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Batterien im Zwielicht - Die Schattenseiten der E-Mobilität

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Diesel und Benziner sollen gehen, E-Autos kommen. Doch auch die E-Mobilität ist nicht so sauber, wie es scheint. Das Wirtschaftsmagazin makro auf den Spuren von Lithium und Kobalt.

Weg mit Diesel und Benziner - her mit angeblich umweltfreundlichen Elektroautos. Das ist das Mantra von Politik und Medien. Doch auch die Elektromobilität ist nicht so "sauber", wie es scheint.

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Verkehrsplaner setzen große Hoffnungen auf Elektroautos. Noch sieht man sie eher selten, aber das könnte sich bald ändern. Wenn der Mobilitätsforscher Stefan Bratzel recht behält, werden schon ab 2025 mindestens 15 Prozent der Neuwagenzulassungen weltweit elektrisch sein. "Das wären dann 15 bis 20 Millionen Elektrowagen, die im Jahr 2025 neu zugelassen werden", rechnet er vor.

Millionen von Elektroautos, angetrieben durch Batterien, die mehrere Hundert Kilogramm schwer sind: Der Run auf die Batterie-Rohstoffe hat begonnen. Neben den bekannten Industriemetallen Kupfer, Nickel und Aluminium sind dies Graphit und Mangan, vor allem aber Kobalt und Lithium. Zwischen 20 und 30 Kilogramm Lithiumkarbonat stecken durchschnittlich in jeder Batterie.

Chile: Lithium-Becken bis zum Horizont

Wir reisen in die Atacama-Wüste nach Chile, eine der trockensten Gegenden der Welt. Hier im Dreiländereck zu Argentinien und Bolivien liegt die große Salzebene - und in ihr die sogenannten Salares mit dem Lithium. Es ist keine Mine im klassischen Sinne: Pumpen holen das mineralhaltige Wasser aus dem Boden. In riesigen Becken verdunstet es. 44 Quadratkilometer Fläche bedecken sie allein an diesem Standort. Sie reichen bis zum Horizont.

Litihum-Abbau in der Atacama-Wüste in Chile
Litihum-Abbau in der Atacama-Wüste in Chile
Quelle: Reuters

Rund fünf Monate dauert es, bis aus dem Wasser eine dickflüssige Substanz geworden ist, die rund sechs Prozent Lithium enthält. Tanklaster bringen das Konzentrat in eine Fabrik. Dort wird es zu Lithiumkarbonat weiterverarbeitet. Das Problem: Die Lithiumgewinnung benötigt gigantische Mengen Grundwasser, allein hier bis zu 21 Millionen Liter. Das entspricht dem Inhalt von rund sieben olympischen Schwimmbecken, täglich.

Die neue Dürre

Für die Umwelt und die lokale Landwirtschaft in umliegenden Oasen sind die Folgen des absinkenden Grundwasserspiegels verheerend. Cristian Espindola, ein Kleinbauer, macht die Lithiumminen verantwortlich für die verdörrenden Sträucher: "Man produziert Lithium und opfert das hier", empört er sich. "Sie verdienen Millionen und Abermillionen von Euros. Aber Sie opfern die Menschen. Sie opfern die Tiere. Sie opfern das Leben." So sei die Welt nun mal. Und es interessiere niemanden.

Die Zukunft der indigenen Bauern aus der Salzebene der Atacama ist ungewiss. Immer neue Verdunstungsbecken werden gebaut. Bis 2025 will Chile die Lithiumproduktion mehr als vervierfachen, auf bis zu 350.000 Tonnen pro Jahr. Der Rohstoffabbau macht einen großen Teil der Wirtschaftsleistung aus. In der Hauptstadt Santiago hofft man, allein mit Lithium bis 2030 gut 15 Milliarden Dollar einzunehmen. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund 280 Milliarden Dollar.

"Blut-Kobalt" aus dem Kongo

Doch in den Batterien der E-Autos steckt noch ein weiterer Rohstoff, den die Autobauer dringend brauchen: Kobalt. Durchschnittlich zwischen 10 und 15 Kilogramm des Metalls sind in den Akkus verbaut. Rund zwei Drittel der Weltproduktion kommen aus dem Kongo. Zehn bis 20 Prozent des kongolesischen Kobalts wiederum stammen aus kleinen Minen - eher einem Gewirr von Löchern, Schächten und Gängen -, die unter haarsträubenden Umständen irgendwo in die Erde getrieben werden.

Die Stadt Kolwezi ist so ein Ort, im Süden des riesigen Landes. Auf dem Musompo-Markt außerhalb der Stadt warten die Abnehmer. Der Zwischenhandel ist fest in chinesischer Hand. Doch viele Kobaltgräber fühlen sich hintergangen: "Die Chinesen behaupten, unser Erz enthält nur drei Prozent Kobalt", schimpft einer von ihnen. "Auch wenn es zehn Prozent enthält. Und auch beim Gewicht versuchen sie, uns zu betrügen."

Archiv: Kobaltförderung in Kongo, aufgenommen am 19.10.2006
Eine Kobalt-Miene im Kongo.
Quelle: imago/Xinhua

Fest in chinesischer Hand

China betreibt im Kongo nicht nur viele der großen, industriellen Minen. Auch das Erz aus dem Kleinbergbau landet zu großen Teilen im Reich der Mitte. Lastwagen transportieren den Rohstoff zum nächsten Hafen. Die meisten Lieferungen gehen zur Weiterverarbeitung nach Asien. Konsequent versucht China, sich die komplette Lieferkette für Kobalt zu sichern - ein wichtiger Baustein für die Produktion von Lithium-Ionen-Zellen, den China bereits heute dominiert.

Den Weg des Kobalterzes aus dem Kongo untersucht Mathias John, Experte für Rohstoffhandel bei Amnesty International, schon seit Jahren. Eine Studie habe gezeigt, "dass chinesische Unternehmen im Kongo das Erz aus dem Kleinbergbau aufkaufen, das an die Schmelze in China weiterliefern und von dort aus geht das metallische Kobalt dann zu den Herstellern von Akkuteilen und Akkus. Und diese Akkus landen dann am Ende auch in deutschen Elektroautos."

Es liegt also an den Autokonzernen, ihre Lieferketten transparent zu machen und Rohstoffe aus problematischen Quellen zu vermeiden. Sonst beherrschen die Schattenseiten der E-Mobilität alsbald die Diskussion über die neue Technologie.

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