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Ein Toter, sechs Verletzte - Barmbeker Messer-Attentäter vor Gericht

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Im Juli 2017 sticht ein Asylbewerber in und vor einem Supermarkt in Hamburg-Barmbek auf Menschen ein. Ein Mann stirbt, sechs Menschen werden verletzt. Heute beginnt der Prozess.

Archiv: Polizisten sichern am 28.07.2017 den Tatort in Barmbek
Polizisten sichern im Juli 2017 den Tatort in Barmbek (Archivbild).
Quelle: dpa

Er wollte Vergeltung üben. Am 26. Juli 2017 sticht der 26-jährige palästinensische Asylbewerber Ahmad A. in und vor einem Supermarkt in Hamburg-Barmbek wahllos auf Menschen ein. Ein Mann stirbt, sechs Menschen werden verletzt. Mutige Passanten stoppen ihn.

Bei seiner Vernehmung bestand er darauf, ein Terrorist zu sein. Er habe aus Rache für das Unrecht, das aus seiner Sicht weltweit Muslimen angetan werde, möglichst viele Deutsche mit christlichem Glauben töten wollen. Er ist offensichtlich ein Einzeltäter. Eine Verbindung zum Terrornetzwerk "Islamischer Staat" bestand nicht, der IS hat die Tat auch nicht für sich reklamiert. Die Bundesanwaltschaft hat das Verfahren an sich gezogen. Sie sieht die Taten als Akte des Terrorismus an, der Prozess findet vor dem Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts statt.

Attentat plötzlich und unerwartet

Für die Kunden des Supermarktes und die Passanten vor der Tür kam die Attacke völlig überraschend. Ahmad A. hatte den Supermarkt nach einem unauffälligen Einkauf schon verlassen, als er plötzlich kehrt machte und wieder zurückkam. Er nahm ein 20 Zentimeter langes Messer aus der Auslage und stach offenbar wahllos auf mehrere Menschen ein, ein 50-Jähriger starb noch am Tatort. Anschließend verließ er den Laden, ging auf die Straße und attackierte weitere Menschen.

Auf der belebten Straße versuchten sofort mehrere Männer den Attentäter zu stoppen. Sie verfolgten ihn, nahmen Stühle und anderen schwere Gegenstände, warfen sie auf Ahmad A. und versuchten, ihm das Messer aus der Hand zu schlagen. Schließlich konnten sie ihn überwältigen und bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Für ihren mutigen Einsatz wurden sie später als die "Helden von Barmbek" geehrt, ohne sie hätte es wahrscheinlich noch mehr Tote und Verletzte gegeben. Die Helfer haben fast alle einen Migrationshintergrund, leben in Barmbek und wollten, wie sie später sagten, ihr Zuhause beschützen.

Messerstecher war ausreisepflichtig und verhaltensauffällig

Ahmad A. kam im März 2015 aus Norwegen nach Deutschland, vorher soll er sich auch in Spanien und Schweden aufgehalten haben. Sein Asylantrag wurde 2016 abgelehnt, eigentlich hätte er nach Norwegen zurückkehren müssen. Allerdings versäumte das Bundesamt für Migration eine Frist, die Norwegen verpflichtet hätte, ihn zurückzunehmen. Ahmad A. galt nun als ausreisepflichtig und war, nach Aussagen der Behörden, dazu auch bereit, allerdings fehlten die nötigen Papiere. Noch am Morgen des Attentats hatte er sich beim zuständigen Amt erkundigt, ob die Papiere aus Palästina inzwischen da seien.

Während der monatelangen Wartezeit geriet Ahmad A. wiederholt ins Visier der Sicherheitsdienste. So meldete sich im Frühjahr 2016 ein Bekannter von A. bei Polizei und berichtete von einer zunehmenden Radikalisierung. Später soll A. in einem Flüchtlingscafé mit Terror gedroht haben. Mitarbeiter des Verfassungsschutzes befragten ihn, er wurde als "Verdachtsfall Islamist" eingestuft, aber nicht als "Gefährder". Ein empfohlenes sozialpsychiatrisches Gutachten wurde nicht erstellt, Versäumnisse also auf Behördenseite. Die Radikalisierung von A. verlief offenbar schubweise, mal streng religiös, dann wieder offen und kooperativ.

Heimtücke und niedere Beweggründe

Der letzte Auslöser für seine Messerattacken war offenbar der Ende Juli 2017 eskalierende Konflikt zwischen muslimischen Gläubigen und israelischen Sicherheitskräften um den Tempelberg in Jerusalem. In seinen Vernehmungen gab er auch Deutschland eine Mitschuld. Er habe möglichst viele "Ungläubige" töten und dann selbst als Märtyrer sterben wollen.

Ein psychiatrisches Gutachten, das die Bundesanwaltschaft in Auftrag gegeben hat, kommt zu dem Ergebnis, dass Ahmad A. zum Tatzeitpunkt voll schuldfähig gewesen sei. Der 26-Jährige wird nun wegen Mordes und versuchten Mordes sowie der gefährlichen Körperverletzung in sechs Fällen angeklagt. Er habe heimtückisch und aus niederen Beweggründen getötet, ihm droht eine lebenslange Haftstrafe. Für den Prozess sind bis jetzt neun Verhandlungstage angesetzt.

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