Sie sind hier:

Zuschüsse nach Dürre - Ja, aber: Bauern mit Hilfen fast zufrieden

Datum:

340 Millionen Euro für dürregeplagte Bauern - die Landwirte selbst sind fürs Erste zufrieden. Aber: Das wird nicht reichen, sagt die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

Die wochenlange Dürre hat Landwirte in diesem Jahr in akute Finanznot gebracht. Bund und Länder haben den Bauern nun staatliche Nothilfen von bis zu 340 Millionen Euro zugesagt.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

"Schon jetzt ist bei vielen Betroffenen klar, dass dies nicht reichen wird", sagt Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, die vor allem Öko-Bauern vertritt. Das heute von der Bundesregierung vorgeschlagene Hilfspaket für dürregeplagte Bauern könne nur die größten Schäden und Einkommenseinbußen abmildern. Die Bauern brauchten darüber hinaus gezielte Hilfe, wie den Austausch von Futter, so Janßen. Außerdem müsste es neue Vereinbarungen mit Molkereien, Schlachthöfen und dem Lebensmitteleinzelhandel geben. "Über faire Preise ließe sich die existenzgefährdete Situation kurzfristig in den Griff bekommen", sagt Janßen.

Der mitgliederstärkere Deutsche Bauernverband ist hingegen mit der zugesagten Hilfe zufrieden. "Das ist ein gutes Signal für alle betroffenen Landwirte", sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied. Es müsse nun "eine schnelle und unbürokratische Umsetzung der Dürrehilfen erfolgen". Allerdings hatte der Bauernverband zuvor die Höhe der Schäden auf drei Milliarden Euro geschätzt und Hilfen in Höhe von einer Milliarde Euro gefordert.

Klöckner: Keine Vollkasko-Entschädigung

Am Vormittag hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) nach der diesjährigen Dürreperiode den Landwirten finanzielle Hilfe in Höhe von 340 Millionen Euro zugesagt. Dafür erklärte sie die Trockenphase "zu einem Witterungsereignis von nationalem Ausmaß". Das ist Voraussetzung dafür, dass neben den Ländern auch der Bund Direkthilfen an die landwirtschaftlichen Betriebe zahlen kann. Bund und Länder schätzen den entstanden Schaden auf 680 Millionen Euro. Am stärksten betroffen sind Schleswig-Holstein (Ernteertrag von minus 31 Prozent), Brandenburg (minus 27 Prozent), Sachsen-Anhalt (minus 26 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (minus 25 Prozent). Jeder 25. landwirtschaftliche Betrieb, etwa 10.000 insgesamt, sind nach Einschätzung der Länder in ihrer Existenz bedroht.

Klöckner will bis September mit den Ländern Vereinbarungen treffen. Demnach sollen betroffene und bedürftige Betriebe entschädigt werden. Das bedeutet: Betriebe, die im Schnitt 30 Prozent weniger Ertrag im Vergleich zu dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre hatten und die in ihrer Existenz bedroht sind, können finanzielle Hilfe bekommen. Da es laut Klöckner keine "Vollkasko"-Entschädigung geben könne, werde die Hälfte der Schadenssumme von 680 Millionen Euro ersetzt. Diese Kosten von etwa 340 Millionen Euro wiederum finanzieren, so Klöckners Vorschlag, je zur Hälfte Bund und Länder. Die Länder forderte sie auf, schnell mit Abschlagszahlungen zu helfen, die später verrechnet würden. Die Tierbetriebe sollten zuerst entschädigt werden. Nordrhein-Westfalen und Bayern kündigten bereits an, sich zu beteiligen. Niedersachsen stellte einen eigenen Betrag von fünf Millionen Euro in Aussicht.

FDP beharrt auf eigenverantwortliche Vorsorge

Die Getreideernte war in diesem Jahr so schlecht wie seit 1994 nicht mehr. Der Bauernverband rechnet mit minus 26 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen vier Jahre. Auch der Ertrag bei Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais brach ein. Vor allem Tierbetriebe haben Probleme, weil das Futter rar wird. Sowohl der zweite als auch der dritte Grünschnitt fiel aus. Viele Viehhalter müssen Winterfutter teuer zukaufen, weil die Silos leer sind. Rinder wurden schon vorzeitig geschlachtet.

Ob die Landwirte nun 340, 420 Millionen oder eine Milliarden Euro zugesagt wird, ist nach Ansicht der FDP-Bundestagsfraktion jedoch unerheblich. Es gehe darum, "dass unsere Landwirte perspektivisch in die Situation versetzt werden müssen, eigenverantwortlich Vorsorge treffen zu können und nicht abhängig sind davon, dass Politik etwas beschließt", sagt Gero Hocker, landwirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion. Landwirte sollen nach Vorschlag der FDP eine steuerfreie Vorsorge für Dürrejahre treffen können. Darüber soll demnächst der Bundestag entscheiden.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter verlangt von der Bundesregierung einen Klimaaktionsplan, damit Nothilfen nicht zum "Dauerzustand" würden. "Wir brauchen dringend eine Agrarwende", die Landwirtschaft müsse "krisenresitenter werden", so Hofreiter. Der Naturschutzbund WWF fordert nach den Hilfsleistungen des Staates die Solidarität der Bauern: "Akuthilfen müssen klare Signale für eine Transformation und ein Programm hin zu einer klimafreundlichen und an den Klimawandel angepassten Landwirtschaft beinhalten“, so Jörg-Andreas Krüger, Leiter Ökologischer Fußabdruck beim WWF Deutschland. "Wenn wir jetzt nicht handeln wird es in Zukunft noch teurer."

Heiß und trocken wie 1881 nicht mehr

Finanzielle Hilfen des Staates sind generell nur in Ausnahmefällen möglich, da Einbußen zum unternehmerischen Risiko gehören und die Europäische Union direkte Staatshilfen verbietet. Bei Naturkatastrophen sind deswegen zunächst die Bundesländer zuständig. Sind mehrere Bundesländer betroffen, kann der Bund eingreifen. Dafür muss er Schäden von "nationalem Ausmaß" feststellen. Bislang gab es sie beispielsweise 2003, als Bund und acht Länder Hilfen in Höhe von 80 Millionen Euro zahlten. Damals waren 4.400 Betriebe in ihrer Existenz bedroht. Auch bei den Hochwasserkatastrophen 2002 und 2013 war der Bund finanziell eingesprungen.

Von April bis August hatte es in diesem Jahr so wenig geregnet wie seit Beginn der Wetteraufzeichnung nicht. Die Monate gelten als die heißesten und trockensten seit 1881. Bis gestern fiel nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes weniger als die Hälfte der sonst üblichen Niederschlagsmenge.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.