März ihr Jubiläum. Das Alter sieht man ihr allerdings nicht an.

Inklusion in der Barbie-Traum-Welt

Der Konzern Mattel war seit der ersten Puppe 1959 immer wieder scharfer Kritik ausgesetzt. Rassismus, Sexismus oder schlichtweg ein unnatürliches Aussehen, das Essstörungen bei jungen Mädchen hervorrufen würde, warf man Mattel an den Kopf.  

Auf den ersten Blick scheint sich der Hersteller die Kritik zu Herzen genommen zu haben. Pro-Gleichberechtigung und Anti-Diskriminierung lautet die Devise - beziehungsweise das Marketingkonzept. Barbie hat sich verändert. Es gibt sie in allen erdenklichen Hautfarben, mit allen Augenfarben und Frisuren. Eine Puppe trägt ein LGBT-Shirt, wieder eine andere sitzt im Rollstuhl, eine dritte trägt eine Beinprothese. Für letztere soll ein 12-jähriges Mädchen das Modell gewesen sein - Inklusion in der Barbie-Traum-Welt. Durchaus eine Veränderung, wenn man bedenkt, dass sich die Hersteller der ersten Barbie von der Bild-Lilli aus den 50er-Jahren inspirieren ließen. Bild-Lillie war eine, für damalige Verhältnisse sehr anzügliche, Comic-Figur aus der Bild-Zeitung.

"Können wir nun aufhören über meine Figur zu sprechen"

Ärzte bemängelten zudem immer wieder die unnatürlichen Rundungen der Plastikdame. Hätte eine Frau tatsächlich Barbies Figur, wäre sie nicht überlebensfähig. Seit 2016 wurden einige Barbie-Puppen realistischer entworfen. Eine Barbie-Mutter mit knallpinken Haaren hat deutlich dickere Plastik-Beinchen, als das ursprüngliche Design. Auch die motivierte Reporter-Barbie mit Mikrofon ist kurviger. Das Konzept scheint aufzugehen. Das Time Magazine brachte Barbie im Januar 2016 auf das Cover und titelte: "Können wir nun aufhören über meine Figur zu sprechen".

Ärztin oder Fashionista: "Du kannst alles sein"

200 verschiedene Jobs hatte Barbie seit ihrer Geburtsstunde. Die Message, die der Konzern vermitteln will: "Du kannst alles sein." In pinken Lettern steht dieser Leitspruch auf den knalligen Verpackungen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Feuerwehrfrau, Ärztin, Astronautin, Forscherin, Geheimagentin, Fußballerin, Präsidentin, Pilotin - für fast jeden Kindertraum ist etwas dabei. Mattel will ein Statement setzten und lässt dabei nichts unversucht. "Make History", "Girl Power" oder "Dream Big" steht auf den winzigen T-Shirts.

Barbies langjähriger Lebensgefährte Ken hilft ihr mittlerweile offenbar im Haushalt. Er wurde in der Ausstellung unter anderem neben einer Waschmaschine drapiert. Das Ken-Waschmaschinen-Duo gibt es als Set zu kaufen. Die Klassiker sind allerdings immer noch im Sortiment. Prinzessinnen-Barbie und Meerjungfrauen-Barbie tragen wie gewohnt ihre quietschbunten Outfits mit reichlich Pink. Was im Zeitalter der Influencer und Instagrammer nicht fehlen darf: Fashionista-Barbie.

Eine Astronautenbarbie macht noch keinen Feminismus
Stevie Schmiedel, "Pinkstinks"

Stevie Schmiedel von der feministischen Organisation "Pinkstinks" ist genervt. "Eine Astronautenbarbie macht noch keinen Feminismus", sagt die Dozentin für Genderforschung. Schon die Tatsache, dass Barbie immer lächelt würde verdeutlichen, was für ein Frauenbild sie verkörpert. Die Puppe stamme aus einer Zeit, in der von Frauen grundsätzlich erwartet wurde, dass sie sich zurücknehmen und nicht zu viel Platz einnehmen würden, mahnt sie.

Der Sinneswandel lohnt sich für Mattel

Neben dem revolutionären Aussehen der neuen Barbies vermarktet Mattel auch das Thema Religionsfreiheit. Nach dem Vorbild der Fechterin Ibtihaj Muhammad kam die erste Barbie-Puppe mit Hidschab auf den Markt. Die 33-jährige Athletin war die erste amerikanische Muslima, die für die USA in einem olympischen Wettbewerb mit einem Hidschab antrat. Neben 18 weiteren weiblichen Pionierinnen, Sportlerinnen und Künstlerinnen ist Ibtihaj Muhammad nun in der "Barbie Celebrates Role Models" (Barbie feiert Vorbilder) - Reihe verewigt. Der Konzern nennt sie "Shero Dolls".

Der Sinneswandel von der blonden, dünnen hellhäutigen Plastik-Lady hin zu der diversen, ehrgeizigen Powerfrau scheint dem Unternehmen Auftrieb gegeben zu haben. Nachdem 2017 noch ein deutliches Minus von 281,3 Millionen Dollar verzeichnet wurde, konnte sich der Hersteller im vergangenen Jahr über schwarze Zahlen freuen.

Bald auch im Kino

Die einen sehen sie als Feind der Emanzipation, die anderen als traditionelles Must-Have in jedem (Mädchen-)Kinderzimmer. Barbie soll demnächst zum ersten Mal von einer realen Schauspielerin auf die Kinoleinwand gebracht werden. Die 28-jährige Australierin Margot Robbie wurde für die Rolle gewählt. Eine dünne, blauäugige, hellhäutige Blondine. Happy Birthday Barbie.

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